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Bewertung und Kritik zu

MICHAEL KOHLHAAS
von Heinrich von Kleist
Regie: Lars Georg Vogel
Premiere: 6. September 2018 
Vaganten Bühne Berlin

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Zum Inhalt: Wie weit darf ein Mensch gehen, um sich Gerechtigkeit zu verschaffen? Kohlhaas, ein angesehener Rosshändler, endet als brandschatzender Mörder, weil ihm Ungerechtigkeit widerfahren ist. Als Pfand für einen Passierschein lässt er zwei seiner Pferde an der Burg des Junkers Wenzel von Tronka zurück. Die Tiere werden bis zu Kohlhaas' Rückkehr bei harter Feldarbeit zugrunde gerichtet und sind somit für den Rosshändler wertlos geworden. Bei dem Versuch, sich durch eine Klage Recht zu verschaffen, stößt Kohlhaas auf juristische Willkür, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft. Dem begegnet er mit der für ihn einzig logischen Konsequenz: unerbittlicher Selbstjustiz.

mit Kristin Becker, Stella Denis, Senita Huskić, Natalie Mukherjee

Regie & Ausstattung: Lars Georg Vogel

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5.0/5 Insgesamt 1 Bewertungen (1 mit Rezension)
1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Eine Orgie der Selbstjustiz
  · 07.09.18
Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ aus dem Jahre 1810 ist längst zum Paradigma einer heillosen Suche nach Gerechtigkeit geworden, die gänzlich aus der Proportion rutscht und am Ende ausser abstrakter Genugtuung eigentlich nur eine Kette verheerender Kollateralschäden zurücklässt. Der Handlungskern geht auf reale Begebenheiten aus dem 16. Jahrhundert zurück, aber die Analogien zu Konflikten unserer Tage sind nur allzu offenkundig. 

Der brandenburgische Pferdehändler Michael Kohlhaas reist mit seinem Knecht Herse und zwei zum Verkauf bestimmten Rappen nach Sachsen. An der Landesgrenze nahe der Burg des Junkers Wenzel von Tronka wird unvermittelt ein Passierschein von ihm verlangt, und er lässt seine Pferde als Pfand zurück, während er in Dresden Klärung in der Sache sucht. Nachdem er dort erfahren hat, dass die Passierscheinpflicht frei erfunden ist, fordert er seine Pferde zurück, die aber inzwischen durch harte Feldarbeit bis auf die Knochen abgemagert sind. Kohlhaas’ Klage beim Kurfüsten von Sachsen wird auf Initiative der Familie von Tronka abgewiesen, und ein weiterer Versuch, sich Gehör zu verschaffen, endet mit dem Tod seiner Frau. 

Aus  Empörung über das vergebliche Verlangen nach Gerechtigkeit und Sühne geht Kohlhaas nun den Weg der Eskalation, der rasch ins Maßlose ausufert. Er überfällt zunächst die Burg der Tronkas und tötet dort alle Bewohner bis auf den Junger Wenzel, der entkommt. Kohlhaas sammelt einen Heerhaufen, verfolgt den Junker und steckt die Stadt Wittenberg mehrfach in Brand, danach setzt er in Leipzig Feuer. Martin Luther, der ihn zunächst öffentlich für die Mordbrennerei verurteilt hatte, erwirkt ihm dann aber freies Geleit nach Dresden. Ein Johann Nagelschmidt sammelt versprengte Reste des Kohlhaas-Heerhaufens und will ihn aus Dresden befreien. Dieses Kollaborationsspiel wird allerdings von den Behörden aufgedeckt. Die Rollen wechseln: Nun vertritt der Kurfürst von Sachsen die Sache des Kohlhaas, Junker von Tronka wird zu Schadenersatz verurteilt, Kohlhaas aber wegen Landfriedensbruch zum Tode. Im Besitz von Kohlhaas ist die Notiz einer Wahrsagerin, worin Einzelheiten über das künftige Schicksal des sächsischen Königreichs genannt sind. Kohlhaas läßt auf dem Schafott diesen Zettel verschwinden, und der Kurfürst bleibt so im Ungewissen. 

Regisseur Lars Georg Vogel unternimmt es bei den Berliner Vaganten, aus dem Prosatext von Kleists Novelle eine szenische Umsetzung zu destillieren, und er hat für dieses Experiment eine glückliche Hand. Geschickt mischt er kurzgefasste Situationsangaben mit wörtlichen Dialogen und stilisierten Kulminationspunkten. Sein zweiter Coup: Er läßt die handelnden Personen von vier Frauen spielen. Um den Michael Kohlhaas von Natalie Mukherjee gruppieren sich Kristin Becker, Stella Denis und Senita Huskić, die in perfekter Teamarbeit den Bilderbogen der Kohlhaas-Handlung zwischen Willkür, Intrige und Politskandal entrollen. Naturgemäß stehen hier nicht die Schlagetot-Szenen der brandschatzenden Soldateska im Vordergrund, sondern die bisweilen eher unspektakulären, dafür aber intensiv gefühlten Annäherungen und Konfrontationen in weiblicher Mentalität. Der Vorzug dieser Darstellungweise liegt darin, dass bei sparsamem Einsatz von Bühnentechnik der eigentliche rote Faden der Handlung einschliesslich seiner Konflikte, Siege und Enttäuschungen einleuchtend sichtbar wird. Der  sorgfältige Umgang mit Kleists großartiger Sprachschönheit ist ein weiterer Pluspunkt dieser Aufführung.

Viel Beifall vom Premierenpublikum, das von  dieser Umsetzung einer Kleist-Novelle erkennbar sehr angetan war. 
http://roedigeronline.de
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VAGANTEN BÜHNE

Vaganten BühneDie Vaganten Bühne ist ein nahe dem Bahnhof Zoologischer Garten und dem Kurfürstendamm in der City West gelegenes Privattheater in der Kantstraße im Ortsteil Charlottenburg von Berlin. Das Theater verfügt über 100 Plätze und ist heute ein funktionaler Bau mit Studiocharakter. Es teilt sich das Gebäude mit dem Jazzclub Quasimodo, dem Qmodo Restaurant und dem Delphi-Filmpalast. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen das Theater des Westens, die Galerie C/O Berlin und gegenüber das Savoy Hotel.

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Vaganten Bühne Berlin
www.vaganten.de
Kantstraße 12a - 10623 Berlin
Telefon: 030 3124529
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