TEATRO PISCATOR! Die 130-Jahre-Freie-Volksbühnen-Revue

Bewertung und Kritik zu

TEATRO PISCATOR!
Die 130-Jahre-Freie-Volksbühnen-Revue
Regie: Christian Filips 
Premiere: 26. Oktober 2020 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

Zum Inhalt: Dieser Abend wird die Geister der doppelten Volksbühnengeschichte Berlins wachrufen, 130 Jahre Revue passieren lassen und dabei ein Agit-Theater beschwören, das dieser Stadt gerade noch gefehlt hat: das Teatro Piscator! Mit einem Zeitzeugen-Ensemble, das Protagonisten der Freien Volksbühne Berlin (ehemals West) und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz (ehemals Ost) vereinigt. Vorwärts und nicht vergessen: Die vergessenen Arbeitskämpfe! Volksbühne, spürst du deinen Kollektivkörper noch? Und wohin sind die kritischen Massen? Eine dialektische Szenenmontage nach Piscators Revue Roter Rummel (1924), ergänzt um Stefan Wolpes Musik zu Die Mausefalle (Erstaufführung seit 1931).

Mit: Maximilian Brauer, Margarita Breitkreiz, Georgette Dee, Kevin Kühnert, Ilja Richter, Ilse Ritter, Hermann Treusch, Hubert Wild, Männerchor des Staats- und Domchors Berlin, Nobelschrott, den Gewerken der Volksbühne u. a.

Regie: Christian Filips


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Ein Kessel Buntes vor dem 2. Lockdown
  · 28.10.20
Eigentlich hätte diese Jubiläums-Revue schon am 23. März stattfinden sollen: Genau 130 Jahre nach dem Aufruf zur Gründung einer „Freien Volksbühne“, den Bruno Wille im Berliner Volksblatt veröffentlichte und über den Ilse Ritter, eine Grande Dame der deutschsprachigen Bühnen, am Ende dieses langen Abends nachdenkt.
Bild: Johannes Jost

Damals, vor einem halben Jahr, brach die Corona-Pandemie herein und führte zur monatelangen Schliessung aller Bühnen. Das Virus haben wir – wie die steigenden Zahlen zeigen – noch längst nicht überstanden, aber die Theater durften unter strengen Hygiene-Vorschriften und mit stark reduziertem Platzangebot zur neuen Spielzeit wieder öffnen.

So durfte Kultursenator Klaus Lederer das Publikum doch noch zur Jubiläums-Revue begrüßen, es klappte gerade noch in dem kurzen Zeitfenster vor dem November-Lockdown.

In Harlekin-Kostümen spielen Margarita Breitkreiz und Maximilian Brauer, die während der späten Castorf-Ära an der Volksbühne engagiert waren, eine szenische Collage aus alten Piscator-Stücken, die heute sehr fremd wirken und vor allem theaterhistorisch Interessierte ansprechen.

Nach seinem Exil wurde Piscator ab 1962 Intendant der 1947 wieder gegründeten Freien Volksbühne, die im Bornemann-Neubau in der Wilmersdorfer Schaperstraße, dem heutigen Haus der Berliner Festspiele, ihre neue Heimat fand. Die Eröffungsrede des damaligen Regierenden Bürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Willy Brandt wird in dieser Revue ebenfalls eingespielt.

Nach dem „Ein Kessel Buntes“-Prinzip wirft die Jubiläumsrevue, bei der Christian Filips Regie führte, einige Schlaglichter auf die stolze Tradition der Volksbühnenbewegung, die seit 2017 unter dem neuen Markennamen „Kulturvolk“ als sehr umtriebige Publikums- und Besucherorganisation das Berliner Kulturleben bereichert. Hier ist für fast jeden etwas geboten: von der Ouvertüre mit jungen Turnern, die Erinnerungen an René Polleschs „Kill your darlings“ hervorrufen. bis zum lautstarken Auftritt der Punkband Nobelschrott.

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