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Bewertung und Kritik zu

DIE KLEINBÜRGERHOCHZEIT
von Bertolt Brecht
Regie: Philip Tiedemann 
Premiere 20. Februar 2018 
Schlosspark Theater Berlin
Eine Produktion des Berliner Ensembles (Premiere 18. November 2000) 

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Die KleinbürgerhochzeitZum Inhalt: Brechts früher Einakter schildert die Hochzeitsfeier eines kleinbürgerlichen Paares als Farce, in der vom Mobiliar bis hin zum Idyll spießbürgerlicher Moral trotz bestem Bemühen alles zerbricht. Alles dreht sich um einen nervenden Brautvater, einen eifersüchtigen Bräutigam, eine schwangere Braut und ihre unbeirrt aneinander vorbeiredende Festgesellschaft. Als die Feier aus dem Ruder läuft, verlassen mehr und mehr Gäste das Festmahl – zerstört ist zum Schluss nicht nur der gute Ruf des Brautpaares, sondern auch die scheinbar heile Welt des Spießbürgertums.
„Die Kleinbürgerhochzeit“ ist Brechts berühmtester Einakter, geschrieben 1919 und uraufgeführt 1926 in Frankfurt – eine turbulent grelle Farce über die „Orgie der Hohlheit, der Langeweile, der Öde und der Vereinzelung“ (Brecht), die das Leben nicht nur diesem Paar beschert. Eine böse und hoch unterhaltsame Komödie voll klugem Wortwitz. Brechts frühes Stück atmet den Geist seines Jugendfreundes Karl Valentin.

mit Carmen-Maja Antoni, Charlotte Müller, Krista Birkner, Anke Engelsmann, Winfried Peter Goos, Boris Jacoby, Michael Rothmann, Martin Seifert & Jörg Thieme

Inszenierung: Philip Tiedemann
Bühne: Etienne Pluss
Kostüme: Franz Lehr
Musikalische Mitarbeit: Henrik Kairies
Dramaturgie: Hermann Beil

Dauer: 1 h 30 Minuten (ohne Pause)


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Kleinbürger feiern Anarchie
  · 22.02.18
Brecht war mit 21 Jahren noch sehr jung, als er „Die Hochzeit“ schrieb, was wohl die Leichtigkeit dieses Einakters erklärt, verglichen mit den Inhalten späterer Werke.
Uraufgeführt 1926 in Frankfurt hat sich Philipp Tiedemann in Berlin für das Berliner Ensemble des Stoffes angenommen, wo es im Jahr 2000 Premiere hatte und nun als Wiederaufführung im Schlosspark Theater noch einmal Asyl gefunden hat.
Was untertrieben ist, denn es wäre schade gewesen, würde das Stück, vor allem aber Tiedemanns Inszenierung, in der Versenkung verschwunden sein. Insofern war gut, dass Hallervorden mit Peymanns Zustimmung das fast originale Ensemble an sein Haus geholt hat, nur die Braut und ihr Vater sind neu besetzt.

Regie und Bühnenbild bedingen sich in dieser Produktion gegenseitig, denn fast jedes Detail der Aktion eines jeden Schauspielers ist an das Bühnenbild von Etienne Pluss gebunden, das wie eine kleine Schifferklause anmutet mit seinen dunkelbraunen Wandpaneelen, und aus einer langen Tafel besteht, an der die Schauspieler nebeneinander am Tisch aufgereiht dem Publikum entgegen sitzen. Und es ist allem voran die unglaubliche Enge, in der sich die Hochzeitsgesellschaft geradezu aneinander vorbei winden oder übereinander steigen muss, um den Platz zu wechseln oder einfach nur den Raum nach hinten zu verlassen, allein dieser Umstand sorgt immer wieder für Komik, nichts wird dem Zufall überlassen, jede Regung ist sorgfältig inszeniert. Dank der maroden Möbel, vom Bräutigam selbst gezimmert, landen einzelne Gäste zeitweilig auch mal unter dem Tisch, später in der Wandverkleidung, aber bis es dazu kommt, passiert noch einiges.

„Die Kleinbürgerhochzeit“, von Brecht nachträglich in solche umbenannt, wird von ihm als eine Orgie der Hohlheit, der Langeweile, der Öde und der Vereinzelung beschrieben. Und Tiedemann gibt sich den vielen kleinen verbalen Spitzen detailverliebt hin, untermalt sie mit zahlreichen kleinen Aktionen, während der Kabeljau serviert wird, die Sahne mehrfach von links nach rechts und umgekehrt gereicht wird oder man sich gegenseitig zwischen die Beine fasst, während der Brautvater ein um´s andere Mal versucht, die Gäste mit einer mehr oder weniger geschmacklosen Geschichte zu beglücken, es ist fast unmöglich, alles gleichzeitig zu erfassen. Denn es wird auch noch hinter diesem geschlossenen Raum gespielt, von dem eine Treppe nach hinten auf den eigentlichen Bühnenboden führt, ja, die eigentliche Spielfläche ist ungefähr einen Meter hoch gesetzt, sodass das ganze Gebilde, wenn alle synchron ihre Suppe löffeln, auch mal wie eine Hollywoodschaukel wippen kann.
Das Treiben hinter der Bühne ist aber auch immer wieder einen Blick wert, auch wenn man die Darsteller nur bis zu den Oberschenkeln sehen kann, oder vielleicht gerade deshalb? Schließlich kann in diesem Bereich auch so einiges passieren.

Und so, wie die Schauspieler sich aneinander vorbei quetschen, wird auch aneinander vorbei geredet, keiner nimmt wirklich Bezug auf das Gesagte des anderen bzw. geht man auch mal härter miteinander in´s Gericht. Das Ensemble, als schrille Karikaturen inszeniert, spielt diese sich aneinanderreihenden Absurditäten durchgehend mit viel Verve oder auch mal einem eingefrorenen Lächeln, Gründe genug gibt es, schließlich wird zunehmend der gute Ruf des Brautpaares zerstört, der schönste Tag des Lebens endet in einer Farce.

Nach der Pause eskaliert das Ganze, die Gäste verlassen das sinkende Schiff und sinnbildlich für die nicht vorhandenen Beziehungen geht dann auch das Bühnenbild zunehmend zu Bruch, das Mobiliar nebst Wänden löst sich fast vollends auf, es herrscht absolute Anarchie. Und am Ende verhallen die Worte des Hochzeitspaares nur noch … Wer sich schräg unterhalten lassen möchte, ist hier genau richtig.
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Idylle im Zerrspiegel
  · 21.02.18
Ursprünglich hiess  das Stück, das der 21jährige Student Bertolt Brecht schrieb, einfach „Die Hochzeit“, und es hat vor allem den vordergründigen Reiz eines gelungenen Bühnenjuxes, wobei der scheinheiligen Idylle der Bürgerlichkeit ein Zerrspiegel vorgehalten wird. Von der Lehrhaftigkeit späterer Brecht-Stücke und ihrer Stilisierung als „Episches Theater“ ist hier noch nichts zu spüren. Die Uraufführung fand 1926 in Frankfurt am Main statt. 

Im Berliner Schloßpark Theater hat nun eine Inszenierung von Philip Tiedemann Asyl gefunden, die aus der Zeit von Intendant Claus Peymann am Berliner Ensemble stammt. Im derzeitigen Spielplan des Theaters am Schiffbauerdamm hatte diese Aufführung keinen Platz mehr gefunden, ließ sich aber mit der Zustimmung von Claus Peymann und Schloßpark-Theaterchef Dieter Hallervorden dorthin transferieren. Durch diese ungewöhnliche Revitalisierung bleibt eine  Aufführung greifbar, die sonst aus der aktuellen Berliner Theaterszene verschwunden wäre. 

Leider kann man bei näherer Betrachtung dieses Theaterabends nicht ohne Einschränkung sagen, dass sich die Transplantation tatsächlich gelohnt hätte. Dabei präsentiert die Bühne von Etienne Pluss zunächst eine originelle szenische Lösung für die Hochzeitsgesellschaft: Eine lange, quergestellte Tafel in einem Raum, der in seiner drangvoll fürchterlichen Enge mehr an eine Dachkammer als an einen Festsaal denken läßt. Im weiteren Verlauf wird der pfiffige Trick an dieser Lösung offenbar: die Hochzeitstafel nimmt nur die obere Hälfte des Bühnenraums ein, während darunter und dahinter die Beine von Personen zu sehen sind, die gerade die Szene verlassen haben und stattdessen allerlei Allotria treiben. Wenn sich der Vorhang öffnet, erscheint ein weiterer Vorhang: die Abbildung von Picassos Friedenstaube als Reminiszenz an das verflossene Berliner Ensemble. Folgerichtig begleiten Musikfetzen aus „La Paloma“ karikierend die gesamte Aufführung. 

Was sich aber als Nachteil erweist, ist das Regiekonzept von Philip Tiedemann aus dem Jahre 2000, das den studentischen Einakter von Brecht, von Hause aus eher ein Leichtgewicht zwischen Farce und Groteske, zu einer (mit Pause ) zweistündigen Handlung zerdehnt, in die Brechts Textelemente nur eingestreut werden. Was eigentlich eine zügig sich steigernde Parodie auf die bürgerliche Idylle sein sollte, verbreitet nun unterwegs streckenweise einfach nur Ödnis. 

Dabei sind die schauspielerischen Leistungen auf dem Weg in die Bankrotterklärung durchaus ansehnlich. In Erinnerung bleibt, wie Carmen-Maja Antoni als Mutter der Braut den Kabeljau präsentiert und später als ein Häufchen Elend unter dem Tisch landet. In der Rolle der bereits schwangeren Braut artikuliert Charlotte Müller beredt die Zerknirschung über die mißglückte Hochzeitsfeier. Ihre Schwester mit blondem Bubikopf ist Anke Engelsmann. Pointierte, präzise artikulierte Kommentare und ein ansteckendes Lachen liefert Krista Birkner als „die Frau“. Die Riege der männlichen Tischgäste führt Martin Seifert als Vater der Braut an, der die gesamte Korona mit seinen allseits bekannten Geschichten mehr quält als unterhält. Den Bräutigam, der alle Möbel selbst geformt und mit einem stinkenden Leim zusammengefügt hat, gibt Boris Jacoby. Sein Freund ist Winfried Peter Goos, und dann gibt es da noch den Mann der Frau, gespielt von Michael Rothmann, sowie einen jungen Mann in Gestalt von Jörg Thieme. 

Das Premierenpublikum sah allerdings seine Erwartungen erfüllt und spendete reichlichen Applaus. Für das Ensemble gab es Blumensträuße aus der Hand des Intendanten Dieter Hallervorden. 

http://roedigeronline.de
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