König Lear

Bewertung und Kritik zu

KÖNIG LEAR 
von William Shakespeare
Regie: Guntbert Warns 
Premiere: 6. Juni 2021 
Renaissance Theater, Berlin 

Zum Inhalt: Was wie ein Märchen beginnt, endet als Familientragödie mit politscher Tragweite. Der alte König Lear möchte auf dem Höhepunkt seiner Herrschaft die Früchte seines Lebens genießen. Die Amtsgeschäfte und damit Land und Macht sollen zu gleichen Teilen den drei Töchtern anvertraut werden. Die einzige Bedingung an den Nachwuchs ist der Beweis der unbedingten Hingabe an den Vater. Dass dieser Nachweis nur im Wort erfüllt werden muss, macht die ganze Angelegenheit zur Formalität und die Liebeserklärungen werden zu Unterwerfungsgesten. Die Tochter, die sich dieser Willkür des Vaters nicht beugen kann, weil sie die höfische Charade als politisches Diktat durchschaut, wird ins Ausland verbannt.
Was darauf folgt, ist der Zerfall der Familie und des ganzen Landes. Kaum ist die Übergabe der Macht vollzogen fallen die leicht dahergesagten Liebesschwüre der zwei folgsamen Schwestern in sich zusammen. Die so entfesselte Gewalt führt zu einem rauschhaften Ausbruch, in dessen scheinbar chaotischer Entladung sich die brutale Folgerichtigkeit totalitären Handelns zeigt. Der ohnmächtige König, überrascht von der Grausamkeit seiner Kinder, wird zum Spielball der politischen und dann der natürlichen Elemente. In diesem Strudel werden die Gefährdungen des Lebens sinnlich greifbar.

mit Jacqueline Macaulay, Felix von Manteuffel, Matthias Mosbach, Michael Rotschopf, Martin Schneider, Klaus Christian Schreiber, Catrin Striebeck, Katharina Thalbach, Moritz Carl Winklmayr

Regie: Guntbert Warns
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüme: Wicke Naujoks
Musik: Harry Ermer


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Blutrünstiges, zynisches Matriarchat
  · 07.06.21
Im Zentrum des Stücks steht weniger die Karikatur eines alten, weißen Mannes, den in der Berliner Inszenierung Felix von Manteuffel spielt, sondern ein mit strenger Hand und grausamer Brutalität regierendes Matriarchat. Hier setzte Warns gegenüber der Münchner Inszenierung von Stefan Pucher einen deutlich anderen Akzent: An den Kammerspielen waren Gro Swantje Kolhoff und Julia Windischbauer als Regan und Goneril ein aufgekratztes, rappendes Girlie-Duo. Ihre machtgeile Blutrünstigkeit wurde am Anfang durch die Aufbruchsstimmung nach dem Sturz des Patriarchats überdeckt. In Berlin lassen Catrin Striebeck und Jaqueline Macaulay keinen Zweifel, aus welchem Holz sie geschnitzt sind: sie sind genauso gierig und korrupt wie all die Exemplare toxischer Männlichkeit, die sie ablösen wollen. Sie kämpfen mit denselben Mitteln, ihr Gesichtsausdruck ist verbittert. Alles, was sie sagen, klingt harsch und zynisch.

Der Fokus der Inszenierung auf diese beiden Frauen, die im Partnerlook auftreten, sorgt dafür, dass andere prominente Gäste an diesem Abend nur eine Nebenrolle spielen: Katharina Thalbach" rel="nofollow" >Publikumsliebling Katharina Thalbach hat als Cordelia nur wenig Bühnen-Präsenz und auch Matthias Mosbach, Claus Peymanns Berliner Ensemble eine Urgewalt war" rel="nofollow" >der als „Baal“ an Claus Peymanns Berliner Ensemble eine Urgewalt war, wird von den beiden Herrscherinnen als Diener und Lustknabe schnell domestiziert.

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