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Bewertung und Kritik zu

LA BAYADÈRE
von Ludwig Minkus
Choreographie: Alexei Ratmansky 
Premiere: 4. November 2018 
Staatsballet in der Staatsoper Unter den Linden, Berlin

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Zum Inhalt: Es war Marius Petipa, der »La Bayadère« 1877 in St. Petersburg in ausladend großer Besetzung und phantasievollen szenischen Ideen auf die Bühne brachte. Ihm hat der klassische Tanz bis heute ein gewaltiges Erbe mit weitreichenden Folgen zu verdanken. Wie seine Werke tatsächlich ausgesehen haben könnten, interessiert den Choreographen Alexei Ratmansky. Anhand von nahezu vollständig überlieferten Notationen aus Petipas Zeiten, die studiert und gedeutet werden wollen, sind dessen Intentionen unmittelbar nachvollziehbar. Dem einfühlsamen Kenner offenbaren sich neben den originalen Bewegungsideen und Schrittfolgen auch Petipas kongeniale szenische Logik und die unvergleichlich wirkungsvolle Verbindung zur Musik von Ludwig Minkus. Um sich dem Original so dicht wie möglich anzunähern, rekonstruiert Alexei Ratmansky »La Bayadère« nicht nur, sondern widmet sich in akribischer Recherche zugleich Petipas Geschmack und Instinkt. In diesem Sinne werden auch Bühnenbild und Kostüme von Jerôme Kaplan neu entwickelt.
Eine exotische Traumwelt bot Marius Petipa den idealen Rahmen. Vor dem Hintergrund eines phantastischen Indiens, in Tempeln und Palästen, in schwüler Atmosphäre, in der man erlesene Sandelholzdüfte zu atmen glaubt, entfaltet sich die Geschichte einer verbotenen Liebe: die Bayadére Nikia – eine indische Tempeltänzerin, die ihr Leben den Göttern geweiht hat – liebt den Krieger Solor, der allerdings Gamsatti, der Tochter des mächtigen Radschas als Ehemann versprochen ist. Den Gesetzen der Tradition unterworfen und Ränkespielen ausgeliefert, kann diese Verbindung nur unglücklich enden. Einzig im geheimnisvollen Königreich der Schatten findet die Liebe der beiden ihren überhöhten Ausdruck. Die ewige Gültigkeit der ätherischen Schönheit dieses Balletts darf auch in dieser Fassung nicht fehlen. Eingebettet ist das Traumbild in die nicht minder betörende Welt indischer Schauplätze, Farben und Dekorationen, in denen sich das Liebesdrama entwickelt.

Mit Polina Semionova (Nikia), Alejandro Virelles (Solor), Yolanda Correa (Gamsatti) | Staatskapelle Berlin | Victorien Vanoosten

Musik: Ludwig Minkus
Choreographie: Alexei Ratmansky
Bühne/ Kostüm: Jérôme Kaplan
Licht: Linus Fellbom
Musikalische Leitung: Victorien Vanoosten
Orchester: Staatskapelle Berlin
Nikia: Polina Semionova
Solor: Alejandro Virelles
Gamsatti: Yolanda Correa

TRAILER


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Zwanghafter Rekonstruktions-Wille – keine Wucht und Schönheit
  · 05.11.18
''Man kann diese "Bayadere" mit Respekt betrachten, aber sie ist nicht beglückend oder ergreifend. Der Märchenzauber stellt sich trotz aller Pracht und Brillanz und der bestens aufgelegten Staatskapelle, die von Victorien Vanoosten seriös durch die theatrale Ludwig-Minkus-Musik geführt wird, nicht ein, denn der zwanghafte Authentizitäts-Wille, die Strenge und Unnachgiebigkeit in der Rekonstruktion und das Dekorative daran sind zum Hemmnis geworden. In der Starrheit der Rekonstruktions-Perfektion können sich die Wucht und Tragik des Stoffes und die Schönheit der Petipa-Choreographie nicht entfalten – jedenfalls am Premierenabend.

Für Johannes Öhmann und Sasha Waltz sollte diese Produktion vermutlich als Beweis dienen, dass sie das Staatsballett eben nicht nur in den Zeitgenössischen Tanz drängen – der Streit darüber war nach ihrer Ernennung heftig. Der Beweis ist gelungen, aber dieser Besuch im Ballett-Museum lässt einen doch ziemlich unberührt und kalt. Der freundliche, aber schnell verebbende Applaus war nichts im Vergleich zum Jubel bei der ersten Staatsballett-Premiere Anfang September, beim Abend der Moderne, der Gegenwart.'' schreibt Frank Schmid auf kulturradio.de
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