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Bewertung und Kritik zu

SPATZ UND ENGEL
von Daniel Große Boymann und Thomas Kahry
Regie: Torsten Fischer 
Premiere: 2. Juni 2019 
Renaissance Theater, Berlin 

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Zum Inhalt: Die Eine stammt aus einer preußischen Offiziersfamilie, die Andere ist das Kind eines Zirkusakrobaten und einer Straßensängerin. Die Eine wächst im Internat in Weimar auf, die Andere in einem Bordell in der Normandie. 
Die Eine wechselt ihre Männer wie ihre Garderobe, die Andere träumt stets von der großen Liebe. Die Eine stirbt mit 91, ist der größte Star, den Deutschland je hervorgebracht hat. Die Andere wird 47, als sie stirbt, fällt Frankreich in Staatstrauer, 40 000 Menschen folgen ihrem Sarg.
Edith Piaf, der "Spatz von Paris" und Marlene Dietrich, der "blaue Engel", begegnen sich 1948 in New York. Beide Diven verbindet fortan eine intensive Freundschaft, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet bleibt. Vom ersten Kennenlernen bis zu Piafs verfrühtem Tod und Marlenes Rückzug in ihre Pariser Wohnung verbindet SPATZ UND ENGEL die Geschichte diese beiden Weltstars mit deren unvergesslichen Chansons, darunter: „La vie en rose“, „Frag nicht, warum ich gehe“„Milord“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ oder „Non, je ne regrette rien“.

mit Anika Mauer, Vasiliki Roussi, Ralph Morgenstern, Guntbert Warns, Harry Ermer (Klavier), Eugen Schwabauer (Akkordeon)

Regie: Torsten Fischer
Ausstattung: Herbert Schäfer, Vasilis Triantafillopoulos
Musikalische Leitung: Harry Ermer

TRAILER


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4 von 4 Personen fanden die Kritik hilfreich
Das Gossenkind und die kühle Blonde
  · 05.06.19
Im November 1949 starb der französische Boxer Marcel Cerdan bei einem Flugzeugabsturz. Weltmeistertitel im Mittelgewicht 1948 und 1949, im gleichen Jahr zum französischen Sportler des Jahres gekürt: er war auf der Höhe seiner Karriere, als er, nur 33 Jahre alt, so plötzlich verstarb. Und nun, siebzig Jahre später, im Renaissance Theater Berlin, hat mich sein Tod noch einmal so richtig erschüttert. Oder vielleicht eher die Reaktion der Piaf auf seinen Tod, denn Edith Piaf, der Spatz von Paris, war damals seine Freundin. Und sie war es auch gewesen, die ihn drängte ins Flugzeug zu steigen, statt die längere Schifffahrt zu unternehmen. So sehr sehnte sie sich nach ihm, nach ihrer großen Liebe. Als sie die Nachricht von seinem Unfalltod bekam, brach sie zusammen. Aber am selben Abend stand sie dann schon wieder auf der Bühne. Sie konnte nicht anders. Aber sie sang nur für ihn.
Wenn Vasiliki Roussi diese Szene auf der Bühne des Renaissance Theaters spielt, wenn sie für ihren Geliebten singt, ihre Stimme dabei bricht und ihre sehnsüchtigen Augen glasig von Tränen werden... dann kann man für einen kurzen Moment das gebrochene Herz der Piaf erahnen und schmerzlich miterleben.
Ein erschütternder, ein gewaltiger Abend, den man da seit Montag im Renaissance Theater Berlin erleben kann. "Spatz und Engel", die Geschichte der Freundschaft zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich. Zwei große Diven wie es sie heute gar nicht mehr gibt. Das Gossenkind und die kühle Blonde. Als sie sich kennenlernen, lebt die Dietrich in den USA im Exil, sie ist standhafte Nazigegnerin. Die Piaf ist in Amerika auf Tournee, hat allerdings noch nicht den erhofften Erfolg. Marlene greift ihr unter die Arme. Nutzt ihre eigene Bekanntheit, um Edith Piaf auch außerhalb Frankreichs berühmt zu machen. Und ist daher auch hautnah dabei, als Edith Marcel kennen und lieben lernt und auch, als sie ihn dann so tragisch verliert.
Zeit ihres Lebens wird Marlene Edith lieben. Bis zu ihrem Tod 1992 trägt sie einen Zettel bei sich, auf den Edith einst schrieb: Marlene, vergiß nie, dass ich dich liebe. Aber gegen Ediths Dämonen kommt Marlene nicht an. Weder kann sie die jüngere Frau vor ihren vielfältigen und oftmals katastrophalen Affären schützen, noch vor deren ausufernden Süchten. Mit nur 48 Jahren stirbt Edith Piaf im Jahr 1963, nur wenige Jahre, nachdem sie sich selbst mit dem Lied "Non, je ne regrette rien" unsterblich machte.
Anika Mauer spielt die schlaue, kühle, selbstbewusste Grand Dame Marlene Dietrich, die nur in kurzen Momenten mit "ihrem Spatz" mal ganz zärtlich und weich erscheinen kann. Sie rockt die Outfits, in denen man die Dietrich in Erinnerung hat: den schmal geschnitten Smoking, die große, glitzerglänzende Robe. Und natürlich singt sie auch, mit dieser langsamen, rauchigen Art, die Marlene zu eigen war und die einen immer glauben ließ, sie würde einem direkt ins Ohr hauchen. Der Anti- Kriegssong "Sag mir wo die Blumen sind" ist ein weiterer Höhepunkt eines wunderbaren und herzergreifenden Abends.
Aber natürlich ist sie es, die dem Publikum in den Brustkorb greift und das Herz berührt und dann schmerzhaft zusammenquetscht: Vasiliki Roussi, die sich als Edith Piaf verausgabt. Sie lebt und atmet deren tragischen Sturz vom Weltstar zum Wrack. Wenn sie singt, mit Herz und Seele, dann könnte man eine Stecknadel fallen hören im Zuschauerraum. Ein tragisch-schöner Abend!
Nicole Haarhoff
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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Tanz der Ikonen
  · 03.06.19
Es ist gewiß eine Gratwanderung, zwei Ikonen des Showgeschäfts wie Marlene Dietrich und Edith Piaf leibhaftig auf der Bühne miteinander gegeneinander antreten zu lassen. Wenn dies aber gelingt, wie jetzt im Berliner Renaissance-Theater, dann wird daraus ein großartige Reality-Inszenierung.

Das Theaterstück stammt von Daniel Große Boymann und Thomas Kahry und fußt auf einer Idee von David Winterberg. Regie führt Torsten Fischer. Die Ausstatter Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos bauen ihm eine Bühne, die wirklich nur eine kahle  Showbühne mit ein paar Standmikrofonen ist. Nach hinten wird sie, grandiose Idee, durch einen riesigen, von einem Lichtband begrenzten Spiegel abgeschlossen, der die Akteure in Rückenansicht abbildet und außerdem noch ein Livebild des Publikums im Zuschauerraum liefert. 

Spatz Piaf und Engel Dietrich hatten ein Verhältnis, das man wohl irgendwo zwischen Freundschaft und Liebe ansiedeln muss. Es gab Thriumphe und Abstürze bis zum völligen Zerwürfnis, aber zumindest in Gedanken stellte sich auch immer wieder Verzeihung ein. 

Beide Titelfiguren, Anika Mauer als Marlene Dietrich und Vasiliki Roussi als Edith Piaf sind grandios und beherrschen mit ihren Auftritten die Szene. Ralph Morgenstern und Guntbert Warns liefern als Sparringspartner mal eine Momentaufnahme männlicher Partner, mal einfach ein paar ergänzende Informationen. Am Flügel sitzt  Harry Ermer, und es liesse sich nicht leicht ein einfühlsamerer Songbegleiter denken. Eugen Schwabauer steuert per Akkordeon die Klangfarben der französischen Chansons bei. 

Edith Piaf ist nach chaotischer Kindheit und Jugend selig über ihr Leben zwischen dem Geliebten, dem Boxer Marcel Cerdan und der Freundin Marlene. Aber der unbeschwerten "menage à trois" ist keine Dauer beschieden. Marcel nimmt ein Flugzeug, um rascher zu Edith zu kommen, das Flugzeug stürzt ab, und er büßt sein Leben ein. Die Piaf wird depressiv und drogenabhängig. Gleichwohl geht das Leben weiter, und die beiden Freundinnen teilen Trost und Streit.

Die Lebensgeschichte von Piaf und Dietrich bildet den roten Faden, der die Bühnenhandlung zusammenhält. Den eigentlichen Kern des Bühnengeschehens bilden aber die Songs, die in einer faszinierenden Annäherung an die unerreichbaren Originale dargeboten werden. Anfangs dominieren die Chansons der Piaf. Vasiliki Roussi taucht hier stimmlich und figürlich derart tief in das Psychogramm ihrer Vorbildfigur ein, dass man immer wieder die Piaf zu hören und zu sehen meint. Aber Anika Mauer steht ihr in der Imagination der Marlene Dietrich keineswegs nach. Wenn sie mit Frack und Zylinder oder im langen, eleganten Glitzerkleid die Bühne betritt, geht ein Raunen durchs Publikum, und spontaner Beifall brandet auf. 

Wer die Songs der beiden so unterschiedlichen Showgrößen liebt, kommt an diesem Abend voll auf seine Kosten. Das beginnt mit der wohlbekannten, flott vorgetragenen Schnoddrigkeit "Wenn die beste Freundin...", geht über "Padam,Padam" von der Piaf und "Frag nicht, warum ich gehe" von der Dietrich bis zu Piafs "Milord" und "La vie en rose", von allen beiden interpretiert. Absoluter Kulminationspunkt sind zwei Titel: Das wunderbare "Sag mir, wo die Blumen sind" der Dietrich in der ernsten, klar artikulierten Interpretation durch Anika Mauer trägt ihr jubelnden Szenenapplaus ein. Und Vasiliki Roussi landet ihren persönlichen Haupttreffer mit dem schmetternden "Non, je ne regrette rien" - auch hier erreicht der Jubel des Publikums absolute Höchstwerte.

Insgesamt ein professionell gestalteter Song-Abend, der an szenischer Dichte und musikalischer Perfektion keine Wünsche offen läßt. Das Publikum honoriert die Revue mit begeistertem  Applaus.

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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Konzentration auf das Wesentliche
  · 04.06.19
''Guntbert Warns und Ralph Morgenstern sind Stichwortgeber und Staffage, sie halten mal ein Mikro oder überreichen ein paar Blumen, gestehen ihre Liebe oder sagen ein Gedicht auf oder ein Konzert-Abend an, all die Kellner und Manager, Liebhaber und Ehemänner, Boxer und Sänger haben keinen erkennbaren Charakter und kein eindeutiges Gesicht. Es können also immer dieselben Schauspieler ohne große Verkleidung kurz in die Rolle hinein und wieder hinaus schlüpfen.

Konzentration auf das Wesentliche ist das Motto: Deshalb gibt es auch auf der fast leeren Bühne nur einen riesigen Spiegel, in dem die Diven und auch das Publikum sich selbst von allen Seiten betrachten kann. Außerdem gibt es nur zwei Musiker, am Klavier Harry Elmer, am Akkordeon Eugen Schwabauer, und das reicht, denn die beiden stricken nur sensibel den musikalischen Teppich, auf dem sich die beiden Gesangs-Diven und Stil-Ikonen sich räkeln und suhlen dürfen.

Wenn die todgeweihte Piaf zum Schluss ihr trotziges "Non, je ne regrette rien" heraus grölt, gibt es kein Halten mehr und das Publikum dankt allen Beteiligten mit stehenden Ovationen.  Auch ich bedaure nicht, an diesem Abend im Renaissance-Theater dabei gewesen zu sein, aber ein wenig mehr dramaturgische und schauspielerische Raffinesse, dann wäre aus dem vorzüglichen Lieder-Reigen vielleicht wirklich ein großer Theater-Abend geworden.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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