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Bewertung und Kritik zu

DIE WIEDERHOLUNG
von Milo Rau & Ensemble
Regie: Milo Rau 
Premiere: 1. September 2018 
Schaubühne am Lehniner Platz

Zum Inhalt: In einer Nacht im April 2012 spricht Ihsane Jarfi an einer Straßenecke von Liège vor einer Schwulenbar mit einer Gruppe junger Männer in einem grauen VW Polo. Zwei Wochen später findet man ihn tot am Rand eines Waldes in der Umgebung. Er wurde stundenlang gefoltert und brutal ermordet. Das Verbrechen erschüttert und verstört die ganze Stadt, die durch hohe Arbeitslosigkeit nach Schließung vieler Industriebetriebe und soziale Spannungen geprägt ist. Was steht am Anfang eines Verbrechens? Absicht oder Zufall? Welche Rolle spielt das Publikum? Welche Schuld trägt das Kollektiv? Lässt sich ein Verbrechen überhaupt rekonstruieren? Und wer steht dabei auf der Bühne? Gemeinsam mit den vier Schauspieler_innen Sara De Bosschere, Sébastien Foucault, Johan Leysen und Tom Adjibi sowie dem Lageristen Fabian Leenders und der Hundesitterin Suzy Cocco begibt er sich auf die Spur eines Kapitalverbrechens und sucht nach den grundlegenden Emotionen einer tragischen Erfahrung: Verlust und Trauer, Lüge und Wahrheit, Unheil und Furcht, Grausamkeit und Schrecken. Sie sinnieren über den Glanz und die Abgründe von Leben und Theater und schlüpfen in die Rollen der Hauptfiguren eines brutalen Mordfalls: Es entsteht ein Manifest für ein demokratisches Theater des Realen, eine Annäherung an das Tragische in Form eines allegorischen Kriminalspiels.

Mit: Tom Adjibi, Suzy Cocco, Sara de Bosschere, Sébastien Foucault, Fabian Leenders, Johan Leysen

Konzept und Regie: Milo Rau
Bühne und Kostüme: Anton Lukas
Video: Maxime Jennes, Dimitri Petrovic
Recherche und Dramaturgie: Eva-Maria Bertschy
Dramaturgische Mitarbeit: Stefan Bläske, Carmen Hornbostel
Licht: Jurgen Kolb
Sounddesign: Jens Baudisch
Kamera: Maxime Jennes, Moritz von Dungern
Produktion: Mascha Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann


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Seltsame Gewichtung
  · 03.09.18
''Nach allem weitschweifigen Metatheater steht zuletzt die hollywoodeske Feier der Grausamkeit. Hier zieht Rau alle Affekt- und Effekt-Register. Ein grauer Polo wird auf die Bühne gerollt, die Gesichter der drei finsteren Typen auf den Sitzen werden in Close-Ups auf die Leinwand geworfen, Regen plätschert, minutenlang wird das Opfer brutal zusammengeschlagen, Blut fließt, auf das Opfer wird uriniert. Das ist heftig und wirkungsstark, das Publikum starrt gebannt auf die Bühne. Doch ist es pure Show, Kino, wir bleiben Voyeure der Gewalt, die der Regisseur zelebriert – auch wenn er die Mittel dieses Exzesses vorher offen gelegt hat.

Ishanes Leben, das Leben des Opfers, ist dagegen nicht aufgefächert worden – nichts wissen wir von ihm, außer seiner sexuellen Orientierung. Ausgerechnet er bleibt gesichtslos. Eine seltsame Gewichtung.

Auch in Thomas Ostermeiers letzter Arbeit an der Schaubühne "Im Herzen der Gewalt" stand die Rekonstruktion eines Verbrechens im Zentrum. Doch bei Ostermeier ist die Frage nach der Darstellbarkeit von Gewalt ganz in der Geschichte aufgehoben. Milo Rau verhandelt sie seminaristisch und hantiert  mit gigantischem theoretischen Überbau. Diesmal sieht er seine Arbeit gar im Geiste von Jean-Luc Godards "Histoire(s) du cinema". Auf der Bühne bleiben die Dutzenden Fragen nach Theater, Spiel, Realität aber nebulös.'' Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Metatheater-Seminar und akribisches Reenactment eines homophoben Mordes
  · 01.09.18
"Mist, alstublieft!“, ruft Johan Leysen auf Niederländisch. Schon wallt der Kunstnebel über die Bühne, das richtige Ambiente für seinen tragischen Hamlet-„Monolog“. Kurz vor Schluss darf der Bühnenmeister noch mal ran. Profi-Schauspieler Tom Adjibi und sein Laien-Kollege, der Gabelstablerfahrer Fabian Leenders, drehen zu erlesenen Barock-Klängen („The Cold Song“, Henry Purcell) einige Runden. Klassisches Einfühlungs- und Wohlfühl-Theater, das dem bildungsbürgerlichen Abo-Publikum das Herz wärmt.

Aber Vorsicht, wir sind hier bei Milo Rau, dem für seine akribischen Reenactments bekannten Theater-Theoretiker. Über die längste Zeit ist sein 105 Minuten langer, getreu dem klassischen griechischen Tragödien-Prinzip in fünf Akte gegliederter Abend ein recht blutleeres Metatheater. Wie tritt man auf, wie tritt man ab? Wie nähert man sich einer Figur? Wie findet man beim Casting die richtigen Schauspieler? Was müssen die Laien, die nach Raus selbst verfasstem „Genter Manifest“ zwingend zu einer Produktion seines Hauses dazugehören, mitbringen? Wie lässt sich ein brutaler Mord darstellen? All diese Fragen, die sich das Team vor und während der Proben sonst nur hinter den Kulissen stellt, werden hier ausführlich seziert und dem Publikum demonstrativ vor Augen geführt.

Minutenlang wird der Mord in all seinen Vorstufen ausgestellt: „So wie Hollywood die Gewalt, den Exzess als Belohnung für dialogstarke, handlungsarme Szenen offeriert und den Zuschauer mit Blut für seine Geduld entschädigt, so macht es auch Rau. Zwar „problematisiert“ er diese Ästhetik, aber er feiert sie auch, er badet in ihr“, brachte Peter Kümmel in seiner ZEIT-Rezension von der Brüsseler Uraufführung das Zwiespältige an Raus Arbeitsansatz auf den Punkt.

Der fünfte Akt ist Sara de Bosschere vorbehalten, auch sie eine feste Größe in Milo Raus Arbeiten. Sie darf einen theatertheoretischen Text der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska sprechen, die über das Wesen der unterschiedlichen Akte reflektierte, und erinnert uns daran: Wir sind nicht hier, um wie im Kino einen Thriller zu konsumieren, sondern im Meta-Theater-Seminar „Die Wiederholung“, erster Teil der auf mehrere Akte angelegten Reihe „Histoire(s) du théâtre“.

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