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Bewertung und Kritik zu

EINFACH TIERISCH (NELSON)
von Jean Robert-Charrier
Regie: Thomas Schendel
Premiere: 22. Oktober 2016 
Schlosspark Theater Berlin

Jacqueline von Klickel ist Staranwältin. Sie liebt Luxus, Geld und auch ihre Familie, zumindest dann, wenn sie Zeit für sie hat.
Ihre 25jährige Tochter Christine studiert Soziologie und träumt davon, bei der humanitären Hilfsorganisation in Afrika zu arbeiten, die die Eltern des Freundes der Familie, Rudolf Fischer, leiten. Und so bittet sie ihre Mutter, die Familie Fischer zum Essen einzuladen. Aber es gibt ein Problem: Die Eltern Rudolfs stehen Jacquelines Ansichten diametral gegenüber. Sie sind Umweltschützer, Tierschützer und Veganer. Wenn sie einen Pelz sehen, werden sie aggressiv und Gänseleberpastete lässt sie nahezu explodieren. Jacqueline dagegen liebt Pelze, sie liebt Fleisch und natürlich all das, was in den Augen der Fischers ein No-Go ist. 

mit Marion Kracht, Anne Rathsfeld, Teresa Schergaut, Jonathan Kutzner, Marc Laade, Oliver Nitsche & Mario Ramos

Regie: Thomas Schendel
Bühne & Kostüm: Daria Kornysheva


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Nelson
  · 24.10.16
Es steht wieder eine Komödie auf dem Spielplan des Schlosspark Theaters, sie kommt aus Frankreich und ist thematisch nicht ganz unaktuell. Schließlich ist eine vegane Lebensweise längst hoffähig geworden. Dieter Hallervorden hat sich erneut an die Übersetzung gemacht, so dass die Premiere von „Einfach tierisch“ am 22. Oktober gleichzeitig auch eine deutschsprachige Erstaufführung ist. Und man hätte ihr gut und gern den interessanteren Originaltitel „Nelson“ von Autor Jean Robert-Charrier lassen können, denn das Zwergkaninchen, Titelgeber, übernimmt schließlich eine nicht zu vernachlässigende Rolle in diesem Boulevardstück, das übrigens in Berlin spielt.

Der Abend beginnt mit viel Schmackes: Hausherr Gerhard von Klickel bedient sich Opernstoffes, schmettert inbrünstig den Einzug in die Stierarena aus Carmen. Und lässt den Zuschauer damit keinen Zweifel daran hegen, dass an ihm ein großer Künstler verloren gegangen sein muss, übrigens in einem Ambiente von Jagdtrophäen, Tigerfell und ähnlichen Einrichtungsgegenständen. Als Tochter Christine ihn um ein Gespräch bittet, rauscht Gattin und Staranwältin Jaqueline heran, im Schlepptau ihr grenzdebiler Sohn Hans-Dieter. Schnell wird klar, dass sie über Leichen geht, skrupellos agiert, ihr nicht einmal der Vorname ihrer Tochter sicher über die Lippen kommt, somit also eine Steilvorlage für all das abgibt, was nun folgen wird. Christine bittet ihre Eltern nämlich um ein Abendessen, von deren Ausgang sie sich die Arbeit bei einer humanitären Hilfsorganisation erhofft, die von den Eltern ihres Freundes Rudolf Fischer geleitet wird. Einziger Haken: Die Eltern sind Umwelt- und Tierschützer, vor allen Dingen aber Veganer. Die beste Voraussetzung also für zahlreiche Fettnäpfchen und Peinlichkeiten, die sich durch den restlichen Plot ziehen werden.

Marion Kracht, im wirklichen Leben echte Vegetarierin, macht ihre Rolle sichtlich Spaß, sie spielt ihre Jaqueline konsequent resolut und um keine Ausrede verlegen, konterkariert von ihrem Ehemann, der von Mario Rames nicht minder engagiert herrlich exaltiert dargestellt wird. Teresa Schergaut als Tochter mimt die einzig neurosenfreie Person dieser Familie, kommt dabei angenehm bodenständig daher. Die (vermeintlich) vegan lebenden Gäste agieren da schon eine ganze Runde zurückhaltender, zumindest zu Beginn des Stücks. Jonathan Kutzner als Sohn Rudolf überzeugt mit seinem pointierten Spiel, Vater Oliver Nitsche, ein alter Bekannter im Schlosspark Theater, erscheint nicht nur äußerlich erfolgreich skurril mit seinen roten Zauselhaaren und dem eng anliegenden quietschgelben Rollkragenpullover. Anne Rathsfeld als lustfeindliche Gattin - Klischees werden hier gern bedient - übertreibt ihr Spiel leider, weniger wäre mehr, Thomas Schendel hat sich der Inszenierung angenommen. Und witzige Ideen auf die Bühne gebracht. Schließlich hat auch Dieter Hallervorden einen Auftritt, wenn auch nur akustisch. Und am Ende siegen die Fleischesser, so viel sei verraten ...
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