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Bewertung und Kritik zu

DAS 1. EVANGELIUM
frei nach dem Matthäus-Evangelium
Regie: Kay Voges
Berlin-Premiere: 1. November 2018 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 
(Übernahme vom Schauspiel Stuttgart)

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Zum Inhalt: Und Gott wurde Mensch. Auf den Spuren des Matthäus-Evangeliums, Bachs Passionen und der Verfilmung von Pier Paolo Pasolini erzählt der Regisseur Kay Voges vom Ur-Mythos des Neuen Testaments. Zwischen dem Schrei der Geburt und dem Schrei des Todes ereignet sich das Leben des Menschen Jesus von Nazareth. Wie kann man die Menschwerdung Gottes heute erzählen? Pasolini hatte Jesus als realistische, menschliche Figur inszeniert. Im italienischen Matera drehte er fast ausschließlich mit Laiendarstellern. Auch Fred Holland Day, einer der ersten Pioniere der amerikanischen Fotografie, inszenierte im Sommer 1898 auf einem Hügel mit Nachbarn aus seinem Wohnort Norwood eine Passionsserie. Er selbst übernahm die Rolle Jesu Christi – inspiriert hatte ihn dazu ein Besuch bei den Oberammergauer Passionsspielen. Pasolinis und Days Beschäftigung mit dem Evangelium bieten Kay Voges die Folie, parallel zur Passions­geschichte das „Live-Making-of“ der Inszenierung in Szene zu setzen: Er zeigt, wie die Bilder, die einen überwältigen, hergestellt werden. Dadurch lernt man zugleich, diesen Bildern zu misstrauen. Voges’ Arbeiten bewegen sich im Grenzbereich zwischen Bildender Kunst, Theater, Film und Liturgie. Frei nach Matthäus erzählt er von den Passionen unserer Welt, vom Glauben, vom Verlust des Glaubens und vom Leben des Künstlers als Schmerzensmann.

Mit: Manolo Bertling, Julischka Eichel, Sebastian Graf, Paul Grill, Berit Jentzsch, Christoph Jöde, Paula Kober, Janine Kreß, Rahel Ohm, Sylvana Seddig, Holger Stockhaus sowie Henning Flüsloh, Maximilian Gehrlinger, Noelle Haeseling, Felix Mayr, Moritz Carl Winklmayr und Christopher Vantis

Regie: Kay Voges
Director of Photography: Voxi Bärenklau
Videodesign: Robi Voigt
Bühne: Michael Sieberock-Serafimowitsch
Kostüme: Mona Ulrich
Musik: Paul Wallfisch
Live-Ton-Sampling: Philip Roscher
Video: Jens Crull, Mathias Klütz
Ton: Gabriel Anschütz, Klaus Dobbrick, Tobias Gringel


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2.7/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Fulminantes Bildertheater
  · 03.11.18
''Am Berliner Ensemble hat Kay Voges mit "Die Parallelwelt" zuletzt ein digitales Großexperiment inszeniert, bei dem Schauspieler in Berlin und Dortmund zeitgleich auf der Bühne stehen und per Video verschaltet sind. Ein Abend mit starker Bildregie – der inhaltlich jedoch deutlich hinter seinem hohen philosophischen Anspruch zurückbleibt, die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen greifbar zu machen. Auch im "1. Evangelium" zeigt Voges, dass er fulminantes Bildertheater und großes Kino kann. Und weil er die Herstellung des Bildmaterials offenlegt, wäre der Vorwurf einer reinen Überwältigungsstrategie falsch.

Selbstironische Einschübe, Zitate von Deleuze bis Benjamin brechen die Inszenierung immer wieder auf. Doch gerade diese diskursiven Einschübe machen den Abend arg verstiegen. Voges lässt den Zuschauer kaum inhaltlich und substanziell ins Matthäus-Evangelium eintauchen, sondern beschäftigt sich auf Metaebenen mit der Frage nach der Produktion von Kunst. Den Kopf und die Augen kann er dabei klug beschäftigen – die Emotionen weniger. Und da man die Thesen und Themen des Abends bald verstanden hat, dreht sich die Bühne in der zweiten Stunde mehr und mehr im Leerlauf. Ideenkonstrukt und Bildschnipsel allein können das Heil nicht bringen.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Hochtouriger Leerlauf zwischen Comedy und philosophischem Anstrich
  · 02.11.18
Das Kamera-Team hat alle Hände voll zu tun, durch das verwinkelte Bühnenbild zu jagen und die Szenen live auf die Leinwände zu projizieren. Alles passiert gleichzeitig, Überforderung ist hier wie schon in der „Borderline-Prozession“ von Kay Voges Programm. Zwischen all den Schnipseln aus Philosophie und Popkultur, von Derrida bis Tocotronic, die als kurze Schnipsel in dem Bildergewitter auftauchen, leuchtet auch programmatisch ein Leitsatz des Cineasten-Idols und Nouvelle Vague-Gurus Jean-Luc Godard auf: „Wenn zwei Bilder aufeinandertreffen, entsteht ein Drittes. Eine andere Art des Sehens.“

Zwischen all den Theorie-Bröckchen liefert Holger Stockhaus seine gewohnten Comedy-Auftritte als Pontius Pilatus und als Produzent, der sich den Regisseur vorknöpft. Statt präziser, klar artikulierter Fragen bleibt der Abend ein Wimmelbild, das ziellos wie eine Flipperkugel zwischen philosophischem Anstrich und Comedy-Unterhaltung hin- und her-springt.

Das Prinzip ist bekannt und Kay Voges präsentiert in dieser Arbeit, die zum Ende der Petras-Ära im Januar 2018 am Schauspiel Stuttgart Premiere hatte und nun von der Volksbühne Berlin übernommen wurde, stolz sein Handwerkszeug. Die Zitate sind fleißig zusammengetragen, die aufwändige Logistik des Livedrehs auf der Bühne klappt reibungslos. Dennoch hinterlässt dieser Abend einen unbefriedigenden, schalen Eindruck. Shirin Sojitrawalla brachte es in ihrer Nachtkritik auf den Punkt, dass der Abend vor allem in der zweiten Hälfte leer dreht: in bester Castorf-Tradition sehr hochtourig, aber leider auf der Stelle tretend.

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Ikonografischer Popkultur-Mix aus Text- und Bildzitaten
  · 07.11.18
''Neben Pasolini stand natürlich auch Rainer Werner Fassbinders Warnung vor einer heiligen Nutte Pate. Holger Stockmann spielt hier den drängenden und die Zweifel des Regisseurs zerstreuenden Produzenten. Im Cowboylook erinnert er auch ein wenig an Dennis Hopper; in seiner Rolle als Pontius Pilatus wird er irgendwann das Sendungsbewusstsein des sich in Größenwahn befindlichen Regisseurs auf das allerschönste zerpflücken. An Bild- und Wort-Zitaten aus Bibel und Popkultur (Kommune 1) mangelt es bei Kay Voges nicht. Dazu flimmert philosophisches Gedankengut u.a. von Alain Badiou, Gilles Deleuze oder Walter Benjamin mit seinem Engel der Geschichte über die Videoscreens, auf die auch das Treiben hinter der Szene übertragen wird. Ganz wie bei Frank Castorf; und auch die rotierende Drehbühne mit ihren Aufbauten und mehreren Schauplätzen dreht sich behände wie beim alten Volksbühnen-Hausherrn. Dazu dröhnt Bach und Popmusik. Weihrauchschwaden schwängern die Luft, als säße man in Christoph Schlingensief Kirche der Angst vor dem Fremden in mir.

Ikonografisch arbeitet sich Voges an der Pop- und Kunstgeschichte ab. Besonders die Kreuzabnahme (Rosso Fiorentinos Kreuzabnahme nachempfunden) drängt sich immer wieder ins Bild. Pasolini beschäftigte sich damit in seinem Film Der Weichkäse (La ricotta). Im Grunde dürfte dies das große Vorbild für diese Inszenierung sein. Dazu ruft Josef Beuys „Zeige deine Wunde“ und R.E.M. säuselt Losing My Religion. Bei all dem Eklektizismus konstatiert man selbstironisch das Ende der Filmgeschichte, an dem sich alles nur noch wiederholt und liefert dazu ein „Making of a B-Movie“. „Wir glauben nur, was wir sehen“, lässt sich der Filmproduzent am Ende vernehmen. Realität als rein subjektives Empfinden. Das Jean-Luc-Godard-Zitat „Wenn zwei Bilder aufeinandertreffen, entsteht ein Drittes. Eine andere Art des Sehens.“ soll die Frage nach dem Primat der Bilder, die im Stande sind, Glauben zu formen, stellen. Die Frage: „Was war zuerst da, der Glaube oder das Bild?“ beantwortet die Inszenierung vor allem visuell. Allein, dem Betrachter fehlt der rechte Glaube.'' schreibt Stefan Bock am 7. November 2018 auf KULTURA-EXTRA
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10178 Berlin
Telefon: 030 24065777
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3.2
Durchschnittsnote aller Stücke
5 32
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3 59
2 34
1 27
Kritiken: 74

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