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    Inflammation du verbe vivre



    Bewertung und Kritik zu

    INFLAMMATION DU VERBE VIVRE 
    von Wajdi Mouawad
    Regie: Wajdi Mouawad 
    Berlin-Premiere: 11. April 2018 (FIND)
    Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin

    Zum Inhalt: Mit seinem Solo »Inflammation du verbe vivre« kehrt der kanadisch-libanesische Autor, Regisseur und Schauspieler Wajdi Mouawad zu einer der wichtigsten Wurzeln seines künstlerischen Schaffens zurück, der griechischen Antike, zu Philoktet. Mouawad steht selbst als fiktives Alter Ego Wahid, Autor und Regisseur mittleren Alters, auf der Bühne seiner Inszenierung, die ursprünglich als Adaption von Sophokles »Philoktet« geplant war. Doch der Tod seines Freundes, des Sophokles-Übersetzers Robert Davreu, der für die Inszenierung eine neue Übersetzung anfertigen sollte, konfrontiert ihn plötzlich mit einer unerwartet heftigen Trauer, Lethargie und künstlerischen Leere. Wahid bricht die Proben ab und begibt sich mit dem Taxi durch das gegenwärtige Athen auf die Suche nach einem Thema für sein Stück und nach seinem verstorbenen Freund. Bei dieser Reise, die ein Abstieg wie der von Orpheus ins Zwischenreich zwischen Leben und Tod ist, findet er immer wieder Spuren des Philoktet von Sophokles. In einer ständig zwischen filmischer Phantasmagorie und der eigenen physischen Präsenz als Schauspieler changierenden Zwischenwelt forscht Mouawad nach den Aussätzigen und Verdrängten der Gegenwart. Er findet die Tragödie eines Landes vor. Griechenland zeigt sich ihm als von Zerstörung, Schuldenkrise und EU-Spardiktat gezeichnet. Er trifft auf Jugendliche, die sich aus Hoffnungslosigkeit in Athens Nachtleben betäuben und das Leben nehmen. Die Fahrt in das Totenreich wird für ihn zu einer Reise der Erinnerung, in der die zum Verschwinden Gebrachten sich für einen kurzen Moment neu in das kollektive Gedächtnis einschreiben – und so auch das politisch verantwortete Unrecht im Griechenland der heutigen Tage eindrücklich zutage treten lassen.

    Mit: Wajdi Mouawad, Dimitris Kranias

    Text und Regie: Wajdi Mouawad
    Bühne: Emmanuel Clolus
    Musikalische Einrichtung: Michel Maurer
    Video: Wajdi Mouawad
    Videoassistenz: Dominique Daviet
    Dramaturgie: Charlotte Farcet
    Bild, Ton und Schnitt: Wajdi Mouawad
    Licht: Sébastien Pirmet
    Kostüme: Emmanuelle Thomas
    Fixing: Adéa Guillot, Ilia Papaspyrou
    Bildassistent: Vassilis Doganis


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    Düstere Reise ins krisengeschüttelte Griechenland
    4 years ago
    Kritik
    Eine düstere Reise unternimmt der kanadisch-libanesische Regisseur Wajdi Mouwad in seinem Stück „Inflammation du verbe vivre“, das er 2016 an seinem Théâtre national de la Colline in Paris produzierte. Ausgangspunkt ist eine doppelte Krise: er bekommt das „Philoktet“-Drama des Sophokles nicht zu fassen, das er neu inszenieren möchte. Außerdem trauert er um seinen Freund Robert Davreau, der die Tragödie neu übersetzen sollte und kurz zuvor gestorben ist. Seine Assoziationen führen ihn nach Athen auf dem Höhepunkt der Euro-Krise. Plakativ werden verzweifelte Jugendliche eingespielt, die sich entweder ins Nachtleben oder in den Suizid stürzen. Die Bilder aus dem krisenhaften Athen werden mit Motiven wie dem Hades aus der griechischen Mythologie collagiert. Das Regiekonzept von Wajdi Mouwads mehr als zweistündigem Abend ist so verkopft wie anstrengend. Ästhetisch bemerkenswert ist jedoch, wie Mouawad immer wieder aus dem Film, der an die Rückwand projiziert wird, aussteigt und live auf der Bühne mit dem Filmmaterial interagiert. Weiterlesen
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