Die Sache Makropulos

Bewertung und Kritik zu

DIE SACHE MAKROPULOS 
von Leoš Janáček
Regie: Claus Guth 
Premiere: 13 . Februar 2022 
Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Zum Inhalt: Dokumentation eines absurd komplexen Erbschaftsstreits, Kriminalstück, Metaoper mit einer Sängerin, die eine Sängerin spielt, Abhandlung über Sinn und Unsinn menschlicher Unsterblichkeit – all das verbirgt sich hinter »der Sache/dem Fall Makropulos«. Operndiva Emilia Marty mischt durch ihr unerklärliches Detailwissen die Beteiligten eines schon seit hundert Jahren schwelenden Erbschaftsprozesses auf und nutzt die Tatsache, dass ihr alle Männer verfallen sind, rücksichtslos für ihre rätselhaften Absichten aus.

Was keiner ahnt: Unter den Bergen von Papier aus dem Prozess befindet sich ein geheimnisvolles, altes Rezept für einen Trank zur Lebensverlängerung um 300 Jahre, den Marty schon einmal eingenommen hat und dem sie nun nachjagt, um ihr Leben ein weiteres Mal zu verlängern. Doch nachdem sie buchstäblich über Leichen gegangen ist und das Dokument in Händen hält, begreift sie, welchen Preis ewiges Leben hat … Janáčeks vorletzte Oper ist nicht nur wegen ihres überraschenden Handlungsverlaufs seine merkwürdigste. Das Hauptthema aller seiner Opern, die Liebe, erscheint hier in ihrer Abwesenheit ex negativo. Die distanzierende Kühle und Ironie der Schauspielvorlage von Karel Čapek wandelt Janáček in eine veritable Tragödie, die Mitleid für seine unnahbare, von Überdruss gezeichnete und emotional verarmte Hauptfigur erzeugt. Nach »Jenůfa« in der letzten Spielzeit führt Simon Rattle seinen Janáček-Zyklus an der Staatsoper nun mit »Věc Makropulos«, der sicherlich schroffsten Partitur des Komponisten, fort.

Musikalische Leitung: Sir Simon Rattle
Inszenierung: Claus Guth
Bühnenbild: Étienne Pluss
Kostüme: Ursula Kudrna
Licht: Sebastian Alphons
Choreografie: Sommer Ulrickson
Dramaturgie: Yvonne Gebauer und Benjamin Wäntig

TRAILER


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Ihr "wahres" Alter (337) sieht man ihr nicht an
  · 14.02.22
''Die Attraktion der aktuellen Lindenoper-Produktion des vorletzten Musiktheaters aus der Feder Leoš Janáčeks sind Simon Rattle und die Staatskapelle Berlin. Dieses Gespann ist diesbezüglich aufeinander eingeschworen - auch Jenůfa und Katja Kabanowa sowie Aus einem Totenhaus wurden bereits von beiden referenzwürdig zum Klingen gebracht; und zählt man schlussendlich Das schlaue Füchslein, was der Rattle mit den Philharmonikern zudem aufführte, mit dazu, wird man getrost bestätigt haben können, dass Sir Simon höchstwahrscheinlich einer der vorzüglichsten Kenner und Könner insbesondere der Opern dieses Tschechen ist! Dabei ist ausgerechnet Věc Makropulos die von den Janáček-Opern sperrigste, kantigste, ungeschmeidigste und unnahbarste, und der Hörer braucht schon lange, um sich mit ihr erst mal etwas anzufreunden, um die "wahrhaftigen" Stellen in ihr anzunehmen resp. zu begreifen; und es geht zwar ziemlich ehrlich und auch ohne jede Süßeleien in dem dreiaktigen Brocken zu, allein - die merkwürdige Kälte, die sich um die Hauptprotagonistin spinnt und die im Dauerkühlzustand mein Herz herausfordernderweise attackiert, schafft schon dann stählerne Distanz.

Das könnte wiederum der Grund gewesen sein, weswegen Regisseur Claus Guth, der für so komplizierten Psychokram prädestinierteste Sezierer weit und breit, so eine gleißend helle Kühl- oder Erfrierkammer von Bühnenbildner Étienne Plus hinzuerbauen ließ, in der dann überlanges Aus- und Einatmen der derart Konservierten überdeutlich nervte. Marlis Petersen schien für die Hauptrolle der Sängerin Emilia Marty ideal besetzt, denn ihre Stimme ist nicht wirklich schön, hat dafür aber alle Durchschlagskraft und Raffinesse, die dem komplizierten Part sehr, sehr entgegenkommt. Einhellige Begeisterung nach zwei Stunden Premiere.'' schreibt Andre Sokolowski am 14. Februar 2022 auf KULTURA-EXTRA
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