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    Renaissance Theater Berlin
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    Der erste Mensch

    Bewertung und Kritik zu

    DER ERSTE MENSCH - Die unglaubliche Geschichte einer Kindheit 
    nach Albert Camus
    Regie: Martin Mühleis 
    Premiere: 5. Februar 2019 
    Renaissance Theater, Berlin 
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    Zum Inhalt: Die Schule ein Ort, der einem den Blick auf das Leben öffnet? Ein junger Schüler, für den das Lernen ein wildes Abenteuer ist, bei dem ihm täglich neue Welten erschlossen werden? Der kleine Albert Camus hat das so erlebt. Moderne Bildungspolitiker und Pädagogen müssen sich irritiert die Augen reiben, wenn sie seine Geschichte hören. In einem sensationellen erzählerischen Parforceritt entführt Joachim Król sein Publikum in dieser emotionalen Theaterproduktion als Ich-Erzähler in eine Welt voller Armut, Lebensfreude und "natürlicher Schönheit." Die Musik des "Orchestre du Soleil" liefert den mitreißenden Soundtrack zu diesem hochaktuellen Stück über das "Abenteuer Bildung", an dessen Ende ein Mann, der als Kind in einer Familie von Analphabeten aufwächst, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

    mit Joachim Król & l`Orchestre du Soleil 

    Textbearbeitung, Produktion, Inszenierung: Martin Mühleis
    Musik: Christoph Dangelmaier

    4.0 von 5 Sterne
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    Eine Kindheit in Algier
    5 Jahre her.
    Kritik

    Der französische Schriftsteller Albert Camus, 1913 in der damals französischen Kolonie Algerien geboren, erlebte dort seine Kindheit und schaffte den unglaublichen sozialen Aufstieg aus größter Armut zum Ruhm als Autor unter anderem der Romane "Die Pest" und "Der Fall". 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, und 1960 endete sein Leben abrupt bei einem Autounfall mit seinem Freund, dem Verleger Michel Gallimard an der Route Nationale auf dem Wege nach Paris. In den Trümmern des Wagens fand sich das letzte, unvollendete Manuskript von Camus, das Fragment "Der erste Mensch", der Rückblick des Autors auf seinen Lebensweg. 

    Camus war als Philosoph und Schriftsteller selbst ein Mythos. Seine frühen Jahre verbrachte er in einfachsten Verhältnissen, nach dem Tode des Vaters im Ersten Weltkrieg an der Seite der Mutter, die Analphabetin war, und unter der Fuchtel der Großmutter, die ihn mit dem Ochsenziemer traktierte. Gleichwohl schaffte er mit Unterstützung seines Grundschullehrers Louis Germain den Übergang auf die höhere Schule, das Lycée, und daran schlossen sich weitere Schritte zum Erfolg an. 

    Als Teil einer Kampagne des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gegen Funktionalen Analphabetismus hat der Schauspieler Joachim Król, der aus vielen Rollen in Film und Fernsehen bekannt ist, zusammen mit l'orchestre du soleil eine "Tour 2019" konzipiert, die ihn seit Jahresanfang durch 25 Lesungen in deutschen Städten führt. Überall ist sein Auftreten dem Camus-Text "Der erste Mensch" gewidmet, der 1994 in Paris herauskam und von der algerischen Kindheit des Nobelpreisträgers berichtet, dessen Mutter Analphabetin war und nur 450 Worte kannte. 

    Auf der Bühne des Berliner Renaissance-Theaters steht für Joachim Król ein simpler Barhocker, davor ein Lesepult und daneben auf einem weiteren kleinen Hocker ein Glas Wasser. Im Halbrund hinter dem Rezitator ist das einfühlsam interpunktierende Orchestre du Soleil platziert: Samir Mansour(Oud), Jerome Goldschmidt (Percussion), Ekkehard Rössle (Saxophon und Klarinette) und Maria Reiter(Akkordeon). Einen bedeutenden Beitrag leistet auch das Lichtdesign von Birte Horst. 

    Joachim Król gestaltet die einzelnen Textpassagen mit suggestiver, klar artikulierter Stimme und sparsamer Gestik, so dass sich vor den Augen der Zuhörer die in ihrer Kargheit gleichwohl faszinierende Szenerie der Jugendjahre von Camus auftut. Die wunderbar klare Sprache in der Übersetzung von Uli Aumüller tut ein Übriges, um das Publikum durch mitfühlendes Nachdenken zu fesseln. So entsteht das Bild eines Milieus, in das sich der Autor später zurücksehnt, wenn er endgültig an die große Welt des Geldverdienens verloren gegangen ist. 

    Am Schluß der Lesung aus der Autobiographie von Albert Camus gibt es lang anhaltenden, auch rhythmisch interpunktierten Applaus vom Publikum im ausverkauften Haus. 

    Horst Rödiger

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