Der Schuss

Bewertung und Kritik zu 

DER SCHUSS 2-6-1967 
von Arash Safaian (Musik) und Bernhard Glocksin (Text)
Regie: Fabian Gerhardt
Premiere: 2. Juni 2017 (Uraufführung)
Neuköllner Oper, Berlin

2. Juni 1967. Es ist Abend in Berlin. Die Stadt ist in Aufruhr. Ein Paar im Tumult. Er hat ein Transparent im Arm, sie ein Kind im Bauch. Er will nur noch ganz kurz bleiben. Sie geht nach Haus und wartet eine Nacht lang auf ihren Mann. Doch während Christa Ohnesorg wartet, wird ihr Heim zum Kaleidoskop einer ganzen Epoche. Rudi Dutschke, Gudrun Ensslin, Dieter Kunzelmann, Axel Springer u. a. treten wie Geister aus dem Limbus der Zeit und werfen ein surreales Licht auf ihr kommendes Schicksal und die Zukunft eines ganzen Landes.

Mit: Martin Gerke, Pauline Jacob, Josephine Lange, Ursula Renneke, Alexander Tschernek sowie Kamil Ahmad und Jonas Heinrich

Regie: Fabian Gerhardt
Musikalische Leitung: Ensemble Adapter / Matthias Engler
Dramaturgie: Lennart Naujoks
Ausstattung: Lena Schmid
Video: Vincent Stefan


 

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Der Schuss in der Neuköllner Oper
  · 18.07.17
Zu seinem eigenen Teil der eigenen Geschichte spürt man eine hohe Verantwortung und hat einen großen Anspruch, wenn man sie erkenntnistheoretisch zu durchdringen und künstlerisch zu verarbeiten sucht. Die Neuköllner Oper, als linke Volksoper selbst ein Produkt der 68er Zeit, jahrelang nomadisierend auf Plätzen und in Kirchen spielend, hat sich nun als „Alternatives Musiktheater“ der Aufgabe gewidmet, die Geburtsstunde der Neuen Linken aus dem Schmerz seines ersten Opfers heraus zu erklären. 
Dazu hat sie sich ein „freies Künstlerkollektiv, eine unkonventionell arbeitende deutsch-isländische Musikgruppe: „Ensemble Adapter“ sowie „Theaterleute gesucht, die das Prozesshafte betonen“. Herausgekommen ist etwas, das auf keinen Fall „Dokumentarisches Theater“ sein sollte (so Glocksin im Programmheft).
Kein Musical, kein Singspiel, nichts Komödiantisches, sondern eher ein nächtlicher Alptraum, indem eine Vorschau auf das, was nach dem Schuss kam, passend zum 50.-jährigem Todestag der Ermordung von Benno Ohnesorg, an der Neuköllner Oper gegeben wird. (...)
Eine sehr intellektuelle Aufführung mit zT etwas schwer verständlichen Assoziativ-Zusammenhängen, deren Haupthandlung, das Leiden der Christa Ohnesorg beim Warten auf ihren toten Mann, eine interessante neue Perspektive war. Sie ist etwas für die Liebhaber nordisch-neuer Musik, diese ist grandios, ebenso wie auch das wunderbare Spiel der noch sehr jungen Josephine Lange als Chris, die sehr bei sich selbst bleibt, sehr glaubwürdig spielt, und dem ganzen Stück eine Art roten Faden, eine eigene Geschichte gibt, von der bisher noch kaum je etwas zu hören war.
Benno Ohnesorg ist ein Symbol und darüber vergisst man oft, dass er auch ein Mensch war, diese Aufführung erinnert ein wenig daran, sie hat Schwächen, ist aber eine Anregung, sich mit diesem Thema erneut zu beschäftigen. Weiterlesen
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Exzellent gecastetes Singspiel
  · 07.06.17
''Formal ist das ein Singspiel (denn es enthält Dialoge). Komponist Arash Safaian, dessen Familie aus dem Iran exilierte (es gibt gewissermaßen einen biografischen Bezug zum Schah), schlägt beinahe Musical-Töne an. Das Jazz-Sextett wird verstärkt, eine rhythmisch robuste, weitgehend tonale Partitur wechselt gelegentlich ins "lachenmannsch Geschabte" hinüber. Gesungen und gesprochen wird sehr gut an diesem exzellent gecasteten Abend. Wo immer man als Zuschauer dür die Darsteller Zuneigung entwickelt, ist etwas richtig gemacht worden. Das ist hier der Fall.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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Was war da los?
  · 03.06.17
''Fantastisch musiziert wird in dem textlastigen Stück ganz selbstverständlich auch: Antonis Anissegos und Matthias Engler (an Klavier, Keyboards und Schlagwerk) leiten aus dem abwechselnd dann unsichtbar und sichtbar gemachten Hintergrund der Bühne Lena Schmids die weiteren fünf Band-Mitglieder. Inszenierer Fabian Gerhardt konnte auf die maniristisch auf uns einströmenden Video-Schnipsel Vincent Stefans ablenkend zurückgreifen. 
Verkürzende Geschichtsstunde oder verreduziertes Menschheitsdrama?? Nichts von Beidem blieb dann wirklich länger als bis nach der U-Bahn-Fahrt von der Karl-Marx-Straße bis in die Nähe Müggelsee großartig hängen.'' schreibt Andre Sokolowski am 3. Juni 2017 auf KULTURA-EXTRA
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