Marie-Antoinette

Bewertung und Kritik zu

MARIE-ANTOINETTE 
oder Kuchen für alle!
Regie: Peter Jordan / Leonhard Koppelmann 
Premiere: 30. Oktober 2022 
Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater, Berlin 

Zum Inhalt: In Paris ist Revolution, im Palast von Versailles hingegen regiert das Missvergnügen: Während draußen das Volk wütend mordet und meuchelt, warten drinnen Marie-Antoinette und ihr Mann, König Ludwig XVI., seit nunmehr 15 Jahren auf ihre angekündigte Hinrichtung. Doch damals wie heute die gleichen Probleme: Bürokratie, Intrigen und Machtkämpfe auf allen Ebenen. So kann man doch nicht arbeiten! Und dann hängt auch noch dieser Zwerg Napoléon im Nebenzimmer rum! Als das Eis aus und der Champagner warm ist, reicht es Marie-Antoinette. Das geht wirklich zu weit!

Alles nur Komödie? Oder wirft der Wahnsinn vielleicht doch einen Schatten in unsere Realität? „Marie-Antoinette“ ist ein wildes, brüllend komisches Theaterstück und eine bitterböse Warnung an die Gegenwart.

Autoren & Regie: Peter Jordan / Leonhard Koppelmann
Bühne: Stefanie Bruhn
Kostüm: Barbara Aigner
Musik: Philipp Haagen


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
Mit dem unverwechselbaren, leicht kratzigen, lautstarken Organ, mit dem die gesamte Thalbach-Familie gesegnet zu sein scheint, legt Anna Thalbach einen großen Auftritt als Marie Antoinette hin. Blitzschnell kann sie umschalten zwischen nölender Langeweile, die Krallen ausfahren und ihren Louis-Schnucki um den Finger wickeln.

Die neue Komödie des Duos Peter Jordan/Leonhard Koppelmann hat während der ersten Stunde viel von dem zu bieten, was gutes Boulevard-Theater ausmacht: starke Darsteller*innen, die die Komik ihrer Figuren auskosten, ohne sie zu Knallchargen werden zu lassen, ein Gespür für Timing und natürlich eine Reihe schöner Gags, die um die zentrale Idee der Inszenierung kreisen: der sichtlich überforderte Louis XIV. und seine immer wieder zum Fenster rennende und hinausbrüllende Gattin warten – entgegen der tatsächlichen Historie – seit zwanzig Jahren auf ihre Hinrichtung, die die Revolutionäre angekündigt, aber immer wieder verschoben haben. Aus diesem Warten auf das bevorstehende Ende bezieht die erste Hälfte ihre Komik. Schwarz und morbide ist oft der Humor.

Nach der Pause verliert das Duo Jordan/Koppelmann, das sich Text und Regie teilte, den roten Faden. Mit viel Türengeklapper tauchen diverse Nebenfiguren wie Robbespierre oder Napoleon in der bonbonbunten Tortenwelt von Versailles auf, die Stefanie Bruhn gestaltete. Statt feiner Dialoge gibt es nun mehr Humor der gröberen Sorte: ausgiebigen Slapstick mit klemmender Guillotine, die dann ausgerechnet doch funktioniert, als sich die lästige Mätresse hinlegt, Ausrutschen über Blutlachen und Kalauern. Das ergibt dann für die zweite Hälfte Boulevardtheater der schwächeren Sorte.

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