The West

Bewertung und Kritik zu

THE WEST
von Constanza Macras | DorkyPark
Premiere: 26. Februar 2020 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

eventimKARTEN ONLINE BESTELLEN

Zum Inhalt: Inspiriert von unterschiedlichen Strategien westlicher Gesellschaften und ihrem weltweiten Einfluss – von Afrika bis Lateinamerika –, werden in The West fiktionale Welten entwickelt und die Konstruktionsmittel visueller Landschaften hinterfragt, welche die sozioökonomischen Beziehungen zwischen „den Anderen“ und Europa bis heute prägen. Exotismus als Projektion westlicher Wunschphantasie und als ästhetische Ausbeutung des Fremden im Imperium westlicher Massenkulturen. Während der Hochphase des Kalten Krieges investierte die CIA enorme Summen in ein geheimes Programm, das der kulturellen Propaganda in Westeuropa diente. In In the United States of Africa verkehrt der Autor Abdourahman Waberi den Blick auf eine Realität, in der die westliche Welt keine Rolle mehr spielt. The West skizziert eine performative Studie westlicher Zivilisation und wirft mit viel Humor einen Blick auf westliche Gesellschaften als Traumfabrik künstlicher Authentizität.

Mit: Candaş Bas, Adaya Berkovich, Alexandra Bódi, Emil Bordás, Kostia Chaix, Fernanda Farah, Thulani Lord Mgidi, Daisy Phillips, Miki Shoji, Bastian Trost
Musikerinnen: Almut Lustig, Katrin Schüler-Springorum

Regie und Choreografie: Constanza Macras
Bühne: Alissa Kolbusch
Kostüme: Roman Handt
Licht: Sergio de Carvalho Pessanha
Dramaturgie: Carmen Mehnert


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Bunter Reigen kultureller Aneignung und westlichen Kulturimperialismus
  · 27.02.20
''Überhaupt werden hier Geschlechterklischees witzig vorgeführt und wieder in Western-Sketchen oder nachgespielten Szenen aus lateinamerikanischen Telenovelas ad absurdum geführt. Wie im Palast gibt es auch in dieser Produktion eine TV-Quiz-Show, in der nach Herkunft oder Art von Musikrichtungen oder Interpreten gefragt wird. Bastian Trost, Gaststar vom bekannten Performance-Kollektiv Gob Squad, gibt den männlichen Besser-Wessi und Erklärbär zu den „Cancionero de Palacio“ und weiß auch über die Transformation des Rugga-Muffin-Hits Informer von Rapper Snow durch die Musik-Kulturen der Welt von Schweden über Indien bis zum Balkan zu berichten. Selbstironisch nimmt man Fälle kultureller Aneignung in der westlichen Theaterszene auf die Schippe. In einer kurzen Szene gibt es sogar einen kleinen Seitenhieb auf Thalheimers Katzelmacher-Inszenierung im BE.

Das alles wird live intoniert oder per Video eingespielt. Einen weiteren Exkurs gibt es zu den in den der DDR sehr populären Freizeitindianern. Ein Fest für die Augen und Ohren sowie der kulturellen Vielfalt, der die Auswirkungen westlichen Kulturimperialismus zeigt, wie auch die Vernichtung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas als Play-Mobil-Figuren-Fight nachstellt, oder die Geschichte der Kolonisation des sehr spirituellen Volks der Xhosa aus Südafrika erzählt und Latina-Pop-Diven wie Jennifer Lopez parodiert, bis eine allgemeine Zombiefizierung und gegenseitige Infizierung einsetzt. Damit aber trotz der etwas zu ausufernden drei Stunden auch bestes Entertainment liefert.'' schreibt Stefan Bock am 27. Februar 2020 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Assoziative Studie zu Bildern des Westens
  · 27.02.20
Welche Bilder haben wir vom Westen? Wie sind sie entstanden? Das sind die Leitfragen des Abends, denen Macras auf vielen Nebenpfaden und mit manchen überraschenden Abzweigungen folgt. So erklärt Bastian Trost, der seine künstlerische Heimat beim GobSquad-Kollektiv hat, als wandelnde Super-Nerd-Quizshow-Parodie, wie ein Popsong quer durch die Kulturen wanderte und sich „von weiß zu schwarz und wieder zurück zu weiß“ in unterschiedlichen Hybrid-Formen wandelte oder auf welche Art die Musik der spanischen Renaissance als „Soundtrack auf den Schiffen von Christoph Kolumbus“ die Kolonien beeinflusst hat und bis heute nachwirkt.

Der Abend tänzelt vom Twerking, einem Hiphop-Stil, der sich bei traditionellen afrikanischen Ritualen bedient, über die Latino-Telenovelas und Wonder Woman bis zu den Zombie-Mythen. Zum großen Finale fallen die Spieler*innen mit weit aufgerissenen Augen übereinander her. Die Anspielungen auf Pop-, TV- und Netzkultur, Stereotype und Mythen sind so zahlreich, dass man sicher auch noch nach mehrmaligen Aufführungen noch Neues entdecken und entschlüsseln kann.

Komplette Kritik mit Bildern
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich einloggen.