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Bewertung und Kritik zu

EIN GEWISSER CHARLES SPENCER CHAPLIN
von Daniel Colas
Regie: Rüdiger Wandel
Premiere: 14. Oktober 2017 
Schlosspark Theater, Berlin
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Zum Inhalt: Ein schwingendes Stöckchen, ein abgewetzter Anzug, eine Melone auf dem Kopf: In diesem Kostüm begeisterte Charlie Chaplin jahrzehntelang ein Millionenpublikum. Mit untrüglichem Gespür für die Rolle, hartem Arbeitseinsatz und dem Mut, alles auf eine Karte zu setzen, arbeitete sich der Künstler an die Weltspitze vor. 
Doch wer war dieser Charlie Chaplin ohne sein Kostüm? Was dachte, fühlte, tat diese grandiose Persönlichkeit in ihrem Privatleben? Wen liebte dieser Mann, wem vertraute er? Wo war seine Familie? Wie ging der Weltstar mit Schicksalsschlägen um?

mit Wolfgang Bahro, Brigitte Grothum, Elinor Eidt, Karsten Kramer, Oliver Nitsche, Herbert Schöberl, Judith Wegner, Jörg Westphal

Regie: Rüdiger Wandel
Bühne: Jan A. Schroeder
Kostüm: Viola Matthies, Jasper Krafft
Audiovisuelle Medien & Musik: Philippe Roth


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Der Name Charles Spencer Chaplin (1889-1977) ist jedem ein Begriff. Die einen denken bei dem Namen an die großartige Darstellung in „Der große Diktator“, die anderen an die zahlreichen komödienhaften Darstellungen des Stummfilmartisten mit einem schwingenden Stöckchen, einem abgewetzten Anzug und einer Melone auf dem Kopf. Doch nur die Wenigsten kennen die private Seite des berühmtesten Menschen des 20. Jahrhunderts. 
Dem privaten Leben des Ausnahmekünstlers widmete sich der französische Dramaturg und Regisseur Daniel Colas, indem er Chaplins privates Leben von 1914 bis 1975 beleuchtete. Dieter Hallervorden brachte nun diese Geschichte auf die deutsche Bühne ins Schlosspark Theater. 
Am Samstag, den 14. Oktober 2017, war die Premiere, von der ich Euch nun ausführlich berichten werde. 
Der Regisseur Rüdiger Wandel und die Regieassistentin Viktoria Feldhaus konzentrieren sich bei dem Theaterstück auf den Aufstieg des in sehr armen Verhältnissen in England aufgewachsenen Charlie Chaplin, der es in den USA mit seiner komödienhaften Darstellung in diversen Stummfilmen zu einem umjubelten Star brachte, der schließlich seine eigenen Filmstudios gründete.
Auf der Bühne blicken wir aber auch hinter die Fassade der Kultfigur und erleben dabei einen zerbrechlichen und liebenden Mann, der auf eine großartige und authentische Art und Weise von Wolfgang Bahro verkörpert wird.
Wolfgang Bahro spielt nicht nur seit seit 25 Jahren Dr. Jo Gerner in der Serie Gute Zeiten – schlechte Zeiten, sondern ist auch eine Größe auf den Kabarett-Bühnen Berlins. Die Figur des privaten Charlie Chaplin ist ihm in der Inszenierung wie auf den Leib geschnitten. Bahro spielt nicht nur einen gefeierten Star, sondern auch einen liebenden Sohn, der seine kranke Mutter, die er vergöttert, in die USA bringt, um sie hier besser pflegen zu können. 
Neben zahlreichen Frauengeschichten muss sich jedoch Chaplin ständig mit den Veränderungen in der Weltgeschichte auseinandersetzen. Nach dem Ersten Weltkrieg werden seine Filme von den Nationalsozialisten verboten, da man ihn für einen Juden hält und er in seinen Filmen die Nationalsozialisten karikiert. Doch kaum ist diese schwarze Zeit überstanden, steht Chaplin vor einem erneuten politischen und geschichtlichen Problem: Hoover und das FBI halten ihn für einen Kommunisten und wollen ihm mit einer Zensur zum Umdenken zwingen. Sogar vor einem Einreiseverbot in die USA schrecken die selbst ernannten Bolschewisten-Jäger nicht zurück.
Neben der gelungenen Darstellung des Charlie Chaplin durch Bahro überzeugen auch die anderen Darsteller auf der Bühne: Die mehrfach ausgezeichnete TV-Schauspielerin und Theaterdarstellerin Brigitte Grothum agiert sehr vielseitig in ihrer Rolle der Hannah Hill (genannt Lily Harley), der Mutter von Charlie. Mal ist sie die fröhliche und sich sorgende Mutter, mal wird die Figur von einer tiefen Traurigkeit erfasst.
Judith Wegner spielt hervorragend die die dritte – kokette- Frau und Elinor Eidt die vierte – ihrem Mann ergebende – Frau des Charlie Chaplin. Karsten Kramer und Jörg Westphal gelingt es, den loyalen Bruder und den ehrlichen Leiter der Chaplin Studios zu verkörpern. Oliver Nitsche jagt dem Zuschauer in seiner Rolle des besessenen FBI-Gründers Hoover Angst ein. 
Auch die authentischen Kostüme von Viola Matthies und Jasper Krafft und die emotionale Musik von Philippe Roth sorgen dafür, dass wir uns sehr gut in die Zeit 1914 bis 1975 versetzt fühlen können.
Mein Fazit: Ein gewisser Charles Spencer Chaplin ist eine sehr gelungene Inszenierung mit großartigen Darstellern, die einen zum Nachdenken anregt und so aktuell wie nie zuvor ist. Wir erleben nicht nur das konfliktreiche Privatleben des Charlie Chaplin, sondern erkennen auch, was Zensur, Jagd auf Andersdenkende und eine strenge Einwanderungspolitik bewirken können. Intoleranz und Freiheitsberaubung waren auch schon früher ein Teil der Weltgeschichte und wiederholen sich erneut.
© E. Günther (''Mein Event-Tipp'')
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  · 15.10.17
Er war unvergleichlich, eine Ikone des Stummfilms, schließlich auch im Tonfilm erfolgreich. Er kam aus einfachsten Verhältnissen, wurde zum Liebling des Publikums und erhielt am Ende zahllose Ehrungen, darunter 1975 den Ritterschlag von der Hand der britischen Königin Elisabeth II. Er wollte einfach nur ein liberaler Weltbürger sein und polarisierte gleichwohl auch auf der politischen Ebene wie wenige vor ihm. Der französische Schriftsteller Daniel Colas hat aus den Lebensdaten dieses Künstlers eine Szenenfolge für die Bühne zusammengestellt, die vom Hausherrn des Schloßpark-Theaters Dieter Hallervorden ins Deutsche übertragen wurde. Dieses Stück „Ein gewisser Charles Spencer Chaplin“ hatte dort jetzt seine deutschsprachige Erstaufführung. 

Die Bühne des Schloßpark-Theaters hat keine große Tiefe, aber dafür eine gut funktionierende Drehbühne, die in der Inszenierung von Rüdiger Wandel diesmal zum Dreh- und Angelpunkt der Szene wird. Das Bühnenbild von Jan A. Schroeder suggeriert auf engstem Raum wechselnde Spielorte, deren genaue Bezeichnung mit Jahresangabe auf ein Tableau projiziert wird. So lassen sich wichtige Ereignisse und Phasen aus Charlie Chaplins beispiellosem Weg zum Welterfolg einleuchtend aneinanderreihen. 

Anfangs war er ein Niemand. 1889 kam er nach eigenem Bekunden als Kind zweier Varietékünstler in London zur Welt und stand schon in jungen Jahren wie auch sein Halbbruder Sidney in MusicHall-Shows auf der Bühne. Der Impresario Fred Karno bot ihm die Chance einer Amerikatournee, die sehr erfolgreich war und Chaplin den ersten Kontakt zum Filmstudio von Mack Sennet einbrachte. Über die Jahre wuchs die Publikumsresonanz ebenso wie die Honorareinnahmen, und die Erfindung der Figur des „Tramp“ mit abgewetztem Anzug, schäbigen Schuhen und einer Melone auf dem Kopf ebnete ihm den Weg in die Herzen der Kinogänger. Die Drehbücher seiner Filme mischen Kalkül und Gefühl auf instinktsichere Weise. Schliesslich bringt er es zu eigenen Filmstudios in Los Angeles. Meisterwerke wie „Lichter der Großstadt“, „Moderne Zeiten“ und „Der große Diktator“ entstehen.  Aber sein politisches Image bringt ihn in Konflikt mit den puristischen Intentionen der McCarthy-Ära. 1952 wird ihm die Wiedereinreise in die USA verweigert, und er siedelt nach Corsier-sur-Vevey am Genfer See in der Schweiz über. Bei der Verleihung des Ehren-Oscars 1972 spendet ihm das Publikum zwölfminütigen Applaus - ein beispielloses Ereignis in der Geschichte dieser Trophäe. Chaplin starb mit 88 Jahren 1977.

Es ist gewiss nicht ganz einfach, aus der Fülle der Ereignisse im Leben dieses Kult-Künstlers diejenigen Momente herauszupicken, die eine plausible Kontinuität ergeben und auch etwas vom Charakter des Menschen Charlie Chaplin vermitteln. Das geschickte Bühnenbild auf der Drehbühne ermöglicht mit Unterstützung flinker Helfer rasche Szenenwechsel, wobei Musik vom Band aus der Swing-Ära ein passendes Zeit-Feeling vermittelt. Während die Handlung anfangs etwas spröde einsetzt, entwickelt sie sich im weiteren Verlauf zunehmend flüssig und endet mit einem szenischen Geniestreich, der alle Elemente noch einmal zusammenfasst. 

Die Hauptlast der Wiedererweckung des Charlie-Mythos hat Wolfgang Bahro in der Titelrolle zu tragen, und er löst seine Aufgabe bravourös. Er schafft das vor allem dadurch, dass er sich nicht auf die Momente der Charlie-Imitation allein verlässt, sondern eben auch den Menschen Charles Spencer Chaplin vor den Augen der Zuschauer aufleben lässt. Gleichwohl gelingt ihm der Nonsens-Song aus „Moderne Zeiten“ ganz besonders glücklich, weil er hier auch noch Charlies Stimme erstmals erklingen lassen kann, die dem Publikum bis dahin im Stummfilm verborgen geblieben war. 

Eine herausgehobene Stellung im Leben des Vielbewunderten hatten die Frauen. Judith Wegner verkörpert unter anderem Paulette Goddard, die Chaplin 1936 heimlich geheiratet hatte. 1942 wurde diese Ehe wieder geschieden. Dann lernte Chaplin seine spätere Frau Oona O’Neill kennen, die Tochter des renommierten Dramatikers Eugene O’Neill, hier dargestellt von Elinor Eidt. Charlies Mutter Hannah Hill, genannt Lilly Harley, wird mit Hingabe und unter viel Applaus von Brigitte Grothum verkörpert. Chaplins Bruder Sydney, sein kaufmännischer Geschäftsführer, ist Karsten Kramer. Jörg Westphal übernimmt die Rolle von Al Reeves, dem Leiter der Chaplin-Studios. Besonders einprägsam agiert Oliver Nitsche als FBI-Chef J. Edgar Hoover, der in Chaplin einen verkappten Kommunistenfreund und getarnten Juden meint bekämpfen zu müssen. In mehreren Rollen von Jack bis zum Schiffskapitän ist Herbert Schöberl zu sehen, und als Ballett-Tänzerin bringt Viktoria Feldhaus pantomimische Atmosphäre auf die Bühne.

Das Publikum feiert die ausführliche Chaplin-Revue mit viel Applaus, und das gesamte Ensemble wird zum Dank mit Blumensträußen bedacht. 


http://roedigeronline.de
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So also tickte der Mensch Chaplin
  · 19.10.17
Charlie Chaplin ist wohl fast jedem ein Begriff. Mit seinem kurzen Schnurrbart, der eigenwilligen Kleidung, dem schwingenden Stock in der Hand und der Melone auf dem Kopf wurde er nicht nur zu einer Filmikone, sondern war Mitbegründer der Filmgesellschaft United Artists, also der US-amerikanischen Filmindustrie.
Das Privatleben dieses vielseitigen Künstlers ist dagegen weniger bekannt, es wird derzeit im Schlosspark Theater auf die Bühne gebracht. Als deutschsprachige Erstaufführung, Dieter Hallervorden hat das Stück von Daniel Colas aus dem Französischen übersetzt. Der Autor zeigt deutlich, wie Chaplin, der mit seiner Mutter und seinem Halbbruder Sidney als Kind immer wieder in Londons Armenhäusern Zuflucht suchen musste, als autodidaktischer Ausnahmekünstler trotz großen Drucks persönlich und beruflich immer unabhängig geblieben ist.
So steigt das Stück auch im Jahr 1952 ein, als Chaplin, überzeugend gespielt von Wolfgang Bahro, sich weigert, in Paris an einer Pressekonferenz teilzunehmen. Da ist er schon 63 Jahre als und fühlt sich von den Journalisten angefeindet und intriganten Verleumdungen ausgesetzt, nachdem ihm seine Wiedereinreisegenehmigung in die USA wegen seiner angeblichen Nähe zum Bolschewismus verwehrt wurde. Nur seine Ehefrau Oona, dargeboten von Elinor Eidt, kann ihn schließlich doch überzeugen, sich den Fragen zu stellen.
Dann Schnitt, ein großer Sprung, wir befinden uns im Jahr 1914 in den Keystone Studios, mit 25 Jahren bahnt sich Chaplin beruflicher Erfolg an, er bekommt von seinem damaligen Chef bereits die Erlaubnis zum Drehen. Chronologisch wird das Stück weitererzählt, sein beruflicher aber auch privater Werdegang, zum Teil mit schnellen Schnitten und Bruder Sidney fast immer an seiner Seite, gespielt von Karsten Kramer.
Chaplins Mutter wird auch thematisiert. Sie wurde mehrfach in Nervenheilanstalten eingeliefert und für geisteskrank erklärt. Hier wird eine Begegnung mit ihrem Sohn gezeigt, Brigitte Grothum spielt die Mutter mit den in ihrem Wesen wechselhaften Stimmungen.
Der größte Teil seiner beruflichen Laufbahn hat sich in den USA abgespielt, auch wenn der gebürtige Engländer schon früh mit Anfeindungen zu kämpfen hatte. Er vertrat die Ansicht, dass Filmschaffende das Aushängeschild eines Landes seien. Chaplin lag viel an der künstlerischen Freiheit. Er war ein Freigeist, wollte auch nach Ende der Stummfilmära daran festhalten. Mit „Moderne Zeiten“ brachte er 1936 noch einen weiteren Stummfilm erfolgreich in die Kinos, obwohl der Tonfilm bereits fest etabliert war.
Seine Ehen waren nicht sonderlich erfolgreich, bis er Oona O’Neill kennenlernt, die seine vierte Ehefrau wird und mit der acht Kinder bekommt, u.a. Geraldine Chaplin.
Am Ende lebt er in der Schweiz, wo er 1977 mit 88 Jahren auch stirbt.
Schön ist, wie die vielen Widersprüche seines Lebens am Schluss des Stückes noch einmal gesammelt dargeboten werden.
Das Stück gibt viel preis vom Menschen Chaplin, die Schauspieler agieren durchweg überzeugend. Und ganz kurz schlüpft Bahro auch in den Künstler Chaplin, so wie man ihn kennt, und agiert in seinen viel zu großen Hosen und Schuhen.
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