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Bewertung und Kritik zu

DER PALAST
DorkyPark

Regie und Choreografie: Constanza Macras
Premiere: 4. April 2019 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 

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Zum Inhalt: „Die Veränderung der Mitte Berlins seit dem Mauerfall ist allseits bekannt: Verfallene Altbauten wurden besetzt und bespielt, die Stadt entwickelte sich zu einem Synergiepunkt für kreative und feiernde Menschen. Doch scheint dieser Wandel zur Gentrifizierung mit einer kulturellen Verflachung einherzugehen, bei der der Geschmack einer globalen, gut situierten Mittelschicht oberste Priorität hat. Der Palast setzt sich mit dieser Problematik auseinander, indem es einerseits die Architektur des Ortes zum Zentrum der Arbeit macht, andererseits Geschichte, Gegenwart und Zukunftsvorstellungen der Stadt und ihrer Bewohner*innen eine Sichtbarkeit gibt. Ausgangspunkt sind die Porträts des englischen Fotografen Tom Hunter, der gesellschaftliche Themen behandelt und im Stil der Alten Meister inszeniert. In Der Palast entwickeln diese Bilder – in Berlin entstandene Fotoserien über Viertel, die sich verändern, Geschäfte, die schließen, Menschen, die zwangsgeräumt werden – neue performative Narrative zwischen Fiktion und Realität. Als Pendant zur Architektur steht das weltweit existierende Format von Reality TV-Shows. Nicht nur die Juroren sind urtypische Figuren, die ununterbrochen reproduziert werden, sondern auch das Bühnenbild und die Teilnehmer*innen. Vor diesem globalen kulturellen Hintergrund müssen wir die Sprache nicht verstehen, um genau zu wissen, was passiert und welche Figuren dargestellt werden. In Rahmen der Reality Show werden unterschiedliche Gäste eingeladen. Der Soundtrack stammt von Robert Lippok und einer Live-Band.“ Carmen Mehnert / Constanza Macras

Adaya Berkovich, Emil Bordás, Chia-Ying Chiang, Fernanda Farah, Yuya Fujinami, Luc Guiol, Ronni Maciel, Thulani Lord Mgidi, Anne Ratte-Polle, Miki Shoji
Musiker*innen: Santiago Blaum, Kristina Lösche-Löwensen, Jacob Thein

Regie und Choreografie: Constanza Macras
Visual Artist: Tom Hunter
Komposition: Robert Lippok
Bühne: Alissa Kolbusch
Kostüme: Roman Handt
Lichtdesign: Sergio de Carvalho Pessanha
Ton: Stephan Wöhrmann
Dramaturgie: Carmen Mehnert
Produktionsmanagement: Alisa Golomzina, Xiao Yu, Keiko Tominaga
Regieassistenz: Helena Casas


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3.0/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Berlin- Show
  · 05.04.19
''Man tanzt hier zu Country-Musik oder Latin-Rhythmen nicht nur für Noten, sondern auch für seine eigene Wohnung. Wer die herzzerreißendste Story z.B. von ekligen Fäkalschäden erzählt, bekommt die meisten Punkte. Arm geboren zu sein, wäre keine Schande, palavert noch der Showmaster, seine Bedeutungslosigkeit zu akzeptieren, sei dagegen philosophischer Selbstmord. Staying Alive quietscht jemand ins Mikro, bevor sich wieder alle dem Paartanz widmen. Ein wenig zu viel Folklore und Chaos. Da geht der rote Faden schon mal verloren. 

Technisch und tänzerisch gesehen ist der dreistündige Abend sicher ganz große Show. Hier kann man sehen, wie sich die besseren Möglichkeiten eines Hauses wie der Volksbühne auswirken können. Besonders die nach The Pose 2017 in der AdK am Hanseatenweg erneute Zusammenarbeit mit Robert Lippok, gelernten Ossis sicher noch als Mitbegründer der DDR-Avantgarde-Band Ornament & Verbrechen bekannt, hat sich musikalisch ausgezahlt. Überzeugen kann aber auch das exzellente Können der DorkyPark-Truppe um Constanza Macras, die mit diesem knalligen Einstieg in eine hoffentlich fruchtbare Arbeit an der Volksbühne dann doch wohl etwas zu viel wollte und trotz furiosem Auftakt den Abend nach der Pause etwas zu geschwätzig verläppern lässt.'' schreibt Stefan Bock am 5. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Mäandernde Gentrifizierungs-Revue mit der herausragenden Anne Ratte-Polle
  · 14.04.19
nne Ratte-Polle, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach mit Castorf, Fritsch, Hartmann und Pollesch an der Volksbühne zusammengearbeitet hat, fügt sich bei ihrer Rückkehr an die alte Wirkungsstätte so perfekt in das Dorky Park-Ensemble ein, als würde sie schon immer dazugehören. Zu den Glanzlichtern des Abends zählen ihre Soli, z.B. der Song, in dem sie zu Beginn vom Kiezsterben erzählt: der Bäcker ist weg, der Buchladen ist weg…

In der zweiten Hälfte fläzt sie sich im Bohlen-Stil als Chefin einer Casting-Show in den Sessel. Die Tänzer*innen müssen in einer „Let´s Dance“-Parodie gegeneinander antreten, werden von der Jury taxiert und niedergemacht. Luc Guiol drischt dazu als schmieriger Conférencier die passenden neoliberalen Selbstoptimierungs-Phrasen. Das Castingshow-Format wird bei Macras zu einem Puzzleteil des Globalisierungsprozesses: Statt bunter Vielfalt überschwemmen die einschlägigen Shows die Privat-TV-Kanäle weltweit. Ähnlich uniform ist der Lebensstil einer gut verdienenden, ebenso gut ausgebildeten Elite von Globalisierungsgewinnern, die sich in angesagten Vierteln der Metropolen ansiedeln, Immobilien als Geldanlage nutzen und die Mietpreise in die Höhe treiben.

Einen überbordenden und ausfransenden, mit drei Stunden deutlich zu langen Abend bieten Constanza Macras und ihre Compagnie DorkyPark bei ihrer ersten Arbeit an der Berliner Volksbühne. Ihr wichtiges Anliegen, den Finger in die Wunde der enormen Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozesse zu legen, drohen sie immer wieder aus den Augen zu verlieren. Irgendwie schaffen Macras und ihre Dramaturgin Carmen Mehnert es aber doch, die Kurve zu kriegen und nach allen Spielereien und Exkursen zum Kern zurückzufinden.

„Der Palast“ erzählt in seinen stärkeren Momenten mit tänzerischem Drive und kabarettistischer Schärfe sehr anschaulich von den Menschen, die nach Jahrzehnten aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Die brutalen Methoden, mit denen Mieter rausgeekelt werden, werden hier deutlich angesprochen: Das Tageslicht wird durch Planen ausgesperrt, das Wasser abgedreht, durch Bauarbeiten so viel Chaos und Dreck verursacht, dass die Ratten durchs Haus spazieren. Das Unwesen der Briefkastenfirmen in Zossen wird anschaulich beschrieben und als die Cayman Islands von Brandenburg karikiert.

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Sammelsurium, gigantomanische Show
  · 05.04.19
''Constanza Macras ist bekannt für ihre chaotisch-wilden Spektakel, mit denen sie großen, oft politischen Themen zu Leibe rückt; hier ist jedoch wieder einmal jedes Maß verloren gegangen, ganz anders als bei ihren letzten drei Stücken mit südafrikanischen Künstlern. Hier versagt wieder das Macras-Collage-Prinzip -die meisten Szenen entstehen in Improvisationen, die zum Stück zusammengestellt werden - hier ufert alles aus und zerfranst und zerfasert. 
Und das mit viel Radau und Rabatz, der zweite Teil des Abends ist ein krudes Sammelsurium aus Themen und Ideen, Soli- und Duo-Nummern. 

Zu einem Renaissance-Lied gibt es sexualisierten Posing-Tanz, ein Tänzer auf High Heels zeigt queeren Show-Akrobatik-Tanz, Tangopaare balzen, der Moderator fordert, seinen Rassismus nicht übel zu nehmen: "War doch nur Spaß" und wir hören die Geschichte vom Haus mit den kaputten Abflussrohren, von der Familie im Erdgeschoss, die erst spät der Fäkalienjauche entfliehen kann, was eine der Jurorinnen veranlasst, von der neuen hippen Fäkalientherapie zu berichten usw. usf.

Auch wenn einige Szenen geglückt, durchaus komisch oder wahrhaftig bis zur Brutalität sind, auch wenn viele der Schlaglichter, die Constanza Macras präzise auf ihre Themen richtet, die Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, richtig ins Licht rücken, so ist sie mit viel Wirbel und Lärm, mit großem Tumult gescheitert – dieses Stück ist über weite Strecken eine Zumutung. Eine gigantomanische Show mit viel Lärm um nichts.'' schreibt Frank Schmid auf kulturradio.de
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