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    SPIELPLAN & KARTEN

    Kasimir und Kaukasus

    Bewertung und Kritik zu

    KASIMIR UND KAUKASUS
    von Francis Veber
    Regie: Holger Hauer
    Premiere: 12. Mai 2018 
    Schlosspark Theater Berlin

    © DERDEHMEL/UrbschatZum Inhalt: Ein Yorkshire-Terrier? Es ist ein Goldfisch, den Henri nach Hause bringt. Obwohl sich seine Frau Christine einen Hund gewünscht hat. Der so bewusst herbeigeführte Krach soll wieder mehr Leben und Leidenschaft in ihre schläfrig gewordenen Ehe bringen: Kasimir, der Goldfisch, als Retter – soweit der Plan.

    Doch Christine reagiert ungehaltener als erwartet, droht mit Scheidung und lädt, aus Rache, sogar einen ehemaligen Freund der Beiden zu sich nach Hause ein. Hans Peter, einen arbeitsscheuer Schwärmer, der lieber vor Birnen meditiert, als sich den Realitäten des Alltags zu stellen.

    Und während sich Henri immer mehr dem Goldfisch Kasimir anvertraut, bringt Hans Peter alles durcheinander und letztlich auch noch eine weitere Person in die Wohnung, die dafür sorgt, dass Kasimir nicht der einzige Familienzuwachs bleibt…

    mit Ulrike Frank, Katharina Maria Abt, Dieter Landuris & Markus Majowski und Dieter Hallervorden (als Goldfisch)

    Regie: Holger Hauer
    Bühne: Holger Pasch
    Kostüm & Bühnenausstattung: Viola Matthies
    Kamera & Hologramm: Axel Martin

    3.3 von 5 Sterne
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    Ein Goldfisch als Paartherapeut
    6 Jahre her.
    Kritik

    Der französische Erfolgsautor Francis Veber, von dem zahlreiche Bühnenstücke und Filmdrehbücher stammen, hat seine Komödie „Kasimir und Kaukasus“ 2017 im Pariser „Théâtre des Nouveautés“ vorgestellt. Dieter Hallervorden hat das Stück ins Deutsche übertragen und die deutschsprachige Erstaufführung jetzt in seinem Schlosspark Theater Berlin präsentiert. Die Inszenierung besorgte hier Holger Hauer.

    Der politische Journalist Henri (Dieter Landuris) will seine Frau, die Innenarchitektin Christine (Ulrike Frank) mit einem Haustier überraschen, um seiner kriselnden Ehe einen positiven Impuls zu geben. Sie hatte sich einen Yorkshire-Terrier gewünscht, aber er bringt stattdessen einen Goldfisch im Aquarium nach Hause. Christine ist empört, droht mit Scheidung und lädt als Rache den  früheren Freund und Verehrer Hans Peter (Markus Majowski) zu sich ein, der eine tiefverwurzelte Abneigung gegen jede Art von Arbeit hat. Der Berliner Goldfisch Kasimir, der mit der Stimme von Dieter Hallervorden zu sprechen vermag, ist zunächst ständig in Gefahr, an die Tierhandlung zurückgegeben zu werden, aus der er stammt. Aber seine besondere Gabe, denjenigen zu offenen Bekenntnissen zu bringen, der vor seinem Aquarium sitzt, läßt ihn mit der Zeit zu einem echten Hausgenossen werden. Als er dem Ende nahe zu sein scheint, besorgt Christine sogar einen zweiten Goldfisch, der sich mit bayerischem Dialekt zu Wort meldet, der aber nicht über die Gabe verfügt, Menschen zu ungehemmter Beichte zu verleiten. 

    Die neue Offenheit durch Goldfisch-Präsenz mit Katalysator-Effekt bleibt allerdings nicht ohne Wirkung. Durch Vermittlung von Hans Peter taucht auf einmal die kaukasische Escort-Dame Dounia (Katharina Maria Abt) in der Wohnung von Henri und Christine auf. Wie sich herausstellt, hatte Henri fünf Jahre zuvor ein kurzes Techtelmechtel mit ihr, dem ein nunmehr fünfjähriger Sohn entstammt, der jetzt in der Obhut von Dounias Mutter im fernen Kaukasus Ziegen hütet. Aber auch Christines bislang erlebnisarme Lebensführung bleibt nicht unbelastet: ein Russe, dessen Appartement Christine gestaltet hat, vergewaltigt sie in seiner Hotelsuite, und Christine gewinnt dieser Attacke sogar positive Aspekte ab. Der komplexe Empfindungs-Mix klärt sich nach ausgiebigem Durcheinander in der Weise, dass Hans Peter mit der geläuterten Escort-Dame in den fernen Kaukasus zieht, während das Ehepaar Henri und Christine unter dem wundersamen Einfluß des Goldfischs Kasimir ihre Zuneigung erneuern und vertiefen. 

    Dieses in vieler Hinsicht kuriose Szenario wird durch treffende schauspielerische Leistungen plausibel und nachempfindbar. Heimlicher Star des Abends ist natürlich der Goldfisch Kasimir, dessen Bühnenexistenz aber keine protestierenden Tierfreunde auf die Szene ruft, denn er bewegt sich durch eine raffinierte visuelle Technik nur als gut sichtbares Hologramm in seinem Aquarium. Henri erntet Verständnis und Mitgefühl für seine Versuche, die Zuneigung von Christine wieder zu beleben. Christine ihrerseits läßt sehr konkret und glaubwürdig die Wirkungen ihres sexuellen Erlebnisses mit dem russischen Kunden in der Hotelsuite vor ihrem geistigen Auge vorüberziehen. Dounia stellt mit überzeugend pseudo-kaukasisch gebrochenem Deutsch, aber tadellosem Erscheinungsbild ihre Escort-Existenz auf die Bühne, und Hans Peter wird mit warmherziger Emotion regelrecht zum Publikumsliebling. 

    Am Ende viel Beifall und begeisterter Applaus für einen amüsanten Abend ohne unnötige Komplikationen. 

    http://roedigeronline.de
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    1 von 3 Person(en) gefiel diese Kritik
    Ein Fisch namens Kasimir
    6 Jahre her.
    Kritik
    Und wieder ist es eine französische Komödie, die ihren Weg auf die Bühne des Schlosspark Theaters findet. Dies auch noch als deutsche Erstaufführung, denn Dieter Hallervorden hat das Bühnenstück

    [color=#000000]

    Un Animal De Compagnie“

    des für Komödien bekannten Autors Francis Veber in´s Deutsche übersetzt und in „Kasimir und Kaukasus“ umgetauft. Und eine Rolle übernommen, genauer gesagt, eigentlich die heimliche Hauptrolle. Denn Kasimir bringt die Geschichte erst richtig ins Rollen bzw. die Protagonisten ins Schwimmen. Letzteres ist sein Element, denn Kasimir ist ein Goldfisch und wird von Journalist Henri (Dieter Landuris) mit nach Hause gebracht. Nicht gerade geschickt, denn Ehefrau Christine (Ulrike Frank) hat sich einen Yorckshire-Terrier gewünscht und reagiert entsprechend ungehalten, ihre 20-jährige Ehe ist sowieso nicht mehr die allerfrischeste. Ihre Retour-Kutsche läuft in Gestalt von Hans Peter auf, einem ehemaligen Verehrer, bei dem nicht ganz nachvollziehbar ist, warum Christine irgendwann einmal Gefallen an ihm gefunden haben könnte, denn er wohnt noch bei Mama und hat die Arbeit nicht gerade erfunden. Markus Majowski spielt diesen Charakter schön devot. Nun ergänzt er ihre Zweisamkeit, nein, Dreisamkeit, denn Kasimir schwimmt schließlich nicht nur stumm in seinem Aquarium herum. Seine Kommentare, von Dieter Hallervorden sehr amüsant eingesprochen, bringen die jeweilige Situation gern auf den Punkt und lassen ihn langsam aber sicher zu einem echten Familienmitglied werden. Kaum zu glauben, dass er als Hologramm erscheint, er macht einen täuschend echten Eindruck. Zwischendurch wird die gesamte Bühne in eine Unterwasserlandschaft getaucht, passend dazu ertönt

    Ringo Starrs Octopus's Garden

    .

    Und Kasimir tut dem Ehepaar zunehmend gut, auch Christine entdeckt zunehmend seine Vorzüge, bringt er doch ganz neue Züge in ihr hervor. In der zweiten Hälfte nimmt das Stück nochmal deutlich an Fahrt auf, Dounja, eine kaukasische Escort-Dame, betritt die Bildfläche, von Hans Peter angeschleppt. Und wie das so ist, hatte sie auch schon mal Berührung mit Henri, was in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist. Und zu allerlei Verwicklungen führt, mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Katharina Maria Abt verleiht ihrer Figur mit rollendem „r“ und passendem Kostüm den osteuropäischen Touch, der sämtlichen Vorurteilen gerecht wird, spielt ihre Rolle authentisch und mit viel Verve. Als am Ende noch ein Streit um Kasimir entbrennt, der feuchte Augen bekäme, wäre er nicht schon im Wasser, und die Eheleute sich ihren Hass, äh, ihre Liebe, gestehen, wird aber noch alles gut, wie sollte es anders sein. Regisseur Holger Hauer, der zu den renommiertesten Regisseuren des deutschen Musiktheaters gehört, hat eine solide Regie geführt, viele komische Momente inszeniert. Und mit Herrmann auch noch einen zweiten Goldfisch mit kurzem Bühnenauftritt eingesprochen, mit bayerischem Dialekt damit einen schönen Kontrapunkt zu Hallervordens Berlinerischem gesetzt. Bühnenausstattung und Kostüme stammen von Viola Matthies, die Bühne von Holger Pasch, beide haben dafür gesorgt, dass man Christine ihren Beruf als Innenarchitektin voll und ganz abnehmen kann. Das Publikum geht mit, die Schauspieler verdienen sich viele Lacher.
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