Rent a Friend

Bewertung und Kritik zu

RENT A FRIEND 
von Folke Braband
Premiere: 8. Januar 2022 
Schlosspark Theater, Berlin
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Zum Inhalt: Sarah lebt für ihren Job! Es läuft bei der attraktiven Singlefrau – zumindest auf der beruflichen Seite. Was aber, wenn sich ihr Vater nach langer Abwesenheit mal wieder zum Besuch ankündigt und Sarahs Verlobten kennenlernen möchte – den es blöderweise gar nicht gibt?!

mit Alessija Lause, Caroline Beil, Bürger Lars Dietrich & Torsten Münchow

Regie: Folke Braband
Bühne: Tom Presting
Kostüm: Jakob Knapp


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3 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schein oder nicht sein
  · 10.01.22
Endlich kommt die von Folke Braband geschriebene Komödie "Rent a Friend" auf die Bühne, schließlich sollte die Uraufführung schon vor einem Jahr stattfinden. Aber in diesen Zeiten hat das Wort Planungssicherheit leider eine neue Bedeutung bekommen.
Nun aber war es soweit, das Schlosspark Theater hat seine Türen geöffnet, jetzt auch ohne Zuschauer-Puppen, die zeitweilig sehr kreativ Plätze besetzt haben. Und mit 2G+ war es fast wie früher im Theater, außer, dass die nicht so angenehmen aber unbedingt notwendigen Masken während der gesamten Vorstellung von allen Zuschauern getragen wurden. 
Und Hausherr Dieter Hallervorden hat mit der Auswahl dieses Stückes für seine Bühne einen Glücksgriff getan, wobei dies ja nicht seine erste Zusammenarbeit mit Folke Braband ist, nicht als Autor und nicht als Regisseur, als die sich Braband in dreißig Jahren einen guten Namen als Profi des Boulevard-Theaters gemacht hat, im besten Sinne, Komödie ist nicht einfach.
Mit "Rent a friend" ist ihm eine klassische Screwballkomödie mit hohem Tempo, Wortwitz, sehr viel Situationskomik und gutem Timing gelungen, die mit Klischees und dem einen oder anderen Kalauer spielt und durchweg kurzweilig ist. Und es hat sich sicher als förderlich erwiesen, Braband auch gleich noch mit der Inszenierung zu beauftragen. Dieser hat mit der Auswahl seines namhaften Ensembles in's Schwarze getroffen, auch wenn die Rolle von Big Daddy wegen Krankheit kurzfristig umbesetzt werden musste, was der Sache aber keinerlei Abbruch getan hat.
Der Plot: Für die attraktive und taffe Sarah (Alessija Lause) ist ihr Job in der Immobilienbranche alles. Aber auch ihr Vater Karl (Torsten Münchow) spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben und als der sich nach längerer Zeit mal wieder ankündigt, auch um Sarahs nicht existierenden Verlobten kennenzulernen, steht ein Problem im Raum: Es muss jemand her an Sarahs Seite und da es in unserer heutigen Gesellschaft nichts gibt, das es nicht gibt, ist die Agentur "Rent a Friend" Retter in der Not, verspricht sie doch Familienmitglieder in allen Lebenslagen und für Sarah einen Verlobten alias George Cloonay, unter dem geht's natürlich nicht. Nur schade, dass wegen einer Verwechslung Gabriel (Bürger Lars Dietrich) vor der Tür von Sarahs stylischer Wohnung steht (Bühne: Tom Presting), sehr jung und im Skater-Look. Eine halbe Stunde ist noch Zeit, bis Big Daddy einreitet, diese Zeit muss reichen, um aus ihm den veritablen, erfahrenen und 20 Jahre älteren Schönheitschirurgen Mark zu machen. Und ab hier liegt wohl auf der Hand, wie es weitergeht, wenn Big Daddy, begleitet von seiner viel zu jungen dritten Ehefrau Juanita (Caroline Beil) pünklich vor der Tür steht und alle Akteure sich gegenseitig mehr oder weniger streng unter die Lupe nehmen.
Alessija Lause spielt ihre Rolle herrlich geschäftig, Bürger Lars Dietrich tappt höchst komisch in fast jedes Fettnäpfchen, ein Big Daddy könnte nicht glaubwürdiger daher kommen und Caroline Beil spielt und quiekt herrlich spanisch als ehemalige karibische Schönheitskönigin.
Aber es ist längst nicht alles wie es scheint, nach der Pause nimmt das Stück eine interessante Wendung und spätestens hier wird klar, dass Braband nicht nur eine höchstkomische Komödie gelungen ist, er widmet sich auch dem Thema der Selbstoptimierung, um anders zu scheinen als man ist und stellt die Frage in den Raum, warum es so schwer sein kann, Schwächen und Niederlagen einzugestehen.
Das Publikum ist schwer begeistert und holt das Ensemble mit einem nicht enden wollenden Schlussapplaus immer wieder zurück auf die Bühne, bevor sich irgendwann der Vorhang schließt. Bleibt zu hoffen, dass es noch oft zur Aufführung kommen wird, "Rent a friend" hat unbedingt Potenzial!
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