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Bewertung und Kritik zu

FÚRIA / WUT
von Lia Rodrigues
 
Premiere: 7. Mai 2019 
Hebbel am Ufer (HAU2), Berlin 

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Zum Inhalt: Aus Säcken, Planen, Fetzen und Müll schälen sich neun Tänzer*innen heraus. Sie rotten sich zu einer archaische Horde Masse zusammen, ihre Körper wie entmenschlicht, ihre Bewegungen stetig schwankend zwischen Trance und Trauermarsch. Lia Rodrigues hat mit ihrer Companhia de Danças ein intensives, dystopisches Bild gefunden für die akute Bedrohung humanistisch-universalistischer Errungenschaften, für die Konsequenzen aus weltweiter gesellschaftlicher Verrohung und den neuen Faschismus in Brasilien. In Maré, einer der härtesten Favelas Rio de Janeiros, liegt das Proben- und Ausbildungszentrum der Kompanie – auch damit bezieht die Choreografin permanent Position gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung. Rodrigues, die zuletzt mit “For the Sky Not to Fall” 2016 im HAU zu Gast war, verwandelt den zeitgenössischen Tanz in mitreißendem Engagement und mit großer Meisterschaft in eine ebenso poetische wie zwingende Politik des Körpers.

Tanz & Mitarbeit Choreografie: Leonardo Nunes, Felipe Vian, Clara Cavalcante, Carolina Repetto, Valentina Fittipaldi, Andrey Silva, Karoll Silva, Larissa Lima, Ricardo Xavier

Choreografie: Lia Rodrigues
Choreografische Assistenz: Amalia Lima
Dramaturgie: Silvia Soter
Künstlerische Mitarbeit: Sammi Landweer
Lichtdesign: Nicolas Boudier


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Trauermarsch und Protest
  · 08.05.19
In dieser Woche sind zwei neue Choreographien im Hebbel am Ufer zu sehen, die unabhängig voneinander entstanden sind, aber sehr gut miteinander korrespondieren. Beide knapp einstündigen Arbeiten verbindet ihre aufgewühlte Energie, mit der sie von düsteren Zukunftsaussichten, Gewaltausbrüchen und der Bedrohung humanistischer Errungenschaften erzählen.

Sowohl „A invenção de maldade“ („Die Erfindung der Boshaftigkeit“) von Marcelo Evelin/Demolition Incorporada als auch „Furía“ („Wut“) von Lia Rodrigues kommen fast ohne Worte bis auf Murmeln und tranceartige Beschwörungsformeln aus. Sie überzeugen durch starke Bilder, Sinnlichkeit und Energie, unverzichtbare Elemente lebendigen, zeitgenössischen Theaters und Tanzes. Eine Adrenalinspritze wie diese Gastspiele im Hebbel am Ufer würde auch der 10er-Auswahl des Theatertreffens sehr gut tun, die bisher mit vielen alten Bekannten aus dem Theaterbetrieb, banalen Soap-Kopien, langatmigen Promi-Slapsticks und Nebelwand-Spielereien von Marthaler-Epigonen im Dornröschenschlaf vor sich hin dämmert.
Einen Schritt weiter als Evelin geht Lia Rodrigues in „Furía“: hier liegt bereits alles in Trümmern und Fetzen. Ein Trauermarsch bahnt sich seinen Weg über Gerümpel, Säcke und Stoffberge. Immer wieder scheren einzelne Ensemble-Mitglieder aus und deuten Gewalt und Demütigungen an. Sie zerren sich gegenseitig über die Bühne, benutzen sich als Last- und Reittiere, während die Prozession unbeirrt weiterzieht, in die sie sich später einreihen.

Es ist den Tänzer*innen hoch anzurechnen, dass sie sich von der Zuschauerin am rechten Rand der ersten Reihe nicht aus der Konzentration bringen lassen, die mehrfach mit hell erleuchtetem Display rücksichtslos filmt. Die Choreographie endet mit Protestplakaten gegen Polizeigewalt und staatliche Willkür, die das Ensemble zum Schlussapplaus hochhält.

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3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 5
4 13
3 22
2 12
1 4
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