The Future

Bewertung und Kritik zu

THE FUTURE
von Constanza Macras 
Premiere: 4. Dezember 2021 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

Zum Inhalt: Das dringende Bedürfnis, etwas Konkretes über die Zukunft herauszufinden, hat die Menschen durch die Geschichte hindurch immer wieder beschäftigt. Schon in der Antike wurden Orakel befragt, Eingeweide von Opfertieren gedeutet und Sternkonstellationen beobachtet. Über Jahrzehnte hinweg prophezeite der schillernde Walter Mercado die Zukunft in seinen TV-Auftritten wie unzählige andere Astrologie-Online-Websites heutzutage.
In der Zukunft untersuchen wir die Zukunft in der Vergangenheit und verschiedene Theorien der Zeit, Orakel und Rätsel sowie, den Gedanken von Karen Barad folgend, die Möglichkeit, dass die Vergangenheit noch nicht angekommen ist. Vielleicht hat sich die Zukunft langsam immer wieder abgeschafft und alles, was uns bleibt, ist die endlose und zeitlose Reproduktion von Anachronismen.
Wie in dieser Clubszene in einem Science-Fiction-Film: Egal, wann er produziert wurde, wird ein Club dargestellt, der sich für immer in den 80er Jahren befindet und in dem die Weltuntergangsuhr auf fünf Minuten vor zwölf steht.
Es kommt ein Sturm auf, sagt der Mann an der Tankstelle. Ich weiß, sage ich, spiel wieder Sarah Connor.

Mit: Simon Bellouard, Alexandra Bódi, Emil Bordás, Fernanda Farah, Rob Fordeyn, Johanna Lemke, Sonya Levin, Thulani Lord Mgidi, Daisy Phillips, Miki Shoji

Text & Regie: Constanza Macras
Konzept & Regie: Constanza Macras
Bühne: Alissa Kolbusch
Kostüme: Eleonore Carrière
Musik: Robert Lippok
Live-Musik: Tatiana Heuman, Kristina Lösche-Löwensen, Katrin Schüler-Springorum
Dramaturgie: Carmen Mehnert


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Constanza Macras lässt an der Berliner Volksbühne die Zukunft tanzen
  · 23.12.21
''Neben viel Retrochic aus den 1980er Jahren von Kostümbildnerin Eleonore Carrière schwelgt der Abend in popkulturellen Verweisen en masse. Theorien der US-amerikanischen feministischen Quantenphysikerin und Philosophin Karen Barad über Sein und Zeit überfrachten jedoch etwas den sonst sehr treibend und schwungvoll zum Elektrosound von Robert Lippok in Gang gesetzten Abend. Man muss das alles nicht wirklich wissen, genauso wenig wie bei den Stücken des Hausherrn Pollesch. Nur dass das hier eben nicht im coolen Diskurssprech daherkommt, sondern abwechselnd von den PerformerInnen über die Rampe monologisiert wird. Das nimmt dem Ganzen dann mit der Zeit doch etwas den Drive. Lustig ist aber schon, wie die Theorien zur Quantenphysik zur Melodie von Antonio Carlos Jobims brasilianischem Bossa-Nova-Hit Girl from Ipanema gesungen werden.

Da heißt u.a.: „Die Zukunft ist ein Highway der unerfüllten Erwartungen.“ Oder auch „ein anderes Album von Adele“. Mit Peggy Lee gesungen: Is That All There Is? Wer kann das schon wissen. Auch die von Tatiana Heuman, Kristina Lösche-Löwensen, Katrin Schüler-Springorum gespielte Live-Musik bietet viel Retro mit gecoverten Songs aus den 1980er und 90er Jahren wie etwa aus dem Soundtrack des gerade 25. Geburtstag feiernden Kultfilms Trainspotting. Nach Zügen wird hier nicht Ausschau gehhalten und auch keine Drogen konsumiert. Der Schwung kommt hier fast von allein und mündet in ein chaotisches Meucheln durch die Jahrhunderte vom Steinzeitmenschen über das Mittelalter und das alte Rom bis in die Gegenwart. Etwas transzendent und futuristischer endet der Abend dann womöglich zukunftsweisend mit einer weiteren Gruppenchoreografie zu Technobeats.'' schreibt Stefan Bock am 23. Dezember 2021 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Über das Konzept "Zukunft" hat der Abend wenig zu sagen
  · 07.12.21
''Bei Constanza Macras hängen wir in der sich wiederholenden Zeit im Retro der 1980er Jahre fest: Szenen aus "Dallas" werden als Comedy in Dauerschleife zitiert, der "Dirty Dancing"-Soundtrack und die Hits des Jahrzehnts eingespielt, während auf dem Club-Dancefloor die schönsten Tüll-Kleider und Irokesen-Schnitte wetteifern und religiöse Symbole zum selfietauglichen Accessoire verkommen. Schließlich endet alles in einer blutigen Schlacht der Weltgeschichte: Wikinger, Römer, Alte Griechen, Manager und Cowboys ziehen sich die Keulen und Schwerter über – Kriege gibt’s immer, soll das wohl heißen.

Ein bunter Gemischtwarenladen aus halbgaren Gedanken, gängigen Choreografien, hübschen Kostümen und Ironiefetzen ist dieser Abend, lustig mitunter, aber über das Konzept "Zukunft" hat er wenig zu sagen und entlässt einen eher achselzuckend in die pandemieüberschattete Dezembernacht. Der eindrückliche Auftakt vom sich abschottenden Europa ist da schon fast vergessen.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich einloggen.