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Bewertung und Kritik zu

NEIN ZUM GELD
von Flavia Coste
Regie: Tina Engel 
Premiere: 30. März 2019 
Renaissance Theater, Berlin 

Zum Inhalt: Ihr Ehemann, Ihr Sohn oder Ihr bester Freud schreddert vor Ihren Augen eine dreistellige Millionensumme Geld. Wie reagieren Sie darauf? Sind Sie nicht gerade begeistert, stinksauer oder wollen Sie ihn schlichtweg umbringen? Natürlich wissen auch Sie, dass Geld allein nicht glücklich macht und zuviel davon oft den Charakter verdirbt, aber muss man denn gleich soweit gehen und auf alles freiwillig verzichten? Schließlich kann es doch auch sehr schön sein, sehr reich zu sein: keine Sorgen mehr, keine offenen Rechnungen, ein größeres Haus, schöne Reisen und, und, und …  
NEIN ZUM GELD erzählt die Geschichte von Richard, der eine demonstrative Heldentat begehen will und `nein zum Geld´ sagt, aber seine Frau Claire, seine Mutter Rose und Etienne, sein bester Freund, finden das überhaupt nicht witzig. Sie lassen nicht locker. Wie weit wird die Familie gehen?

mit Sarah Bauerett, Hans-Werner Meyer, Michael Rotschopf, Erika Skrotzki

Regie: Tina Engel
Bühne: Manfred Gruber
Kostüme: Monika Jacobs

TRAILER


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Gewinn als Verlust
  · 31.03.19
Diese Komödie von der französischen Erfolgsautorin Flavia Coste ist mit glänzender Resonanz in Paris gelaufen. Bei der Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung im Berliner Renaissance-Theater erweist  sich das Stück als gutes Beispiel dafür, wie sich aus einer szenisch-dramaturgisch eher knapp dimensionierten Idee mit Geschick für intelligente Facetten und treffende Dialoge eine unterhaltsame Bühnenhandlung mit ein paar philosophischen Nutzanwendungen konstruieren läßt. 

Richard Carré (Hans-Werner Meyer) ist ein bislang recht erfolgloser Architekt. Seine Frau Claire (Sarah Bauerett) steuert mit ihrem Gehalt  als Lehrerin den Löwenanteil zum ehelichen Haushaltsbudget bei. Richards Mutter Rose Carré (Erika Skrotzki), deren Mann schon vor Jahren gestorben ist, knabbert sich seither durchs Leben und probiert eine Partnervermittlung nach der anderen aus. Richards Freund Etienne Rougery (Michael Rotschopf) versucht mit heroischem Einsatz, den finanziellen und psychologischen Schaden auszubügeln, den die immer wieder erfolglosen architektonischen  Entwürfe Richards verursachen. 

Ausgerechnet mit dem Hochzeitsdatum seiner Mutter reüssiert Richard nun bei einer Lottogesellschaft und kommt zu einem Gewinn von mehreren Millionen Euro. Darauf reagiert er aber nicht mit schrankenloser Euphorie, sondern mit schroffer Ablehnung und dem Argument, er habe ja schon alles, was ein Mensch zum Glücklichsein braucht. Den Lottoschein hängt er ungenutzt zu vielen anderen Zettelchen an die Kühlschranktür, damit ihn niemand findet. 

Als er den drei anderen seinen Lottogewinn samt dessen Verweigerung beichtet, ist deren Reaktion allerdings ganz anders als von ihm erwartet. Seine Frau Claire hätte liebend gern eine kräftige Geldspritze zum knappen Haushaltsbudget, sein Freund träumt von der Rettung des ewig defizitären Architekturbüros, und die mit herrlich trocken-sarkastischen Kommentaren glänzende Mutter könnte sich gleichfalls eine großzügige Bereicherung ihrer Rentenkasse sehr gut vorstellen. 

Als sich herausstellt, dass die Einreichungsfrist des Lottoscheins noch nicht abgelaufen ist, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, und die drei Gewinnsüchtigen versuchen, Richard den Lottoschein abzuluchsen. Der verschluckt ihn in seiner Verzweiflung und geht bei einer Auseinandersetzung zu Boden. Sein Freund angelt nun aus dem Mund des Bewußtlosen den zusammengeknüllten Lottoschein, und alle drei stürmen zum etwas flauen Schluß aus der Wohnung, um den Lottogewinn doch noch fristgerecht einzuheimsen. Um das quäkende Baby kümmert sich auf einmal niemand mehr.

Im Bühnenbild von Manfred Gruber choreographiert Regisseurin Tina Engel den Tanz ums goldene Kalb mit leichter Hand und sicherem Sinn für Akzente und Pointen. Den Schauspielern läßt sie hinreichenden Raum für die Ausschöpfung ihrer Rollenprofile. So wird aus der Aufführung eine unterhaltsame Szenenfolge, in der jede Menge Nachdenkliches zum Thema Geld und seinem unterschiedlichen Wert in Relation zu verschiedenen  Lebensläufen versteckt ist. Lebhafter Applaus vom Premierenpublikum belohnt die Darsteller und das Regieteam.

Horst Rödiger
http://roedigeronline.de
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Mutation zu Monstern
  · 07.04.19
''Tina Engel hat das Stück etwas zu brav inszeniert. Die Bühne wurde zu einer kleinen, weißen Wohnküche verkleinert, mit schrägen Wänden und Tür ins Kinderzimmer. Hans-Werner Meyer gibt den Idealisten Richard als netten Schnuffel. Seine Frau Claire ist bei Sarah Bauereit deutlich temperamentvoller, wirft sich heulend auf den Boden, zertrümmert das Geschirr. Michael Rotschopf gibt den dandyhaften Freund und Erika Skrotzki die verwitwete Mutter auf Männerjagd mit dem knochentrockenen Humor – die sich allerdings manchmal zu breit auf die Pointen setzt.

Im Laufe des Abends fliegen die Salatschüsseln und Richards Architekturmodelle werden wutentbrannt zertrümmert. Das gerät deshalb mitunter zu seicht, weil Engel das Stück als realistische Komödie durcherzählen will. Doch die Figuren sind eben keine psychologisch ausgefeilten Charaktere, sondern mutieren zu Monstern. Wenn am Ende des Stücks die Geflügelschere gezückt wird, um dem am Boden liegenden Richard den Mund aufzuhebeln, damit er den Lottoschein ausspuckt, ist das nur noch gruselig.

Hier hätte man noch mehr zuspitzen, den ganzen Horror zeigen können. Schließlich haben wir es mit einer finsteren Groteske über den Kapitalismus zu tun, keiner reinen Familien-Komödie. Tina Engel inszeniert mit allerlei bewährten Komödien-Mitteln – es scheint ihr daran gelegen, das Publikum nicht zu sehr zu schockieren. Die Zuschauer dankten es ihr durchaus, mit viel Gelächter und Applaus.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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