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Bewertung und Kritik zu

FAMILIODROM
Interrobang (Till Müller-Klug, Lajos Talamonti, Nina Tecklenburg)
Online-Premiere: 8. Dezember 2020 
Sophiensaele Berlin

Zum Inhalt: In Familiodrom bringt Interrobang gemeinsam mit dem Online-Publikum ein Kind zur Welt. Sofort steckt das frisch gebackene Elternkollektiv im ideologischen Sumpf aus Stoffwindeln, Fertigbrei, Schlaftraining, Scham und Schuld. Im moralischen Kleinkrieg um den Schnuller geht es ums Ganze: Welches Menschenbild steckt hinter unserer Idee von Erziehung? Inspiriert von Rousseaus Klassiker Emil oder Über die Erziehung tritt Interrobang für ein performatives Empowerment ein, in dem gesellschaftliche Grundfragen verhandelt werden. An entscheidenden Stellen der Erzählung kann das Online-Publikum eingreifen, abstimmen und die Entwicklung des Kindes beeinflussen. Der Ausgang dieses Erziehungsexperiments ist jeden Abend anders. Führt es in eine neue Familienhölle oder in eine bessere Gesellschaft? Und wie geht es dem Kind dabei?

Mit Bettina Grahs, Lajos Talamonti, Lisa Großmann

Konzept: Interrobang (Till Müller-klug, Lajos Talamonti, Nina Tecklenburg)
Dramaturgie: Lisa Großmann, Peggy Mädler
Bühne: Silke Bauer, Maria Gamsjäger
Musik: Friedrich Greiling Assistenz Christina Reuter
Programmierung: Florian Fischer
Lichtdesign, Technische Leitung: Dirk Lutz


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Abstimmspiele mit geringem Erkenntnisgewinn
  · 09.12.20
Während die Abstimmungsspiele bei "Emocracy" von Interrobang im Herbst 2017 (ganz analog in den Sophiensaelen) im Anekdotischen und Banalen versandete, konzentriert sich "Familiodrom" auf ein klar umrissenes Thema: Welche Erziehungsmethoden sind die richtigen?

Die drei Performer*innen führen stringent durch die eng getakteten Abstimmungen vom Kleinkind-Schreialter über die Schulwahl bis zur Abnabelung Emilias von den Eltern in der Pubertät.

Der Abend ähnelt sehr stark den zahlreichen anderen Abstimmungs-Spielen, die in den vergangenen Jahren entwickelt werden. Für "Familiodrom" gilt dasselbe wie z.B. für das FIND-Gastspiel "Pendiente de voto": Der Abstimm-Marathon ist unterhaltsam, der Erkenntnisgewinn der 90 Minuten ist gering. Bei dem Digital-Experiment von Interrobang geht natürlich die Gruppendynamik verloren, die das Interessanteste an den Live-Abstimmungen vor Ort im Theater war, als sich die Teams auf eine Antwort einigen mussten.

Das wesentliche Fazit hat Falk Schreiber schon im ersten Absatz seiner Nachtkritik festgehalten: Wie homogen die Blase aus dem sozial-ökologischen Metropolen-Milieu ist, die sich vor den Rechnern versammelt hat... Überraschend war daran, wie eindeutig sich die Kollektiveltern für die Impfung des Kindes entschieden haben. So eindeutig, wie bei kaum einer anderen Frage.
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