Oona Doherty: Navy Blue

Bewertung und Kritik zu

NAVY BLUE 
Oona Doherty
 
Premiere: 10. August 2022 (Kampnagel Sommerfestival, Hamburg) 
Berlin-Premiere: 18. August 2022 (Tanz im August
Haus der Berliner Festspiele 

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Zum Inhalt: “Navy Blue” versetzt uns an einen hässlichen Ort: ein grausames Universum, in dem zwölf Tänzer:innen zu den unheilschwangeren Klängen Rachmaninoffs in nie enden wollenden Produktionsketten gefangen sind. Die irische Choreografin Oona Doherty kleidet die Fehlentscheidungen lebender Generationen in die Farbe der Arbeiter:innenklasse, um dann zu einer Wiedergeburt anzusetzen. Mit dem Sound des Musikproduzenten Jamie xx und der Stimme der Choreografin tauchen wir in einen Kosmos ein, in dem aus den Wunden der Gewalt Hoffnung quillt und Sternschnuppen den Himmel mit einer Ode an die Liebe überziehen.

Künstlerische Leitung & Choreografie: Oona Doherty

Kollaboration Musik: Jamie xx
Kollaboration Skript: Bush Moukarzel
Kostümdesign: Oona Doherty, Lisa Marie Barry
Lichtdesign: John Gunning
Projektion & Bühnenbild; Nadir Bouassria
Produktionsmanagement: Gabrielle Veyssiere


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Zwischen Depression und Hoffnungsschimmer
  · 19.08.22
Vor der Uraufführung ihrer neuen Choreographie beim Kampnagel-Sommerfestival war einiges über die Hintergründe zu lesen. Oona Doherty litt ab 2019 einer Depression, als sie dieses Stück vorbereitete. Auch Rachmaninoff litt unter einer Schaffenskrise und depressiven Schüben, als er sein Klavierkonzert 1900/01 komponierte. Dieses Werk entdeckte sie in der Isolation des Corona-Lockdowns für sich. Von der Verzweiflung und der Schwermut ist an diesem einstündigen Abend viel zu spüren.

Oft gerät die neue Inszenierung von Doherty, die mit Hard to be Soft – A Belfast Prayer, einer Reflexion über den jahrzehntelangen Nordirland-Konflikt eine Überraschung bei Tanz im August 2019 landete und im vergangenen Jahr bei der Tanzbiennale in Venedig mit einem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde, gefährlich nah an plakativen Kitsch. Schüsse hallen aus dem Dunkel, die Performer*innen lassen sich mit schmerzverzerrten Gesichtern allzu theatralisch fallen.

Vom Band kommen Texte, die Oona Doherty mit Bush Moukarzel verfasst hat, bevor zum Schlussteil ein anderer Sound dominiert: zur Elektro-Musik von Jamie XX, der für seine melancholischen Songs bekannt ist, kommt neues Leben in die Performer*innen. Nach der Klima-Apokalypse zucken sie sich langsam und mit leichtem Hoffnungsschimmer aus der Schwermut heraus. Sie streben nach körperlicher Nähe und umarmen sich. Auch hier bleibt das Stück leider plakativ.

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