Roxy und ihr Wunderteam

Bewertung und Kritik zu

ROXY UND IHR WUNDERTEAM
Paul Abraham
Regie: Stefan Huber 
Premiere: 31. Mai 2019 
Komische Oper Berlin 

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Zum Inhalt: Nach dem großen Erfolg mit Clivia verschlägt es die Geschwister Pfister unter der bewährten Führung von Regisseur Stefan Huber dieses Mal in die Welt des Fußballs! Paul Abrahams Operette Roxy und ihr Wunderteam ist eine verrückt-turbulente Sportsatire über eine Braut auf der Flucht, die einer ganzen Fußballmannschaft den Kopf verdreht. Dazu die feurige Musik des Ball im Savoy-Komponisten mit ihrer Mischung aus Jazz, Puszta und Operettenschmelz – abgerundet mit einem Schuss Stadiongesang.

Die Mannschaft von Kapitän Gjurka Karoly feiert gerade den Sieg über das englische Team, da platzt die Braut Roxy ins Hotelzimmer der Fußballer, auf der Flucht vor ihrem dümmlichen Bräutigam Bobby und ihrem Onkel, dem schottischen Saucen-, Ketchup- und Mixed-Pickles-Fabrikanten Sam Cheswick, der dem Ruf seiner Landsleute in puncto Geiz und Sparsamkeit alle Ehre macht. Kurzerhand wird die »Braut, die sich nicht traut« im Gepäck verstaut und mit ins ungarische Trainingslager genommen. Doch Ex-Bräutigam Bobby und Sam Cheswick heften sich an ihre Fersen. Der eine, weil er seiner zukünftigen Ehegattin hinterhertrauert, der andere, weil er die aussichtsreiche Verbindung zum Sohn eines einflussreichen Automatenbuffets-Herstellers flöten gehen sieht. Doch auch Mannschaftskapitän Gjurka Karoly sieht sich vor Herausforderungen gestellt: Zum einen gilt es die Mannschaft für die Revanche gegen das englische Team fit zu machen – was nicht leichter wird, als sich ein Mädchenpensionat im gleichen Hotel wie die Fußballer einnistet. Zum anderen entdeckt Gjurka ungeahnte Gefühle für die neue Teamkameradin ... Die Liebesverwirrung droht gar in einer sportlichen und emotionalen Niederlage zu enden! Aber Roxy ist gewitzt und selbstbewusst genug, um nicht nur ihr Wunderteam, sondern auch sich selbst zum Sieg zu führen. 

Musikalische Leitung: Kai Tietje 
Inszenierung: Stefan Huber 
Choreografie: Danny Costello 
Bühnenbild: Stephan Prattes 
Kostüme: Heike Seidler 
Dramaturgie: Ulrich Lenz und Maximilian Hagemeyer 
Chöre: Jean-Christophe Charron 
Licht: Diego Leetz 

TRAILER


 
Meinung der Presse zu „Roxy und ihr Wunderteam“ - Komische Oper Berlin


Die Welt
★★★★☆


Zitty
★★★☆☆

tip
★★★★☆

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Fußball trifft Operette mit Publikumslieblingen
  · 28.06.19
Die Hauptrollen besetzen die Publikumslieblinge „Geschwister Pfister“ und wirbeln wie gewohnt die klassischen Geschlechterrollen durcheinander: Christoph Marti spielt Roxy, die Nichte eines schottischen Milliardärs, mit langmähniger, blonder Perücke und verdreht der ungarischen Fußball-Nationalmannschaft den Kopf. Nur der Kapitän (Tobias Bonn) bleibt auf Distanz, landet aber – wie vorherzusehen – am Ende in ihren Armen. Andreja Schneider schlüpft wunderbar gouvernantenhaft in die Rolle der Mädchenpensionats-Leiterin Aranka von Tötössy, die moralische Sittsamkeit predigt und sie zu Gymnastik antreibt. In diesen Szenen parodierte der jüdische Komponist Abraham, der nach großen Erfolgen auf dem brodelnden Vulkan in der Endphase der Weimarer Republik von Berlin nach Budapest fliehen musste, die Riefenstahl-Ästhetik und den „Kraft durch Freude“-Körperkult, mit dem sich die Nazis bei den Olympischen Spielen 1936 feierten.

Dass das Handlungsgerüst recht übersichtlich und nicht allzu viel Tiefgang zu erwarten ist, nimmt Uwe Schönbeck als personifizierter, klischeehafter Schotten-Witz und Roxys Onkel Sam Cheswick in einem kurzen Auftritt selbst auf die Schippe. Paul Abraham hat „Roxy und ihr Wunderteam“ als Nummernrevue angelegt, die musikalisch mit einer feinen Mischung aus Csárdas, Foxtrott und Swing unterhält. Er bezeichnete das Genre als „Vaudeville-Operette“.

Spaß machen vor allem die energiegeladenen, gut choreographierten Tanz-Gruppenszenen, in denen Andreja Schneider und Tobias Bonn als Sittenwächter*innen des Abends überfordert sind, die Fußball-Profis um Jörn-Felix Alt als Torwart Hatschek und die Schülerinnen auseinander zu halten. Stefan Huber, Stamm-Regisseur der „Geschwister Pfister“, spielt in den Stadionszenen am Anfang und zum großen Finale mit der Nostalgie von Fußball-Live-Übertragungen im Radio und Herbert Zimmermanns legendärem „Tor! Tor! Tor!“-Jubel.

Mit drei Stunden (inklusive Pause) ist der Abend zwar etwas zu lang geraten, unterhält aber mit hübschen Miniaturen wie dem Auftritt korrupter Zöllner im Zug und steuert zielsicher den nächsten Gute-Laune-Song.

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Kleiner, feiner Triumph
  · 03.06.19
''Stefan Huber, eine Fachkraft, ist stets Haus- und Hofregisseur der Pfisters – so wie Danny Costello der Choreograf ist, der ihnen Beine macht. Der sehr aufwendigen Produktion muss man es lassen, dass Intendant Barrie Kosky tief in den Etat-Topf greifen ließ. Ein Fußball-Planet schwebt gigantisch über der Szene, ist drehbar und enthält im Inneren eine veritable, vollbesetzte Tribüne. Quietschbunt, originalverkorkt und zotig abgefüllt. Dem fehlt passgerecht jene Piefigkeit, die man Opas Operette – und ebenso Opas Fußball – einst vorhalten musste.

Angesichts eines 13-fachen Happy-ends – absoluter Spitzenwert in der Gattungsgeschichte! – ist der Tatbestand des absurden Theaters voll erfüllt. Sprachliche Anzüglichkeiten stellen einen Schlag ins Gesicht der Dreißigerjahre dar. So wird's wichtig. "Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper", sagte man damals. Die lateinische Übersetzung "Mens sana in corpore sano" wird hier so wiedergegeben: "Ein Mann mit Sahne ist besser als ein Mann ohne Sahne." Es ist ein Witz, den man überall erzählen kann. Und ein Tritt zwischen die Hörner des damals aufkommenden Nazismus samt seiner sportlichen Ideale.

Wenn man bedenkt, dass diese Aufführung nur eine Station innerhalb einer Paul-Abraham-Werkschau ist, darf man den Abend getrost als kleinen, feinen Triumph verbuchen. Am Ende lacht man über Witze, die man nicht einmal verstanden hat. Hohe Schule.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf rbbKultur
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Berlin ist Fußball – nun auch in der Oper!
  · 01.06.19
''Unterhaltsamer Spott gleich zu Beginn. Mathias Schlung als Radiosprecher beginnt den Reigen mit einer Satire auf Fußballkommentatoren. Da wird gebangt, geflucht und geschrien, parallel zur Orchestermusik ein großartiges Erlebnis. Danach der Auftritt der Fußballkerle. Nur unter sich großspurig und prahlend. Aber dann taucht Roxy auf. Mit strahlender Musik, die an Filmmusik aus James Bond denken lässt, fegt sie über die Bühne. Trashig und voller Empathie übernimmt Roxy die Führung. Das großartige Bühnenbild von Stephan Prattes ist der perfekte Rahmen für viele surreale Szenen. Ein meterhoher Fußball beherrscht die Bühne. Gedreht dient er am Ende als Tribüne für die Fußballfans. Farbige Kostüme von Heike Seidler schaffen ein Fest für die Augen. Kai Tietje steuert sein Orchester sicher durch die gewagte Partitur und lässt sich auch nicht verunsichern, wenn er neben dem Dirigieren auch noch Akkordeon spielen muss. 

Das Team der Sängerinnen und Sänger, Sprecherinnen und Sprecher um Christoph Marti ist so sprühend und so super emphatisch. Sie haben unglaublichen Spaß und verschwenden sich für ihr Publikum - so wie die ganze Inszenierung eine großartige Verschwendung ist. So muss Theater sein! Nach dem großen Erfolg mit Clivia haben die Geschwister Pfister unter der bewährten Führung von Regisseur Stefan Huber die nächste Bombe in der Komischen Oper gezündet. Unbedingt hingehen!'' schreibt Steffen Kühn am 1. Juni 2019 auf KULTURA-EXTRA
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