FINAL FANTASY

Bewertung und Kritik zu

FINAL FANTASY
nach Oscar Wildes Salomé
Regie: Lucia Bihler 
Premiere: 12. Dezember 2019 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: Mythos, Tabuthema, Dorn im Auge, Geheimnis, unerforschtes Gebiet – die weibliche Lust ist ein gesellschaftliches Kuriosum und gleichzeitig unabdingbarer Teil weiblicher Emanzipation. So sprachen schon aus Oscar Wildes Salomé sehnsuchtsvolle Fantasien: „Ah! Du wolltest nicht, daß ich deinen Mund küsse, Jochanaan. Nun! Jetzt werde ihn küssen. Ich werde mit meinen Zähnen hineinbeißen wie in eine reife Frucht.“ Viele Jahre später befindet sich irgendwo auf der Welt oder auf einem fernen Stern eine kleine Zivilisation im Exil – Lust als sexuelles Prinzip ist hier vollkommen verdrängt. Vor dem Hintergrund dieser futuristischen Tristesse findet sich eine Gruppe zusammen, die sich zum Ziel setzt, der Lust wieder auf die Spur zu kommen, sie am Leben zu halten und heimlich zu praktizieren. Tatsächlich liegt der Gruppe als wichtigste Quelle Wildes Salomé-Bearbeitung vor: Diese wunderschöne, wahnsinnige Figur mit ihren Stalkern, dieser kuriosen Anziehungskraft und dem so dringlichen wie unerfüllten Begehren inspiriert sie zu einem Spektakel der Lustfantasien, das sie auf die Bühne bringen. So wie Salomé in ihrem Schleiertanz die weltlichen Schichten ablegt, um das ‚Wahre’ zu offenbaren, ist auch dieser Club auf der Suche nach dem Eigentlichen: Was ist die eigentliche Lust?

Mit: Katja Gaudard, Simon Mantei, Daniel Nerlich, Teresa Schergaut, Maria Walser

Konzept & Regie: Lucia Bihler
Künstlerische Beratung: Sonja Laaser
Bühne: Laura Kirst
Kostüme: Leonie Falke
Video: Rosanna Graf
Musik: Nicolas Fehr
Licht: Denise Potratz
Dramaturgie: Hannah Schünemann


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Belanglos
  · 15.12.19
''Den klassisch schwülstigen Text (Übersetzung: Peter Torberg und Christine Hoeppener) konterkarieren die glitschig wirkenden Alienkostüme. Zwischen den Szenen werden Videos von kopulierenden Alienkörpern und andere wie Froschleich aussehende Bilder auf einen Gazevorhang projiziert. Der religiöse Eiferer Jochanaan (Simon Mantei) ist mit durch Voice-Changer verzerrter Stimme aus dem Off zu vernehmen. Das ergibt eine zwar recht düster artifizielle Ästhetik, wie man sie auch von Ersan Mondtag kennt, hat aber auch etwas bedingt Komisches, wenn der von Salome (Teresa Schergaut) begehrte Täufer wie beim Sado-Maso-Spiel am Gängelband geführt und mit der Peitsche traktiert wird, oder einer der Aliens sich wie Krieg-der-Sterne-Roboter C-3PO bewegt.

Final steht Salome dann mit dem Haupt des Täufers in der Gruppe der staunenden Aliens. So weit kann es gehen mit den Trieben. Der Sinn des ganzen Fantasy-Märchens erschließt sich aber kaum, wären da nicht noch zwei eingeschobene Fremdtexte. Die Aliens lesen in einem Buch über die Frau als sexuell sündhaftes Wesen und Verführerin in der Weltliteratur und abendländischen Geistesgeschichte (Text: Elisabeth Fenzel). Die Schauspielerin Maria Walser, im Stück auch als Trägerin der ständig angeschmachteten Mondsichel unterwegs, spricht dann noch sogenannte eigene „Mondtexte“. Aufgesetzte Bedeutungshuberei für eine ansonsten enttäuschend belanglose und selbst in nur 80 Minuten ermüdende szenische Versuchsanordnung, die für eine studentische Studioproduktion noch angehen mag. Letztendlich will sich das angekündigte Kuriosum der Lust in diesem sterilen Kunstsetting nicht wirklich einstellen. Demnächst auf der großen Bühne muss Lucia Bihler dann doch schon wesentlich mehr zeigen.'' schreibt Stefan Bock am 14. Dezember 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Tolle Alien-Kostüme, ansonsten blass
  · 13.12.19
Die düstere Gothic-Stimmung und die opulenten Fantasy-Kostüme erinnern sehr an Ersan Mondtag. Die Alien-Ganzkörper-Anzüge inklusive glubschäugiger Masken, hinter denen auch die Köpfe der Spieler*innen komplett verschwinden, sind tatsächlich ein Hingucker. Leonie Falkes Kostüme würden auch vielen Inszenierungen auf den großen Bühnen zur Ehre machen und sind für eine Studio-Produktion fast zu schade.

Dass Lucia Bihler den biblischen Stoff von Herodes und seiner schleiertanzenden Tochter Salomé zu den Außerirdischen verlegt, wirkt allerdings sehr beliebig. Die 80 Minuten bleiben recht blass: der Einakter von Oscar Wilde wird bis auf das ungewöhnliche Setting recht konventionell nachgestellt und die Szenen durch großformatige Videos von Rosanna Graf abgetrennt.

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