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Bewertung und Kritik zu

IST DIE WELT AUCH NOCH SO SCHÖN
Musik aus Paul Linckes Frau Luna
Regie: Ulrike Schwab 
Premiere: 9. Mai 2019 
Neuköllner Oper, Berlin

Zum Inhalt: Herr K. ist gestorben. Keiner hat es mitbekommen. Wochenlang lag er tot in seiner Wohnung. Niemand nahm Notiz davon, niemand der ihn vermisst hätte. Bis der Gestank der Verwesung durch die Flure zog.
Keiner der Nachbarn kannte seinen Vornamen. Niemand wusste mehr von ihm, als was das flüchtige Grüßen im Vorübergehen über einen Menschen erzählt. Das und die Musik, die er hörte. Recht laut – wohl wegen der schon taub gewordenen Ohren. Operettenmusik. Nach dem unbemerkten Tod des Alten geistert sie durch die Flure des Mietshauses, die Köpfe seiner Bewohner und löst Fragen aus. Über unser Zusammenleben, die Anonymität der Großstadt, verpasste Begegnungen, unerfüllte Träume. Diese Musik, die sie die letzten Jahre nur wie eigenartige, unpassende Ohrwürmer begleitet hat, scheint die fünf Protagonisten nun zu verbinden. Ohne dass sie so recht wüssten, woher diese Melodien eigentlich kommen oder wovon sie erzählen. Wie ihre Mitmenschen. Das ist die Berliner Luft.

Mit: Angela Braun, Martin Gerke, Jörg Daniel Heinzmann, Maja Lange, Vera Pulido

Text: Juliane Stadelmann
Musik aus Paul Linckes Frau Luna
Idee/Fassung/Regie: Ulrike Schwab
Arrangement: Misha Cvijovic
Bühne/Kostüm: Jule Saworski
Musikalische Leitung/Einstudierung: Jörg Daniel Heinzmann
Sounddesign: Vera Pulido
Dramaturgie: Marion Meyer


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"Tot stellen oder Angriff"
  · 10.05.19
''Die Ausstatterin Jule Saworski baute ihnen hierfür eine Reihe schrankartiger Wohneinheiten gleich fünf hochkant aufgestellten, deckellosen Särgen. Hierin taten die AkteurInnen Angela Braun (als alleinerziehende junge Mutter), Martin Gerke (als Nachbar seiner Nachbarin, aber auch als sich nacherzählender Herr K.), Jörg Daniel Heinzmann (als Versicherungsvertreter), Maja Lange (als Kioskbetreiberin) und Vera Pulido (als "ausländische" Musikerin und Nachbarin ihres Nachbarn) von sich selbst und ihren Querverbindungen zu dem Hinweggeblichenen, der halt die Platte mit Frau Luna noch zu seinen Lebzeiten durchs Mietshaus hätte schallen lassen, sprechen und die eine oder andre Weise aus der Lincke-Operette vorsingen oder zitieren. Misha Cvijovic schuf die entsprechend für den Raum und die Besetzung kompatibelen Arrangements, und J. D. Heinzmann (am Klavier) und V. Pulido (am Computer) waren für die Einstudierung und das Sounddesign der Aufführung verantwortlich. 

Man wunderte sich auf und vor der Bühne - und nicht erst am Schluss des Einundeinviertelstündlers - , wie es überhaupt passieren kann, direkte Mit-und-Neben-Existenzen nur als körperloses "Faktum" statt direkter Wahrnehmung von Ein- und Ausatmungen seines jeweiligen Gegenübers zu begreifen. So gesehen machte auch der Schluss-Imperativ, der von M. Gerke vor dem Black-Off hergesprochen wurde, einen tiefen Sinn: "Tot stellen oder Angriff". Anonymes Großstadtleben. 

Ein schon anrührendes und zum Nachdenken zwingendes Stück.'' schreibt Andre Sokolowski am 10. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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