Bewertung und Kritik zu

DON CARLO
von Giuseppe Verdi
Regie: Philipp Himmelmann
Premiere: 13. Juni 2004 
Staatsoper im Schiller Theater, Berlin

In einer Welt voll politischer Machtintrigen und unmenschlicher Zwänge, beherrscht von der Inquisition, steht die königliche Familie Spaniens bis zum Zerreißen unter Druck: Der Thronfolger Don Carlo und die französische Prinzessin Elisabeth von Valois lieben sich. Da Elisabeth aus politischen Gründen den verwitweten König Phillipp II. heiraten musste und damit zu Carlos Stiefmutter wurde, ist ihre Liebe eine verbotene. Als Prinzessin Eboli, die Carlo ebenfalls liebt, von dieser Liaison erfährt, verrät sie dem König aus enttäuschter Liebe das Geheimnis seines Sohnes. Als Carlo sich noch dazu vom Marquis von Posa für politische Zwecke einspannen lässt, die den Interessen des Königs widersprechen, verschlechtert sich die ohnehin schon angespannte Vater-Sohn-Beziehung zusehends. Die zwischenmenschlichen Konflikte werden im Machtkampf zwischen König und Kirche, repräsentiert durch den Großinquisitor, gnadenlos instrumentalisiert. Schließlich wird der Freiheitskämpfer Posa zum Tode verurteilt und auch Carlos ist nicht mehr zu retten.

Musikalische Leitung: Massimo Zanetti
Inszenierung: Philipp Himmelmann
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Davy Cunningham
Chor: Martin Wright


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5.0/5 Insgesamt 1 Bewertungen (1 mit Rezension)
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hier regiert umwerfendes charisma in stimme und klang
  · 08.06.17
mit „don carlo“ in der staatsoper begann vor jahren frollainwunders abenteuerreise in die opernwelt. dreieinhalb stunden überklassiker mit einer atempause lagen vor mir. und oft hielt ich ihn kurz an, weil die inszenierung so faszinierte. auch don carlo 2017, nun zum zweiten mal, und wieder voller neugier, wie es sich denn nun anfühlt, war ein erlebnis der opern-edelklasse. verdi und wagner wurden beide 1813 geboren und zu ebenbürtigen elite-komponisten. was wagner wuchtet, voluminiert verdi. wo puccini schmilzt, befindet man sich bei verdi auf der titanic des in die knie zwingenden dramas. rené pape war erneut als dons vater besetzt und nahm erst spät die bühne ein. sein sonorer bass ist durchdringende macht, die königliche seele erhaben. der kugelige tenor fabio sartori wurde leidenschaftlich zum titelgebenden don und gab dem kämpfenden sohn ein sanftes und tapferes wesen. die verräterische eboli interpretierte die blonde gazelle und mezzosopranistin marina prudenskaya quälend überwältigend. die brünette sopranistin lianna haroutounian durfte die sinnlich verzweifelte französin elisabeth sein, die den großmutigen sohn liebt und dem dominanten vater gehört. stolze spanier, depressive damen. mikhail kazakov ist ein kaltes unheimliches gesicht der kirche und hat als großinquisitor in dem kolossalen machtwerk das letzte grausame wort. schiller untersuchte in „don carlos“ die untiefen einer machtbesessenen königsfamilie, die zwänge der politik, die gier nach einfluss, die unterwerfung durch die kirche, grausam- und bitterkeiten, tod, tod der liebe. philipp himmelmann schaut in seiner inszenierung eher in die hölle der menschlichen seele hinab, baut den abend in eine ausdrucksstarke schwarz-weiße kulisse ein und lässt später die folteropfer nackt und elend und an den füßen von der decke hängen. ein bild, das brennt.
verdi zu hören berauscht, jede einzelne stimme der perfekt besetzten rollen berauscht, der abend hat einen machtvollen sog. eine inszenierung, die den wahnsinn untersucht und wahnsinnig edel strotzt.
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