Bewertung und Kritik zu

END OF THE RAINBOW
von Peter Quilter
Regie: Folke Braband 
Premiere: 1. September 2012
Schlosspark Theater Berlin

Zum Inhalt: Peter Quilters furioses Stück „End of the Rainbow“ kreist um die turbulenten letzten Monate im Leben der Judy Garland, die für eine Serie von Comeback-Shows in London gastiert. Flankiert von ihrem Manager und neuem, mittlerweile fünften Verlobten Mickey sowie ihrem Pianisten und engsten Vertrauten Anthony möchte sie es noch einmal wissen. Doch sowohl ihre Alkohol- und Tablettensucht als auch ihre Liebe zu dem 15 Jahre jüngeren Mickey, der sie lediglich ausnutzt, werden ihr zum Verhängnis…

mit Katharine Mehrling, Torben Krämer & Christoph Schobesberger
Live-Band: Ferdinand von Seebach, David Beecroft, Jo Gehlmann, Stephan Genze, Andreas Henze & Christoph Titz

Regie: Folke Braband
Musikalische Leitung: Ferdinand von Seebach
Bühne & Kostüm: Stephan Dietrich
Choreographie: Danny Costello
Sounddesign: Daniel Selinger

Trailer „End of the Rainbow“ - Schlosspark Theater Berlin


Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
4.4/5 Insgesamt 5 Bewertungen (3 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Wunderbar
  · 02.10.17
Manche Produktionen verlangen einfach nach einer Wiederaufnahme, nun bringt das Schlosspark Theater nach fünf Jahren „End of the Rainbow“ erneut auf seine Bühne, was den Wunsch nach ausverkauftem Haus wohl wahr werden und nicht wenige Zuschauer zu Wiederholungstätern werden lässt. Und es hat schon eine kleine Geschichte hinter sich: 2005 in Sidney uraufgeführt, 2010 im Londoner Westend, 2012 am Broadway gespielt, heimste es viele hochkarätige Preise ein. 

Die Geschichte rankt sich um die letzten Lebensmonate Judy Garlands. An der Besetzung dieser Inszenierung von Folke Braband hat sich nichts geändert, Garlands langjähriger Pianist Anthony wird nach wie vor von Christoph Schobesberger und ihr Verlobter Mickey Deans von Torben Krämer gespielt, von beiden mit überzeugendem Einsatz. Und Judy Garland, ja, das ist immer noch Katherine Mehrling, anders auch kaum denkbar, verkörpert sie die einstige Hollywood-Diva und Sängerin, aber auch den gefeierten Kinderstar, die Ehefrau, Tochter, Abhängige und noch so viele andere Phasen aus Garlands vollgepackten Leben höchst überzeugend, und, was noch beeindruckender ist, all die Gefühle, die mit diesen Zeiten verbunden sind, mühelos und souverän in einer Person. Mehrling schafft es, das Verletzliche, Liebeshungrige, Zweifelnde, aber auch Willensstarke, Temperamentvolle und Strahlende dieser Frau nahezu gleichzeitig zu zeigen, sowohl in den überzeugenden schauspielerischen Momenten, übrigens mit viel Humor gespickt, als auch während ihrer großartigen Gesangsnummern. Mehrling interpretiert die 15 Songs mit größter Sensibilität und Kraft, am Ende ohne jede musikalische Begleitung und absolut mitreißend ihren Hit aus Kindertagen „End of the Rainbow“.

Auch das Bühnenbild von Stephan Dietrich bringt Glamour auf die Bühne, JUDY steht in Riesen-Leuchtlettern geschrieben, die in Begleitung einer sechsköpfigen Kapelle immer dann aufleuchten, wenn gesungen wird. All das taucht in schwarz, wenn sich im Vordergrund der Bühne eine Zimmertür und ein Couchensemble schieben, um das Hotelzimmer zu zeigen, in dem die Szenen spielen.

Auch wenn das Stück tatsächlich nur den letzten Monaten ihres beeindruckenden Lebens nachspürt, Garland während einer Serie von Comeback-Shows abwechselnd in einem Londoner Hotelzimmer und auf der Bühne zeigt, erfährt der Zuschauer sehr viel mehr zu ihrem Leben. Gleich zu Beginn summt sie „End of the Rainbow“, das Lied, mit dem sie als Dorothy im „Wizard of Oz“ noch im Kindesalter berühmt wurde, später erwähnt sie den Druck seitens ihrer Mutter und der Filmindustrie, dem sie nicht standhalten konnte und nimmt auch Bezug auf ihre vier Ex-Ehemänner. Am Ende ihres Lebens, mit nur 47 Jahren, ist nichts übriggeblieben von dem vielen Geld, das sie verdient hat, sie ist abhängig von Tabletten und Alkohol und ihr letzter Ehemann nutzt sie auch aus. Ein interessanter Moment am Schluss, als ihr homosexueller Pianist und langjähriger Freund ihr seine Liebe darlegt, ihr ein sorgenfreies Leben mit ihm verspricht, er der Einzige zu sein scheint, der sich wirklich um sie sorgt, es ernst mit ihr meint. Aber sie kann es nicht annehmen, träumt weiter von imaginären Glücksmomenten mit ihrem nun fünften Ehemann.

Am Ende ist fast egal, wie nah der vom Autor Peter Quilter geschriebene Charakter wirklich dem von Judy Garland ist, man will es gar nicht mehr wissen. Katherine Mehrling verkörpert diesen ruhelosen Geist so glaubwürdig und vielschichtig, dass man einfach nur an ihren Lippen, an jeder Regung ihres Körpers hängt, ihr diesen Charakter voll und ganz abnimmt, einfach nichts an diesem Abend in Frage stellt. Das Publikum feiert sie mit größter Bewunderung.
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Katharine ist Judy
  · 02.10.17
Dieses Stück von Peter Quilter, 2005 in Sydney uraufgeführt, vielfach preisgekrönt und 2012 erstmals im Schloßpark-Theater Berlin zu sehen, kommt nun als Wiederaufnahme dort erneut auf die Bühne. Sein Gegenstand sind die letzten Lebensmonate der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Judy Garland, die 1969 im Alter von nur 47 Jahren in London starb. So geschickt das Stück gebaut und geschrieben ist, es steht und fällt mit der Besetzung der Titelrolle. Katharine Mehrling verkörpert in unübertrefflicher Weise den Film- und Bühnenstar Judy Garland, und wie sie das macht, ist ebenso faszinierend wie mitreissend. Sie kann nicht nur die Wesenslage und quälende Lebenssituation des einstigen Hollywoodstars Judy Garland überzeugend vermitteln, sondern vor allem nicht weniger als 15 ihrer wirkungsvollsten Songs mit präziser Ergänzung durch eine exzellente Begleitband so hinreissend mit dem richtigen Jazzfeeling über die Rampe bringen, dass ein Teil des Publikums diese Vorstellung als Kult empfindet und sie zu wiederholten Malen besucht. 

Als einer der Stars der Produktionsgesellschaft MGM war Judy Garland in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu großem Ruhm aufgestiegen.  Allerdings war sie dem seelischen Druck der Studioarbeit auf Dauer nicht gewachsen und litt unter Depressionen, Angstgefühlen und Wutausbrüchen, die sie mit Tabletten und Alkoholexzessen zu bekämpfen suchte.  Sie war fünfmal verheiratet, darunter auch mit Vincente Minelli. Die gemeinsame Tochter Liza Minelli wurde 1946 geboren. Ihren letzten Ehemann Mickey Deans heiratete sie 1969 in London, wo sie die meisten ihrer späten Lebensjahre zubrachte. 

Die Berliner Inszenierung von Folke Braband verbindet die Bühnenhandlung aus Judy Garlands Privatleben geschickt mit wirkungsvollen Songszenen. Eine perfekte Unterstützung ist dabei die fabelhafte Showband mit Gitarren, E-Piano und Posaune, Bass und Saxophon, Flöte, Trompete und Schlagzeug. Katharine Mehrling, vom Publikum schon mit Auftrittsbeifall begrüßt, ist die beherrschende Figur der Szene. Ihren Verlobten Mickey Deans, der sie zur Sicherung ihrer Auftritte und der lukrativen Einnahmen mit Alkohol und Tabletten füttert, spielt Torben Krämer. Pianist Anthony, der um Judys Gunst mit ihrem Verlobten wetteifert, ist Christoph Schobesberger mit viel Energie und persönlichem Einsatz. 

Die bewunderungswürdigen Highlights der Aufführung sind aber die Judy Garland-Songs, in denen Katharine Mehrling mit frappierender Souveränität und in gänzlicher Identifikation mit der Vorbildfigur brilliert. Dazu gehören so bekannte Titel wie „Puttin’ on the Ritz“, „Chicago“, „Dancing in the Dark“ und „Swanee“. Dabei gelingt es ihr, den Vortragsstil der Garland bis in die Stimmführung so genau zu adaptieren, dass man bisweilen das Original zu hören meint.  Den gefühlvollen Schlußpunkt bildet das sehnsüchtige „Somewhere over the Rainbow“, das auch den Stücktitel lieferte. 

Das Publikum feiert Katharine Mehrling, die übrigen Akteure und die fetzige Band mit frenetischem Applaus.

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Betörend!
  · 01.10.17
In End of the Rainbow verkörpert Katharine Mehrling Judy Garland, die Hollywooddiva, die wohl für immer und ewig vor allem als Dorothy aus The Wizard of Oz bekannt sein wird. Die Schauspielerin und Sängerin steht 1969, am Ende ihrer Karriere, für eine ganze Reihe von Konzerten in London auf der Bühne. Trotz unzähliger Filme, Auszeichnungen, Shows und ausverkaufter Konzerte torkelt die Garland am Rande des Ruins entlang und braucht das Geld, das die allabendlichen Konzerte einbringen sollen, dringend. Ihr Verlobter Mickey Deans (Torben Krämer) möchte sie unterstützen und lenken, er versucht zunächst sogar, sie nüchtern zu halten. Ihr guter Freund und langjähriger Begleiter am Piano, Anthony (Christoph Schobesberger) verehrt sie dagegen beinahe unterwürfig. Er möchte ihr helfen, sie beschützend halten, sie von Stress und Verführungen befreien, während Mickey Deans nicht nur ihr Gesundheit, sondern vor allem auch ihre erfolgreiche Karriere im Auge hat. Natürlich führt das zu Spannungen: Nicht nur zwischen Judy und Mickey, auch zwischen Mickey und Anthony und schließlich sogar zwischen Judy und Anthony knallt es heftig. Immer weiter nähert sich Judy dem Abgrund, je mehr ihre Alkohol- und Tablettensucht in den Vordergrund gerät und es ihr unmöglich macht, jeden Abend vor Publikum aufzutreten.
Katharine Mehrling wirft sich mit voller Wucht und Herz und Seele in die Rolle der tragischen Heldin Judy Garland. Sie spielt sie nicht, sie lebt sie. Zunächst die auf schamlose und ein wenig großspurige Art und Weise charmante Diva, die mit ihrem überlebensgroßen Wesen den gesamten Raum einnimmt und Männer und Frauen gleichermaßen um den Finger wickelt. Und dann die hilflose kleine Dorothy, einsam, krank, von all ihren Ehemännern (fünf an der Zahl) verlassen, abhängig von Aufputschern oder Sedativa, je nachdem, wonach die Situation gerade ruft. Erst noch eine betörende Bühnenpräsenz mit grandioser Stimme, stolpert sie später planlos hin und her, vergisst ihren Text, ihren Einsatz, beschimpft Anthony, verlässt mitten in der Show einfach das Theater.
End of the Rainbow besticht mit einem Stück tragischer Hollywoodgeschichte, dem Schicksal einer Frau, die für ihren Weltruhm den allerhöchsten Preis zahlte und schließlich nur 47 Jahre alt wurde. Gekonnt auf die Bühne gebracht, fesselt und berührt die Darstellung der letzten Monate im Leben der Judy Garland vom ersten Moment an. Und natürlich betört die wunderbare Stimme von Katharine Mehrling, die den zeitlosen schönen Songs, die Judy Garland sang, alle Ehre macht. Ein wunderbarer Theaterabend, den ich nur jedem sehr ans Herz legen kann.
©Nicole Haarhoff - www.berlineransichtssachen.com
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3.5
Durchschnittsnote aller Stücke
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4 11
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1 2
Kritiken: 18