Siegfried

Bewertung und Kritik zu

SIEGFRIED 
von Richard Wagner
Regie: Dmitri Tcherniakov 
Premiere: 6. Oktober 2022 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Zum Inhalt: Siegfried, der Sohn Siegmunds und Sieglindes, ist ein tatkräftiger junger Mann. Vom verschlagenen Nibelungen Mime aufgezogen, kennt er seine Eltern nicht – einzig Bruchstücke eines Schwertes hat sein Vater hinterlassen. Siegfried schmiedet den Stahl neu zu einer starken Waffe, mit der er den Drachen Fafner erschlägt. Dieser hatte den Ring gehütet, den Siegfried nun an sich nimmt. Und er gewinnt Brünnhilde, die er aus dem Schlaf erweckt.

Im dritten Teil seiner »Ring«-Tetralogie lässt Wagner märchenhafte Motive in seine große mythologische Erzählung einfließen. Die allbekannte Geschichte von »Einem, der auszog, das Fürchten zu lernen« hat sich im »Siegfried« ebenso niedergeschlagen wie Episoden aus dem mittelalterlichen »Nibelungenlied«. Naturbilder wie das berühmte »Waldweben« zeugen von den besonderen klangmalerischen Fähigkeiten Wagners, auch die musikalischen Darstellungen von Feuer und Gewitter, von Schmelzen und Schmieden und anderem mehr gelingen sehr plastisch. Ein letztes Mal tauchen die Götter auf: Der einst so mächtige Wotan hat sich zum Wanderer gewandelt, der jedoch kaum mehr aktiv in die Handlung eingreift, die zuvor noch allwissende Erda, die im »Rheingold« das Ende der Götter ahnungsvoll angekündigt hatte, weiß vom Gang der Welt nichts mehr. Die Zukunft scheint Siegfried und Brünnhilde zu gehören, ihr Jubel kennt keine Grenzen. Und doch spürt man, dass noch ein tragisches Finale bevorsteht.

Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Inszenierung, Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov
Kostüme: Elena Zaytseva
Licht: Gleb Filshtinsky
Video: Alexey Poluboyarinov
Dramaturgie: Tatiana Werestchagina, Christoph Lang


 
Meinung der Presse zu 

„Siegfried“

Staatsoper Unter den Linden


FAZ
★★★★★



tip

★★★☆☆

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Siegfried-Auftritt(e): Andreas Schager
  · 07.10.22
''In der aktuellen Inszenierung von Dmitri Tcherniakov war dann auch, nicht bloß für ihn, geraumes Potenzial an Fröhlichsein & Singen zu bemerken; insbesondere im letzten Akt schien sich das endlos ansingende Traumpaar - er und Anja Kampe (als Brünnhilde) - an die ähnlich wie im Tristan, wo es schon mal an der kniffligsten der kniffligen Emotionalstellen beim Einverleiben seines Liebestranks ausladend lustig zugegangen war, vollzogene Nichtunterdrückung seines Lachkrampfs zu erinnern. Es sah aus, als wollten beide, wenn sie schon mal wegen Christian Thielemann, der ihrem endlos scheinenden Duett eine grandiose Zeitlupe von unvorstellbar breiter Dauer vorschrieb und verpasste, gegen diese Art von Zumutung ironisch rebellieren, und da hatte sie der Regisseur natürlich klimbimartig gut geführt. (...)

Eine kabarettistische Sternstunde lieferten sich Michael Volle (Wanderer) & Anna Kissjudit (Erda) - er hat mit ihr ein Tête-à-Tête zum Thema Wissen und Wissensdurst; sie schlürft ihren Earl Grey, er hört ihr zu, und dann geht er ihr fast an die Gurgel, weil er nicht das von ihr erfährt, was er von ihr erfahren wollte; nur Stress im Institut! Absolut sehenswert und fast noch eine Steigerung zu der vergleichbaren Castorf-Siegfried-Szene, wo Erda ihrem Ex (also Wotan) ganz nebenbei noch einen bläst; das war schon unvergesslich.

Alles in allem: Die Staatskapelle Berlin spielt fett und breit und klingt dabei trotz allem traumhaft schön. Auch Johannes Martin Kränzle (Alberich) und Stephan Rügamer (Mime) steuerten von ihrer Seite nicht nur Stimmliches, sondern auch hochvorzüglich Schauspielerndes bei. Ungebändigte, hysterische Begeisterung.'' schreibt Andre Sokolowski am 7. Oktober 2022 auf KULTURA-EXTRA
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