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Bewertung und Kritik zu

EIN SPORTSTÜCK
von Elfriede Jelinek
Regie: Hermann Schmidt-Rahmer 
Premiere: 07. Dezember 2018
UNI.T - Theater der UdK Berlin 

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Wer hat Angst vor Virginia Woolf?Zum Inhalt: Jelinek spielen. Keine Figuren, keine Orte, keine Handlung – reine Sprache. Stränge, die sich verästeln, verlieren, verirren, um dann wieder zusammenzufinden. Alltagssprache mischt sich mit philosophischem Diskurs, Klassikerzitat mit Werbung, Talkshowgequassel mit antikem Mythos. Bauerntheater oder soziologisches Proseminar, Talkrunde oder Strindberg oder die Sendung mit der Maus? Das Thema, das immer wieder an die Oberfläche tritt, ist der Körper, sind beschleunigte Körper, die zu lustvollen Waffen werden. Was passiert, wenn die Körper anfangen, für uns zu denken? Was passiert, wenn sich der menschliche Körper verselbstständigt? Wenn der Muskel schöner glänzen möchte als der Geist? Wenn er in Bewegung gerät, Geschwindigkeit aufnimmt und mit anderen Körpern zusammenstößt, die in die gleiche Richtung laufen, oder im Weg herumstehen, wenn Körper verschmelzen oder sich abstoßen. Oder wenn der Körper auf einen Körper trifft, der schöner ist als der eigene, und den er jetzt begehrt oder eben bekämpft. Oder wenn er auf einen Körper trifft, der nicht Körper sein will, sondern lieber nur reden möchte und dabei aber trotzdem gut aussehen.

Es spielen: Zainab Alsawah, Paulina Bittner, Manuel Bittorf, Franziskus Claus, Ruby Commey, Robert Flanze, Tim Freudensprung, Bineta Hansen, Maximilian Schimmelpfennig

Regie: Hermann Schmidt-Rahmer,
Bühne: Orli Baruch (Studiengang Bühnenbild),
Kostüme: Viktoria Mechle und Emily Lisa Schumann (Studiengang Kostümbild),
Video: Maria Kobylenko (Studiengang Visuelle Kommunikation),
Choreographie/Stunt Coordinator: Alfred Hartung,
Dramaturgie: Marion Hirte


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3.7/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Sport ist Mord
  · 13.12.18
''Der Schauspieler Manuel Bittorf sitzt am Keyboard und erzeugt von dort aus, zusätzlich, die passende Musik. Beeindruckend auch die Penthesilea-und-Achilles-Szene mit Bineta Hansen / Robert Flanze!! In entwaffnend-nervender Showmaster-Attitüde: Tim Freudensprung! 

Erschreckend und beängstigend auch jene Mob-Szene, wo schlussendlicher Weise Jelinek höchstselbst physische "Züchtigung" erfährt; kurz vorher tat sie freilich noch auf Elias Canettis Masse und Macht verweisen, was bei den wutbürgerlichen Unterschichtlern weder intelektuell noch irgendanderswie verfangen hätte können; außerdem fließt Weißbier in die Kehlen und das Antlitz der Erdinger Schankwirtin, ja und es riecht auch stark danach. 

Zum überraschenden Finale dreht die Drehbühne, worauf wir Publikum die ganze Zeit über verharrten, zweimal ihre Runde; Ruby Commey nutzt die Zeit, um aus dem Off heraus das Jelinek'sche Ur-Trauma zwischen dem Papa und der Mama und der Tochter vorzutragen. Prima, prima, prima!!!'' schreibt Andre Sokolowski am 13. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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Jelinek-Comedy in Turnhalle mit tollen Kostümen
  · 13.12.18
Die erste halbe Stunde bestreitet Franziskus Claus im Alleingang. Mit Jelinek-Perücke gibt er eine Einführung ins Thema und doziert über den autoritären Rollback anhand von Assad, Trump, Bolsonaro und Kurz. Im Hintergrund haben sich schon seine Kommiliton*innen aufgereiht. Alle stecken in Fatsuits, auf deren Oberfläche die definierten Muskeln und Sehnen austrainierter Leistungssportler zu sehen sind. Die Kostüme der beiden UdK-Studentinnen Viktoria Mechle und Emily Lisa Schumann gehören zum Besten, was in diesem Metier in letzter Zeit auf Berliner Bühnen zu sehen war.

Die nächste Stunde bis zur Pause entwickelt sich zum Jagen, Schreien und Toben. Orli Baruch hat das U.NIT-Theater so umgestaltet, dass das Publikum durch verwinkelte Katakomben auf die Drehbühne geführt und der gesamte Zuschauerraum zur Spielfläche umgestaltet wurde. Das Theater wirkt plötzlich wie eine Turnhalle aus der Schulzeit. Mit ihren Skateboards rasen die jungen Erwachsenen die Rampen hinunter, hetzen sich gegenseitig kreuz und quer, sprechen einzelne Sätze aus Jelineks „Sportstück“ in Wiederholungsschleife. Auch andere Texte von ihr, wie z.B. ihr aktuellstes Stück „Am Königsweg“ fließen in den Abend ein.

Die Spieler*innen sind mit viel Leidenschaft bei der Sache. Dass der Abend dennoch nicht ganz rund ist, sondern wie Barbara Behrendt auf Kulturradio bemängelte, zerfasert, liegt an den Schwierigkeiten der Vorlage. Im Trailer erzählen die UdK-Studierenden, dass sie am liebsten vor Verzweiflung aus dem Fenster springen würden, weil diese Textwüste ohne klare Rollenverteilung und Plot so schwer in den Griff zu bekommen ist.

„Ein Sportstück“ an der UdK bietet unterhaltsame Comedy, inspiriert von Jelinek. Nach der Turn- und Skateshow geht es nach der Pause beim Weißbier mit Parodien von Sportreportern, Franz Beckenbauer und dem Dresdner LKA-Hutbürger weiter. Das ist meist amüsant, aber insgesamt etwas zu lang und nicht zwingend genug.

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Eine auf Witz getrimmte Gymnastikstunde
  · 11.12.18
''In einer einzigen Szene nur spürt man die scharfe Attacke, die im Text steckt: Ein Teil des Bodens senkt sich in die Tiefe und immer wieder fällt ein Spieler wie erschossen hinein – die Turnhalle wird zum Grab, zum Schützengraben.

Grundsätzlich jedoch ist dieses mäandernde Stück, vor allem in Schmidt-Rahmers Fassung, ein Fehlgriff. Keine bissige Gesellschaftsdiagnose weiß der Regisseur daraus zu destillieren, stattdessen macht er eine auf Witz getrimmte Gymnastikstunde daraus, die die Studierenden fast ausschließlich die Ironie- und Scherz-Ebene bedienen lässt. Im zweiten Teil mündet die Inszenierung in eine völlig überflüssige Talkshow-Verballhornung und in ein abgegriffenes Rechtspopulisten-Bashing.

Um die erfolgreiche Arbeit der Studierenden zu begutachten, lohnt sich der Abend allemal – die Inszenierung an sich ist jedoch zu seicht geraten und zerfasert zusehends.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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