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    Volksbühne
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    Rosa-Luxemburg-Platz - 
    10178 Berlin
    Telefon: 030 24065777
    SPIELPLAN & KARTEN

    Aufstieg und Fall eines Vorhangs und sein Leben dazwischen

    Bewertung und Kritik zu

    AUFSTIEG UND FALL EINES VORHANGS UND SEIN LEBEN DAZWISCHEN 
    von René Pollesch
    Premiere: 16. September 2021 
    Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

    Zum Inhalt: K: Ich weiß nicht, er ist jetzt schon 97 Jahre alt und spielt immer noch. Den Tolstoi hatte er schon mit 43 gespielt. Und jetzt spielt er ihn wieder. Den jungen Tolstoi! Also er hat sich den Bart abrasiert dafür. Er hatte so einen grauen Tolstoi-Bart, und den hat er sich gestern abrasieren lassen. Er sah dem alten Tolstoi ähnlicher als der sich selbst. Jetzt ist er ein alter, glattrasierter 43-Jahre-Tolstoi. Also es wäre besser gewesen, man würde nicht zu viel davon sehen und er hätte den Bart dran gelassen. Aber solch einen Bart hat natürlich auch kein 43jähriger Tolstoi. Und den spielt er jetzt nun mal. Es ist schon verrückt, das Theater. Und andererseits fällt einem auf, dass die jungen Leute da draußen so auf alt und müde geschminkt sind, mit grauen Haaren und schwarzen Augenrändern. Sie sitzen da, auf der Wiese, und man kann ja auch nicht genug von ihnen sehen, aber dann fallen einem ihre grauen Haare auf, und die müden Ringe um die Augen. Als wären die großen Werke an den Teenagern hängengeblieben. Ja, die jungen Leute! All die jungen Leute, die total alt aussehen, und die alten versuchen immer jung zu bleiben… Irgendwas ist dran an dem „jung und alt“. Sag ich jetzt mal so. Es gibt die Jungen, es gibt die Mittelalten und die Älteren. Natürlich, es gibt noch mehr. Aber jung und alt, sag ich mal so, das ist ein Thema. Ich hatte ja immer einen Blick für die jungen Leute, ein Gefühl dafür. Man müsste sie aufbauen. Ja, klingt schlimm, ich weiß. Oder man müsste sie verderben, wie die Philosophie es mal gemacht hat. Man müsste sich an die Jugend richten. Aber bei all dem Schönen hier und Einheitlichen laufen da zu wenig Jugendliche rum. Oder junge Erwachsene. Im Sommer sind sie am See und das ist toll. Dann ist da Musik und die kiffen und tanzen und sehen übrigens auch toll aus. Und dabei schieben sie den grauen Vorhang ihrer Haare zur Seite und denken: Was hab ich zu sagen? Was will ich sagen, wo steh ich jetzt gerade? In der Welt. Und nicht im Theater. Ja, das weiß ich jetzt nicht so genau. Wo sind wir, fragen die Jungen. Wo sind wir, fragen die Alten…

    Mit: Kathrin Angerer, Susanne Bredehöft, Margarita Breitkreiz, Martin Wuttke

    Text & Regie: René Pollesch
    Bühne & Kostüme: Leonard Neumann
    Licht: Frank Novak
    Dramaturgie: Johanna Kobusch

    3.3 von 5 Sterne
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    Tänzelnde Co-Intendant*innen und ein sich bauschender Vorhang
    2 Jahre her.
    Kritik
    Kathrin Angerer schaltet nach der ungeplanten Action-Sequenz mit Polizei und sogenannten Querdenkern erst mal demonstrativ einige Gänge zurück und gönnt sich zu „Without me“ von Eminem ein Fußbad. Im Plauderton spielt sie sich dabei mit Martin Wuttke die Bälle zu. Die beiden Theater-Stars sind wichtige Pfeiler in Polleschs künstlerischem Team. Er betonte in zahlreichen Interviews immer wieder, dass sie mehr als glamouröse Ensemble-Mitglieder sind, bei seinem bekannt inklusiven Arbeitsstil haben sie eher die Rolle von Ko-Intendant*innen. In lockerem Prolog-Geplänkel führen sie mit Kartentricks und Akrobatik in die Welt des Zirkus als Leitmotiv dieser Eröffnungswoche ein. Angerer und Wuttke tänzeln auch in den folgenden 90 Minuten spielerisch durch den Abend und machen es sich auf Camping-Stühlen gemütlich. Sie machen einfach, was sie immer machen: verbales Ping-Pong, etwas Slapstick und munter durcheinander gewirbelte Diskursschnipsel, die diesmal besonders häufig auf den russischen Dichter Leo Tolstoi rekurrieren. Diesen unverkennbaren Pollesch/Angerer/Wuttke-Sound hat man so schon zig-mal gehört. Die Fans jubeln dennoch dankbar, vor allem aus einem Grund: Diese Premiere ist die Rückkehr und Wieder-In-Besitz-Nahme des Stammhauses am Rosa-Luxemburg-Platz, aus dem Pollesch und Co. 2017 von Tim Renner und Chris Dercon vertrieben wurden. Weiterlesen
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    1 von 2 Person(en) gefiel diese Kritik
    Für eine Bühnenhandlung hat sich Pollesch nie interessiert
    2 Jahre her.
    Kritik
    ''Pollesch hat sich noch nie für eine Bühnenhandlung oder die Entwicklung von Theaterfiguren interessiert, ihm sind Charaktere schnuppe, das Repräsentationstheater kann ihm gestohlen bleiben, niemand muss bei ihm eine logische und kohärente emotionale Darstellung zeigen. Er schreibt Texte, um kulturelle und politische Theorien besser verstehen zu können, collagiert Zitate über Kolonialismus und Kapitalismus, Mode, Macht und Mafia. Auch jetzt gibt es keine festgezurrten Figuren, keine ausformulierten Dialoge, sondern nur witzig-konfus verknäulte Textbausteine zur Theorie und Praxis des Theaters unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Vorhangs, die den Schauspieler*innen zum Fraß und zur freien Improvisation vorgeworfen werden. (...) Das Premieren-Publikum freute sich über die wiedergewonnene anarchische Theater-Volksbühnen-Freiheit mit einem intelligent-verrückten und überkandidelt-sinnfreien Text, der Raum für Fantasie lässt und die Darsteller*innen animiert, sich um Kopf und Kragen zu spielen. Eine nostalgische und frivole Mischung aus "Rolle rückwärts" und "Alles auf Anfang": Wohin die Reise geht, ist noch längst nicht ausgemacht.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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    0 von 1 Person(en) gefiel diese Kritik
    Lappen hoch
    2 Jahre her.
    Kritik
    ''Dem Schauspieler hat Ausstatter Neumann ein Gerippe auf den Rücken geschnallt, das an Fäden gezogen raucht und ihm als Running Gag und Tod im Nacken immer wieder an die Schulter tippt. Im Duett mit Kathrin Angerer gelingen einige schöne Dialoge über Geburt und Tod des Vorhangs, über dissoziative Störungen oder die müde Jugend hinter dem Vorhang grauer Haare, auf der die Probleme der Welt lasten, während die Alten jung zu bleiben versuchen. Eine Anspielung auf Fridays for Futur und den Gesundheitswahn. Nicht der einzige Verweis auf aktuelle Diskurse. Gestreift werden auch die Genderdebatte und die Macht der Regisseure, deren Wille hier als pathologisch bezeichnet wird. Auch Brechts Die Mutter oder die Courage werden zitiert und über das Allgemeine des politisch engagierten Dramas diskutiert. Es kommen der sterbende Tolstoi und die Kubisten vor. Pollesch klopft die Kunst und das Theater wieder auf seine Wirkung ab, wozu der Vorhang zu Pop- oder Filmmusik von Kate Bush und dem Soundtrack von Almodovars Film Vicky Cristina Barcelona wilde Choreografien vollführt. Ein durchaus stimmungsvoller Abend, ein Versprechen in die Zukunft, das es nun einzulösen gilt. Der Wille René Polleschs, die von ihm als pathologisch erachtete Alleinherrschaft der Regiekönige zugunsten eines Teams aus AutorInnen und SchauspielerInnen zu beenden, ist hehre Theorie, die nun in die Praxis umgesetzt werden will.'' schreibt Stefan Bock am 17. September 2021 auf KULTURA-EXTRA
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    0 von 1 Person(en) gefiel diese Kritik

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