Fürchte den Geschmack von Rosen

Bewertung und Kritik zu

FÜRCHTE DEN GESCHMACK VON ROSEN
von Cillian Mirau
Regie: Ralf Blank 
Premiere: 5. August 2020 
Theater shortvivant in der Malzfabrik Berlin 

Zum Inhalt: Der seit dem Verlust seiner Frau erfolglos gewordene Schauspieler plant sein Comeback.
Er beauftragt dafür Autoren, die nicht nur Gutes planen.
Vergangenheit, Zwänge, Verbindungen und Familie werden auf den Kopf gestellt.
Modernes Theater mit absurden Elementen und Musikeinsatz.
Kurzweilige 80 Minuten in temporeichen 16 Szenen ohne Pause.

Mit Jonas Fässler, Luca Maurizio Wefes, Maik Hahnenfeldt

Regie: Ralf Blank
Bühnenbau, Licht- und Toninstallation: Jakob Wilde


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
12 von 12 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ein Baum aus Packpapier mit Plastikblumen und ein Ball, Nostalgie und Moderne
  · 17.08.21
Die Berliner Malzfabrik bringt „Fürchte den Geschmack von Rosen“ einer längst etablierten Off-Theater-Gruppe, dem Theater shortvivant.
Sechszehn Szenen. Ich kann mich an kein Stück erinnern, das so viele Akte haben muss. Aber es passt und gefällt. Meier plattdeutscht als Friedtjof und bestimmt sicher das Set für sich. Wefes bewegt und erforscht das Terrain, mal als Edward, mal als Jack. Fässler und Hahnenfeldt, unterschiedlich temperiert , als weitere Söhne eines verhassten Ex-Schauspielers, der sich sein Comeback nach dem Ableben seiner Edda Kikebusch wünscht. Blank punktet als ein ebenso erfolgloser Agent, der sich im Finale als Bruder entpuppt.
Die moderne Bühne zerfällt, ein kindheitserinnernder Ball und vergangene Spuren verbleiben, Musik, auch mal völlige Dunkelheit, tiefwirkendes Familiendrama. Gut gelungen.
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Von Schauspielern und Söhnen
  · 21.08.21
Ein Mann springt umher, ein anderer erpresst, ein dritter drückt und ein vierter ergötzt sich. Du bist die Ursache.
Nämlich Fridtjof, ein erfolgloser Schauspieler und laut Buchbeschreibung, des gleichnamigen Werks „Fürchte den Geschmack von Rosen“ von Cillian Mirau, einer, der sein Comeback plant. Wohl in der Vergangenheit hängengeblieben und in scheinheiliger und sich selbstverletzender Angriffslust. Im Schlepptau sein vergessener Bruder, der es auf Edward abgesehen hat. Einer der Autoren, der schauspielern und behütet sein will. Und so geht die Kette über einen Verschwörer und Desillusionierten immer weiter und endet bei Edda. Der einzig Warmherzigen. Sie tritt nicht in Erscheinung und ist immer präsent, wenn ihre Weiblichkeit auch auf die weiteren Autoren Rurik und Tiago und einen Vermittler, Lars, übertritt. Allesamt ebenso vergeblich. Und so umgibt sich dieser Fridtjof mit diesen androgynen Kreaturen, die ihren brutalen Neigungen erliegen. Auch das aufgeblähte Boot der Liebe endet gerade am Hochzeitstag im Abrutsch, obwohl doch der erfahrene Schauspieler sich wieder aufrichten und mit seiner Frau versöhnen wollte, die er jahrelang betrogen hat und nun Edward in dieser Edda seine Mutter sieht. Das löst Zwänge und Abneigungen aus. Vor Rosen, die einst liebevollen Duft versprühten und sich nun als Waffe in Form von Likör gegen ihn in einem schmutzigen Plan der Alleingelassenen richtet. Soviel sei verraten: Es sind alles seine Söhne, wohl drei oder vielleicht mehr, nur farblich an der Kleidung erkennbar ohne wirkliche Nähe. Und sein Bruder vergeht sich in seiner Abwesenheit.
Das gewichtige Ensemble lebt die Figuren und schafft unter der künstlerischen Leitung eine sehr bewegliche und betonte Atmosphäre.
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