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Bewertung und Kritik zu

RIO REISER - MEIN NAME IST MENSCH
von Frank Leo Schröder & Gert C. Möbius
Premiere: 6. Oktober 2019 
Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater, Berlin 

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Zum Inhalt: Berlin 1970. Hausbesetzungen, Kommune 1, LSD, die Gründung der RAF – West-Berlin ist das Zentrum des subversiven Untergrunds. In dieser Zeit des Aufbruchs und der Rebellion schließt sich um Rio Reiser die legendäre Band „Ton Steine Scherben“ zusammen. Sie liefert fortan den Soundtrack einer Generation. Als die Band auseinanderfällt, startet Rio Reiser eine Solo-Karriere. Das Stück erzählt die Geschichte des Musikers anhand seiner Lieder, die politisch, persönlich und emotional bewegen.

mit Frederic Böhle, Frédéric Brossier, Philip Butz, Kai Dannowski, Hans Gurbig, Katrin Hauptmann, Antonia Jonas, Fabian Hentschel, Friedemann Petter, Daniel Splitt und Paul Tetzlaff

Regie: Frank Leo Schröder
Musikalische Leitung: Juan Garcia
Bühne und Kostümbild: Matthias Müller
Kostüm: Claudia Töpritz
Choreografie: Marita Erxleben


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Tolle, extrem verqualmte Hommage
  · 09.10.19
Dass der Abend über knapp drei Stunden so gut funktioniert, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen verwebt er geschickt die persönliche Biographie von Ralph Möbius, wie Reiser mit bürgerlichem Namen hieß, mit den politischen Umwälzungen der linken Szene zwischen den 70er und 90er Jahren. Sehr präzise beschreibt der Abend das spannungsreiche Verhältnis zwischen den linken Aktivist*innen und ihrer Band. Spätestens seit der anarchistischen Hymne „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ und dem „Rauch-Haus-Song“ als Manifest der Hausbesetzer*innen-Szene hatten „Ton Steine Scherben“ einen Kultstatus: Jeder wollte etwas von ihnen, hier ein Solidaritätskonzert, dort eine Unterstützungs-Aktion. Jede Idee, die der Band etwas Geld bringen könnte, die bei äußerst knapper Kasse zunächst in West-Berlin und dann auf einem Bauernhof in Fresenhagen lebte, löste sofort einen Shitstorm auf: Sie würden ihre Seele an die Plattenindustrie und den Kapitalismus verkaufen, lautete der Vorwurf.

Mit kleinen kabarettistischen Einlagen wie einer Claudia Roth-Parodie, die als Tourmanagerin und Nervensäge zu den Grünen weggelobt wird, und historischer Genauigkeit zeichnet der Abend ein Bild von Rio Reiser, das sowohl für Zeitzeug*innen als auch für Jüngere interessant ist.

Das zweite Plus des Abends sind die tollen Songs, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Qualität verloren haben. In ihnen spiegeln sich an diesem Abend die unterschiedlichen Facetten in Rio Reisers Persönlichkeit. Das aufrüttelnde, politische Engagement, das sich von „Macht kaputt…“ bis zu seinem Spätwerk mit „Alles Lüge“ oder „König von Deutschland“

zieht, steht an diesem Theater-Abend in einer guten Balance mit den leisen, poetischen Tönen aus „Für immer dich“ oder „Junimond“ eines unglücklich verliebten schwulen Mannes. Die Titelrolle spielen in Berlin Philip Butz Frédéric Brossier im Wechsel.

Das große Manko dieser gut inszenierten, unterhaltsamen Polit-Revue ist der bestialische Zigarettengestank, der sich rücksichtslos von der Bühne in das Publikum zieht, wie es zu Rios Zeiten noch an der Tagesordnung gewesen sein mag, aber heute längst nicht mehr üblich und akzeptabel ist. Der beißende Qualmgestank ist eine Zumutung fürs Publikum. Ein ansonsten toller Abend hinterlässt deshalb einen sehr zwiespältigen Eindruck.

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Angenehm unpassend
  · 07.10.19
''Frédéric Bossier in der Titelrolle war schon im Potsdamer Original (am Hans Otto-Theater) mit dabei, das hier fortgesponnen wird. Dort allerdings in einer kleineren Rolle. Mit spitzigem Gesicht ähnelt er mehr Tom Schilling. Der Gesang tendiert zu Grönemeyer oder Marius Müller-Westernhagen. Hat also nicht genug Schutt, Schotter und Geröll in der Stimme, wenn man bedenkt, dass der Sexappeal Rio Reisers ja gerade im Gegensatz seiner Whisky-Stimme mit dem fast mädchenhaft schönen Gesicht bestand. Hier liegt’s etwas anders. Aber sehr gut.

Abgesehen von der völlig absurden, unverständlichen Überlänge handelt es sich um das trefflichste Exemplar seiner Gattung, das mir begegnet ist. Noch dazu, weil diese Szene-Größe im Haus an der Bismarckstraße angenehm unpassend erscheint. Ich wusste auch gar nicht, dass der Name der Band "Ton Steine Scherben" auf ein Originalzitat von Heinrich Schliemann zurückgeht. Der hatte nach der Ausbuddelung von Troja verlauten lassen: "Was ich fand, waren Ton, Steine, Scherben". – Die Typen waren gar nicht dumm.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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