Alice in den Fluchten

Bewertung und Kritik zu

ALICE IN DEN FLUCHTEN 
Regie: Gisela Höhne
Premiere: 17. Oktober 2007 
RambaZamba Theater, Berlin 
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Zum Inhalt: Ein Stück über das Erwachsenwerden in unübersichtlichen Zeiten. Alice wird erwachsen, sie flüchtet – vor den eigenen Ängsten, vor Extremisten, vor Verrat und Gier. Ihre beste Freundin Mieze, ihre Kamera und der Posterheld folgen ihr auf Schritt und Tritt. Doch das Exil ist weit und der Weg verzweigt. Eine wilde Flucht beginnt, bei der Sandstürme zu durchqueren sind, Schränke und Tagebücher zu tanzen und zu leben beginnen. Dabei werden Alice, das Stück und die Zuschauer von der SinD4 Band begleitet.

Mit Grit Burmeister, Mario Gaulke, Juliana Götze, Moritz Höhne, Hans-Harald Janke, Jan-Patrick Kern, Franziska Kleinert, Jennifer Lau, Joachim Neumann, Zora Schemm, Rita Seredßus, Sebastian Urbanski, Nele Winkler, Michael Wittsack

Regie: Gisela Höhne
Musikalische Leitung: Jacob Höhne
Choreografie: Julie Stanzak
Bühne: Angelika Dubufé
Kostüme /Maske: Beatrix Brandler
Musiker: Moritz Höhne, René Schappach, Martin Trapp


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Das Gefühl einer großen Fremdheit
  · 28.04.11
Ausgangspunkt für das Ensemble, das von Menschen gebildet wird, die man in der Regel als »geistig behindert« tituliert, war das »Gefühl einer großen Fremdheit«, in die Alice geworfen ist, konfrontiert mit Regeln, »denen man sich unterwerfen soll, die man aber nicht versteht«.

Zu Beginn sagt Alice: »Aber ich will doch nicht unter Verrückte gehen!« Mietze: »Dagegen läßt sich nichts machen, hier sind alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt.« ­Alice: »Woher weißt du, daß ich verrückt bin?« Mieze: »Sonst wärst du ja nicht hier.« Am Ende ihrer Reise durch verschiedene Identitäten kann sich Alice, grandios gespielt von Juliana Götze, erstmals selbst fühlen. Mit ihrer Rolle als Schauspielerin wird sie zum gestaltenden Subjekt, was jedem Menschen, der hier meint, daß behinderte Menschen etwa nur »vorgeführt« würden, den Wind aus den Segeln nimmt.

Alice im Wunderland von den Eckigen in Greifswald
Stark das Anfangsbild, als die Schauspieler mit ihren Körpern in einem roboterartig sich bewegenden Standbild Zeit rhythmisieren, dann alle zusammenfallen und sich aus ihrer Mitte Alice erhebt. Die Schauspieler sprechen nur wenig Text, arbeiten viel mit Körpersprache. Zu hören sind die Sätze, die die Behinderten öfters hören müssen: »Nicht zu spät kommen!« »Alles richtig machen!« und immer wieder: »Was bist du? – Das weiß ich selber nicht!«. Die Gruppe steht stärker im Vordergrund als Alice, die irritiert zwischen Gestalten hin und her wandert. Im Tanz lebt sie wieder auf.

Im Untergrund?
Ähnlich der mysteriösen Kellergestalten im Stück leben auch die Schauspieler der Eckigen sozusagen im Untergrund der Gesellschaft, weil sie vielleicht keine Schulabschlüsse haben, als psychisch krank eingestuft wurden, obdachlos waren oder sind und tagsüber in Behindertenwerkstätten arbeiten. Außerhalb des Theaters sieht man sie im Bleicheneck, in der Fußgängerzone oder am Bahnhof. Da vermeiden sie dann Augenkontakt mit »Normalos« oder haben kleine zwangsneurotische Marotten. Auf der Bühne blühen sie auf, als hauche man ihnen ein neues Leben ein. Weiterlesen
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