Die Walküre

Bewertung und Kritik zu

DIE WALKÜRE 
von Richard Wagner
Regie: Dmitri Tcherniakov 
Premiere: 3. Oktober 2022 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Zum Inhalt: Durch Nachkommen will Wotan seine Macht sichern. Die Zwillinge Siegmund und Sieglinde scheinen perfekt dafür. Das Schicksal führt sie eines Tages zusammen. Wotans Gemahlin Fricka ist die Geschwisterliebe jedoch ein Dorn im Auge, Wotan selbst ist innerlich zerrissen. Als seine Lieblingstochter, die Walküre Brünnhilde, gegen ihn aufbegehrt, versetzt er sie in Schlaf und legt einen Feuerkreis um sie, den nur ein Furchtloser durchschreiten kann.

Am ersten Abend des Bühnenfestspiels treten erstmals Menschen auf, Wagner setzt gewissermaßen neu mit seiner Erzählung an. Zudem kommt ein neuer Ton in die Musik, mit großer Expression und Emphase, den großen Gefühlen entsprechend, die immer mehr an Raum einnehmen. Prägend sind neben den intensiven Dialogszenen, die Wagner mit psychologischer Tiefenschärfe ausgestaltet, effektvolle instrumentale Partien wie der »Walkürenritt« und der »Feuerzauber«, die zweifellos zu den musikalischen Höhepunkten der gesamten »Ring«-Tetralogie zählen, mit schier überwältigender Wirkung. Mit der »Walküre«-Partitur, in den mittleren 1850er Jahren komponiert, erreichte Wagner eine neue Stufe seiner Kunst, dem Orchester ein besonderes Sprach- und Mitteilungsvermögen zu geben – zusätzliche Sinnschichten werden entwickelt und in das Werk eingebracht. Und nicht nur das Menschenpaar Siegmund und Sieglinde lässt ein buchstäbliches »Mitleiden« entstehen, sondern auch die göttlichen Wesen, die ebenso menschlich denken, fühlen und handeln.

Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Inszenierung, Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov
Kostüme: Elena Zaytseva
Licht: Gleb Filshtinsky
Video: Alexey Poluboyarinov
Dramaturgie: Tatiana Werestchagina, Christoph Lang


 
Meinung der Presse zu 

„Die Walküre“

Staatsoper Unter den Linden


Die Welt
★★☆☆☆

FAZ
★★★★★



Tagesspiegel

★★★☆☆

tip
★★★★☆

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0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Weder Weltesche noch Feuerzauber
  · 04.10.22
''Die absolute Abräumerin der Aufführung war die litauische Sopranistin Vida Miknevičiūtė (Sieglinde); vorgestern beim Rheingold, wo sie als Freia eingesprungen war, störte ich mich noch an dem vehemten Zittern ihrer Stimme - gestern hielt sie's irgendwie im Zaum, sodass es mich dann plötzlich nicht mehr störte; und sofort dachte ich an Gundula Jannowitz (die noch viel hörbarer als unsere Vida in der Stimme zitterte), ja und ich war und bin ein echter Fan von ihr. Vidas Sieglinde: umwerfend, sensationell!! 

Die Fricka Claudia Mahnkes war - vergleicht man sie zu der von vorgestern - ungleich gerissener, auch stimmlich schlug sie noch viel besser durch als wie im Rheingold. Mika Kares ist ein raumfüllender Hunding, singt und spielt geradezu gewalttätig! Der Siegmund Robert Watsons erntete zum Schluss viel Buhs; ich hatte/ habe hierfür null Verständnis. Und Michael Volle sang bis kurz vorm Anschlag, machte aber heldenhaftermaßen fast an keiner Stelle seiner Mordspartie irgendwie schlapp.

Die Staatskapelle Berlin ist klanglich kaum wiederzuerkennen - sie war zwar schon immer erste Sahne, aber unter Christian Thielemann, der sie zu ungewöhnlich neuen oder (besser:) anderweitigen "Räuschen" und v.a. absoluter Transparenz und Klarheit antreibt und ver-führt, macht sie tatsächlich einen weiteren enormen Qualitätssprung! Thielemanns Tempi sind extrem breit, und er neigt an wenigen aber strikt ausgewählten Stellen zu extraordinären Gefühlsausbrüchen, die sich allerdings dann immer wieder schneller als man denkt in bedeutend schlichter geratenes Schlecht- oder Schönwetter verwandeln. Viel bisher Ungehörtes, Neuland für die Ohren.'' schreibt Andre Sokolowski am 4. Oktober 2022 auf KULTURA-EXTRA
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