Turandot

Bewertung und Kritik zu

DON GIOVANNI 
von Giacomo Puccini
Regie: Philipp Stölzl 
Premiere: 18. Juni 2022 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Zum Inhalt: Prinzessin Turandot will niemandem gehören. Dafür ist sie bereit, alles zu geben. Bisher ging die Strategie auf, um sich lästige Verehrer vom Hals zu schaffen: Jeder, der sie heiraten will, muss drei Rätsel lösen. Wer das nicht schafft, bezahlt mit dem Leben. Hunderte versuchen ihr Glück und fallen der grausamen Gewaltherrschaft Turandots zum Opfer. Doch dann taucht ein Mann auf, der die Rätsel lösen kann ...

Giacomo Puccinis letzte Oper »Turandot« blieb unvollendet. Der Komponist fand bis zu seinem Tod keine Wendung für die finale Liebesszene, die ihn überzeugte. Erst nachdem sein Freund, der italienische Komponist Franco Alfano, das Finale, das heute weltweit zu hören ist, nach den Skizzen Puccinis zu Ende komponiert hatte, wurde die Oper im April 1926 an der Mailänder Scala uraufgeführt und zu einem bahnbrechenden Erfolg. In »Turandot« verwendet Puccini ein bis dahin unbekanntes Farbspektrum fernöstlicher Melodien im Orchester und spürt den Klängen des alten chinesischen Kaiserreichs nach. Dem begegnet der Regisseur Philipp Stölzl, der neben Musik- und Sprechtheater vor allem Spielfilme, Werbespots und Musikvideos inszeniert, mit einer von Schwarzer Romantik gezeichneten surrealen Bildsprache.

Musikalische Leitung: Zubin Mehta
Inszenierung, Bühnenbild: Philipp Stölzl
Mitarbeit Regie: Philipp M. Krenn
Mitarbeit Bühnenbild: Franziska Harm
Kostüme: Ursula Kudrna
Licht: Philipp Stölzl, Irene Selka
Choreographie: Christopher Tölle
Einstudierung Chor: Martin Wright
Dramaturgie: Jana Beckmann


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Stölzl inszeniert "Turandot" als nordkoreanisch anmutende Diktatur
  · 21.06.22
''Regisseur Philipp Stölzl führt das Ganze als nordkoreanisch anmutende Diktatur vor; die paradoxerweise auf ihrem Ahnenkult besteht. Hauptenergien eines Dutzends von Marionettenspielern werden darauf verwendet, die Riesenpuppe, eine von Turandot verehrte Ahnin namens Lo-u-Ling, mühsam zu manövrieren. Was leider in keinem Verhältnis zu ihrem Bedeutungsmehrwert steht.

Dass sich das Volk seine Diktatoren selber wählt (deswegen muss die Puppe bewegt werden), ist gewiss ein Grundproblem unserer Gegenwart. Leider ist Stölzl indes kein wirklich politischer Regisseur, weswegen die Deutung auf der Stelle tritt. Das Statuarische, Schematische, auch die Rauschebärte wird man auf diese Weise nicht los.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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Dicke Gliederpuppe
  · 23.06.22
''Anna Netrebko, der man - im Zusammenhang mit Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine - eine nebulöse "Nähe" zum Gewaltdespoten unterstellte und ihr daher nahelegte, besser nicht die neue hauptstädtische Turandot zu absolvieren, war dann also abwesend; dafür hatte ihr Gatte Yusif Eyvazov, der meistens dann im Schlepptau von der Starin irgendwo auf dieser Welt (zumeist in Arien- und Duettestraden) mit-singt, seine Chance nutzen können, Calaf sozusagen in Alleinstellung uns neugierigen Staatsopernbesucherinnen und -besuchern vollbrüstig zu präsentieren, und - wir tun das hiermit absolut und gern betonen - Yusif überzeugte und gefiel!!

Die eigentliche Attraktion war aber Elena Pankratova - auch eine Russin, das nur nebenbei bemerkt; und wurde SIE dann eigentlich, was ihre Einstellung zu Putins Krieg betrifft, zuvor ins Kreuzverhör genommen; auch Aida Garifullina (die Lìu unsrer Turandot) beträfe die Gesinnungsschnüffelei - mit ihrem Riesenreifrock von Kostümdesignerin Ursula Kudrna und ihrer Riesenröhre, die man hierzulande schon seit längerem bestaunt und schätzt; sie war dann übrigens und ursprünglich bloß als die "Zweitbesetzung", also in den Folge-Vorstellungen nach Netrebko, angezeigt. Dass ihr jetzt mit dem Ausfall ihrer russischen Kollegin eine lustvollste Genugtuung zuteil wurde, konnte/ kann man sich denken, oder?'' schreibt Andre Sokolowski am 23. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
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