Herr Puntila und das Riesending in Mitte

Bewertung und Kritik zu

HERR PUNTILA UND DAS RIESENDING IN MITTE 
von René Pollesch
Premiere: 11. November 2021 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

Zum Inhalt: F: Ja vielleicht trink ich auch mal was. Brenn mir ’n Schnaps und trink dann auch vorsichtig davon. Oder ich rauch nicht mehr, hab aber noch Unmengen von Dope zu Hause, und wenn ich mich dann frage, was mach ich jetzt damit, hab ich mir auch schon mal ne Dope-Butter gemacht, und mich an Tagen, wo ich wusste, dass ich nichts machen muss, in son Café gesetzt und einfach nur geguckt. Und dann bin ich zum Beispiel nach Hause gegangen – und das war das Krasseste – zu meinem vierjährigen Sohn, und ich hab zum ersten Mal wieder gesehen, dass der klein ist. Weil man behandelt den schon anders, also der muss pünktlich sein, die ganze Zeit ist der voll gestresst und genervt, und zum ersten Mal hab ich dann unter Dope wieder gesehn, dass der ganz klein ist, und was ich mit dem hier die ganze Zeit mache. Das ist ja der Horror. Also ich bin dann auch nochmal ein anderer Horror als so der normale Horror.
Und ich weiß jetzt nicht wie es reichen Leuten geht.
Auf so einer Yacht oder so gibt es vielleicht ein Leben, aber das, woher ich komme, da gibt‘s dann immer nur den Befehl, dass ich jetzt irgendwas toll finden soll und ich schaff das auch manchmal, aber eigentlich… Wenn ich nüchtern bin und nachdenke, krieg ich mit, dass ich umgeben bin von etwas, was ich mir nicht ausgesucht habe. Und worauf ich eigentlich, wenn ich die Wahl habe, keine Lust hätte. Ist ja toll hier, oder auch zuhause, aber das ist ja nichts, was ich mir ausgesucht habe. Ich glaub, es gibt ein paar Leute, die können sich ein bisschen mehr wirklich aussuchen. Wo steckt man drin? Wo kommt man her? Und das is ’n Klassenproblem. Jedenfalls für jemanden wie mich.

Mit: Franz Beil, Inga Busch, Christine Groß, Astrid Meyerfeldt
Chor: Svetlana Behrendt-Klein, Béla Erchinger, Rojin Haddad, Zarah Kofler, Lilith Krause, Marén Kutschick, Elisabeth Zumpe, Janoushka Kamin

Regie: René Pollesch
Bühne: Nina von Mechow
Kostüme: Tabea Braun
Dramaturgie: Johanna Kobusch


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Vergnügliche, nicht besonders tiefschürfende Pollesch-Show für Fans
  · 11.11.21
Franz Beil und Astrid Meyerfeldt starten das vertraute Ping-Pong im Pollesch-Sound: er steht oben in der Kopie des geschlossenen Theaters, sie ruft verzweifelt von unten. Dieser Sketch ist Ausgangspunkt für eine vergnügliche, nicht besonders tiefschürfende, aber von den Fans bejubelte 90minütige Show, in der es sprunghaft um fast Alles und fast Nichts geht: um Theatergeschichte und zentrale Begriffe der Theaterwissenschaft, um Hollywood-Stars und Kultfilme, um das richtige Sprechen und manches mehr.

Christine Groß und Inga Busch sowie ein weiblicher Chor mit Quoten-Mann stoßen dazu und lassen den dritten Pollesch-Abend binnen weniger Wochen sanft dahinplätschern. Das gesamte Ensemble steckt in Wohlfühl-Overalls, ihre Namen sind in großen Lettern aufgedruckt. Ein Gimmick wie der wallende Vorhang aus dem Eröffnungsstück oder das Skelett auf Martin Wuttkes Schultern fehlt diesmal. Selbstreferentiell spult der Abend sein Programm ab. Weitere Überraschungen oder Verunsicherungen bot der Abend nach dem kleinen Einstiegs-Scherz nicht mehr. Die eingeschworene Gemeinde jubelt dennoch beglückt.

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Herr Puntila und das Riesending in Mitte
  · 12.11.21
''Der Abend plätschert erstaunlich ereignislos dahin mit ein paar müden Witzen zu Georg Bernhard Shaws Stück Pygmalion nebst französischem Kalauer (Soufflee und Souffleuse) und leichten Spitzen gegen eben jenes Regisseurstheater, das es unter der Intendanz von René Pollesch nicht mehr geben soll. Auch ein Theater ohne Zuschauer nach Brecht, worauf das dann auch mehr oder weniger hin spielt, falls das bis jetzt recht geduldige Publikum irgendwann außen vor bleibt. Will sagen, Draußen vor der Tür wäre dann nicht die schlechteste Alternative, solange drinnen der Sinn leerläuft und der schaumgeschlagene Sack Phrasen nicht mal mehr zum „emblematischen“ Bettvorleger taugt.

Wenn an der Volksbühne weiter nichts von dem passiert, was René Pollesch vollmundig erklärt hat, werden wohl die Lichter am Haus wie die Sterne in der im Stück zitierten Science-Fiction-Story Die neun Milliarden Namen Gottes von Arthur C. Clarke recht bald verlöschen.'' schreibt Stefan Bock am 12. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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