La Piccola Cubana

Bewertung und Kritik zu 

LA PICCOLA CUBANA 
von Hans Werner Henze
Regie: Pauline Beaulieu 
Premiere: 27. Oktober 2022 
Staatsoper Unter den Linden Berlin

Zum Inhalt: »La piccola Cubana« erzählt die turbulente Geschichte der Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba. Noch lange nach der Uraufführung 1974 diskutierten Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzensberger über eine kammermusikalische Fassung ihrer von Elementen des Songspiels inspirierten Fernsehoper »La Cubana«, die in der Einrichtung von Jobst Liebrecht nun zur Aufführung kommt.

1969 veröffentlichte der kubanische Schriftsteller Miguel Barnet seinen Roman »Das Lied der Rachel« als dokumentarisch-fiktionalen »Zeugenbericht« sich verschiebender gesellschaftlicher Verhältnisse. Tivoli- und Zirkus-Bühnen bilden die Schauplätze von Rachels Erzählungen, in denen sich Erinnerung und Illusion verbinden. Für den Komponisten Hans Werner Henze, der Kuba selbst bereiste, war die Insel ein Sehnsuchtsort, der ihn politisch und künstlerisch inspirierte. Zusammen mit Hans Magnus Enzensberger konzipierte er in den frühen 1970er Jahren die Oper »La Cubana oder ein Leben für die Kunst«, deren Bezeichnung »Vaudeville« auf eine vielgestaltete szenische und musikalische Struktur zwischen Songspiel und musiktheatraler Groteske verweist. Als Gegenstück zur großbesetzten »La Cubana« entstanden eine Librettoüberarbeitung unter dem Titel »La piccola Cubana« sowie die konzertanten »Lieder und Tänze aus der Operette La Cubana«, welche die textliche und instrumentale Grundlage für die Einrichtung darstellen, die der vor 10 Jahren verstorbene Henze selbst nicht mehr realisieren konnte.

Musikalische Leitung: Adrian Heger
Inszenierung: Pauline Beaulieu
Bühnenbild: Benjamin Schönecker
Kostüme: Veronika Bleffert
Mitarbeit Kostüme: Tobias Maier
Video: Irma van Doornmalen
Licht: Simone Oestreicher
Sounddesign: Knut Jürgens


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Hula-Hopp
  · 01.11.22
''Victoria Randem brilliert in jeder Hinsicht als Zentral- und Hauptfrau Rachel (jener kubanischen Sängerinnenpersönlichkeit, um die es in der Kammeroper geht), und sie kann also singen, tanzen, Hula-Hopp, und außerdem sieht sie fantastisch aus. Ihre Geschlechtsgenossinnen Ema Nikolovska (als nicht nur mit sängerischem sondern auch noch komödiantischem Talent gesegnete Lucile-Akteurin) sowie die beiden Schauspielerinnen Susi Wirth (als Zeugin 1) und Lena Vogt (als Zeugin 2 u.a.) stehen bei weitem nicht in ihrem Schatten.

Selbst die mitgewirkt habenden Herren der Schöpfung Andrés Moreno García, Benjamin Chamandy und der Dirigent Adrian Heger sollten hier nicht unerwähnt geblieben sein. Die Musik klingt gar nicht unoft nach Kurt Weill - aber das hatte Henze höchstwahrscheinlich so gewollt gehabt. Kurzweilig, ja, das schon - aber noch einmal anhören wollte ich es mir sicher nicht.'' schreibt Andre Sokolowski am 1. November 2022 auf KULTURA-EXTRA
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Ein unausgegorenes Werk
  · 29.10.22
''Henze immerhin beweist am Ende, dass er notfalls sogar ein Chanson schreiben kann. "Da hab ich nichts gekannt, da bin ich durchgebrannt", hebt es an. Die Musik hat mehr Rhythmus, mehr Drive als sonst üblich – auch wenn es zum "King of Mambo" nicht ganz reicht.

Das Problem bleibt, dass Enzensberger zwar ein guter Songschreiber, aber überhaupt kein Dramatiker ist. Durch leichtes Brechtisieren wird Henze fatalerweise auf die Kurt Weill-Schiene gelockt. Das Ganze klingt wie eine Zigarettenpause bei der Dreigroschenoper.

Im Alten Orchesterprobensaal geriert sich die Staatsoper einmal mehr als Fußnotenapparat der Musikgeschichte. Verdienstvoll mag das sein, kurios erst recht. Zu einem beherzten "Nichts wie hin!" mag man sich trotzdem nicht durchringen. Zu unausgegoren ist das Werk.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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