Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Bewertung und Kritik zu

PHANTOM (EIN SPIEL) 16+
von Lutz Hübner und Sarah Nemitz
Regie: Petra Zieser 
Premiere: 7. Juni 2018
Grips Theater Berlin

Zum Inhalt: Freitagnacht: Das Fast-Food-Restaurant hat endlich geschlossen, die Mitarbeiter beeilen sich beim Putzen und Aufräumen. Doch dann ein Schrei: „Da ist ein Baby!“ Einer ruft die Polizei. Schnell wird man sich bei der Befragung einig: Das Baby muss etwas mit der Frau zu tun haben, die kurz vor Schluss noch im Lokal war.
Ausgehend von dieser Situation setzen sich fünf Schauspieler*innen auf die Fährte dieses „Phantoms“, sie nennen es „Blanca“, die Frau aus dem unbekannten Land. Ist es die Frau mit den vielen Sprachen, ist sie die Bulgarin, die Kroatin, die Romni, die Nicht-Deutsche oder die Missbrauchte, die Täterin, die Kluge, die Naive, die Ausgebeutete, die Heldin? Oder ist sie einfach nur ein Mensch, der auszog, sein Glück zu finden?

Mit Christian Giese, Lisa Klabunde, Amelie Köder, Frederic Phung, Luisa-Charlotte Schulz

Regie: Petra Zieser
Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Marie Landgraf
Sounddesign und Musik: Michał Krajczok
Animation: Gregor Dashuber
Dramaturgie: Ute Volknant
Theaterpädagogik: David Vogel

TRAILER


Wie fandest du das Stück?
- ein Klick auf die Sterne -
Schreibe eine Kritik
4.0/5 Insgesamt 4 Bewertungen (3 mit Rezension)
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Politisch engagierte Tragikomödie
  · 08.06.18
So schenkelklopfend-heiter wie bei ihrem Publikumshit „Frau Müller muss weg“, der von Sönke Wortmann verfilmt wurde, geht es diesmal bei Hübner/Nemitz nicht zu. „Phantom (Ein Spiel)“ ist eine Sozial-Tragikomödie und vor allem politisch engagiertes Theater, wie wir es vom Grips-Theater gewohnt sind. Das Autoren-Duo zitiert im Programmheft ausführlich soziologische Studien wie „Arrival City“ von Doug Saunders und berichtet über ihre Recherchen in Mannheim und Neukölln. „Phantom (Ein Spiel)“ will Empathie für die Situation der Flüchtlinge und Armutsmigranten wecken und bedient sich sehr ausgiebig bei den bekannten Erzählmustern von Flucht-Biographien in Features und Sozialreportagen. Auf den letzten Metern wird die Argumentation durch eine Pointe gebrochen, die gar nicht mehr so überraschend kommt. Das verwahrloste Kind stammt nicht von der überforderten Romni-Frau Blanca, sondern von einer biodeutschen Hartz IV-Empfängerin, die von ihrem Marco sitzengelassen wurde und deshalb auf Blancas pragmatisch-zupackende Art angewiesen ist.

Das Ensemble, ein Mix aus erfahrenen Grips-Spielern wie Christian Giese, der zuletzt Jürgen Todenhöfer in „Inside IS“ verkörperte, und einigen Neuzugängen, wechselt munter die Rollen und erntete starken Premieren-Applaus. Besonders hervorzuheben sind die Video-Einspieler des Kreuzberger „Talking Animals“-Duos (Sounddesign von Michal Krajczok, Animationsfilme von Gregor Dashuber), die mit den Märchen-Motiven („Hänsel & Gretel“, „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, Heinrich Heines „Elementargeister“) aus dem Text von Hübner/Nemitz spielen und als rätselhafte Einspieler über dem Bühnengeschehen flackern.

Weiterlesen
WAR DIE KRITIK HILFREICH FÜR DICH?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Phantom (Ein Spiel)
  · 08.06.18
''Lutz Hübner/Sarah Nemitz sollte mit gelassener Genugtuung und lichter Freude konstatieren, dass ihr vor drei Jahren am Nationaltheater Mannheim uraufgeführtes Stückprojekt Phantom (Ein Spiel) noch immer und sehr treffend das gesellschaftliche und/oder sozialpolitische Zu-/Mit-/Untereinander in der BRD befragt und seine allgemeinen Tücken sozusagen bei den Hörnern packt - so etwas funktioniert als künstlerische Darreichung freilich nur dann, wenn man sich eines ganz konkreten Beispieles bedient; in dem besagten Falle ist das halt die Hauptfigur mit ihrem Noname "Blanca", und die Frage lautete dann auch, in etwa jedenfalls: Wie kommt die Jungfrau zu dem Kind? 

X-Varianten werden von den fünf AkteurInnen nacheinander durchgespielt. 

Am Schluss - o Wunder über Wunder - hat es dann die Ausgewanderte auf ihrem abenteuerlichen Zick-Zack-Weg geschafft: Das schöne Kunst-Video von Gregor Dashuber zeigt uns eine zufriedene und rundum glücklich ausschauende Großfamilie, die ein Erntedank-Event zu Ehren ihrer "Santa Blanca", des von allen nunmehr akzeptierten Oberhauptes, feiert; märchenhaft und wunderbar - genauso märchenhaft (und weniger dann wunderbar) wie zu Beginn des Abends, wo ein etwas schwärzer anmutendes Kunst-Video auf Hänsel und Gretels anfängliches Aussetzungsschicksal (abzüglich Knusperhäuschen- resp. Hexenmorderweiterung) vorsichtig aufmerksam zu machen trachtete. 

Ja, irgendwie doch anrührend das Alles.'' schreibt Andre Sokolowski am 8. Juni 2018 auf KULTURA-EXTRA
WAR DIE KRITIK HILFREICH FÜR DICH?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ein Phantom geht um...
  · 08.06.18
Ein Berliner Fast-Food-Laden, am frühen Morgen. Die Mitarbeiter sind müde und gereizt nach einer langen Schicht und sammeln missmutig den Müll auf. Einer drängelt immer wieder, er will unbedingt seinen Bus erwischen, als plötzlich ein spitzer Schrei erklingt. Ein Baby! Da liegt ein Baby. Eine der Mitarbeiterin hat ein schlafendes Baby gefunden, kaum ein Tag alt. Der Arbeitsalltagstress ist plötzlich vergessen, die MitarbeiterInnen versammeln sich um das kleine Bündel. Die Polizei wird gerufen, die Fürsorge trägt das kleine Menschlein fort, aber in den Köpfen der Finder ist das Baby noch lange präsent.
Wer könnte das Baby dort hingelegt haben? Und warum? Wer ist dieses Phantom, diese namenslose Frau? Was ist wohl in ihr vorgegangen, als sie ihr wenige Stunden altes Baby in einem Burgerladen abgelegt hat? Alle glauben sich zu erinnern, dass eine Gruppe Zigeunerinnen mit ihren Kindern am Abend im Laden waren. „Aber die lieben doch Kinder!“, sagt eine der Mitarbeiterinnen ungläubig. „Ach was und manchmal kaufen sie sich sogar welche“, wird ihr sarkastisch über den Mund gefahren. Ganz einig sind sie sich nicht, diese fünf Mitarbeiter (Christian Giese, Lisa Klabunde, Amelie Köder, Frederic Phung, Luisa-Charlotte Schulz), in ihren Meinungen, Vorurteilen und Klischees, die sie der unbekannten Frau überstülpen wollen. Daher ändert sich das Bild auch immer wieder und wieder, mit dem sie die Frau zeichnen, der sie den Namen Blanca geben. Blanca ist einmal eine mutige junge Frau, ungestüm und voller Tatendrang will sie die Enge und die Ausweglosigkeit ihres Dorfes hinter sich lassen und in der Ferne ihr Glück versuchen. Dann ist sie wieder ängstlich, unwillig alles hinter sich zu lassen, was sie kennt. Ihre Großmutter ist es, die entscheidet, dass sie nach Deutschland zu gehen hat, um in der Firma ihres Cousins genug für die ganze Familie zu verdienen. „Wenn du Fuß gefasst hast, dann kommen wir nach! Die Zukunft unserer Familie liegt auf deinen Schultern!“ In Deutschland angekommen, merkt Blanca aber recht schnell, das nichts so ist, wie sie es sich vorgestellt hatten. Und dass sie um Geld zu verdienen, vor allem eins braucht: Geld. Prostitution? Ist das die Antwort? Kommt das Baby daher? Nein – das wäre zu leicht. Blanca ist fleißig, sie findet Arbeit als Spargelstecherin. Sie schickt Geld nach Hause und lernt langsam, sich an die Begebenheiten in Deutschland anzupassen. Ach so! Also hat sie dort auf dem Feld jemanden kennengelernt und dann… Nein – das wäre zu leicht.
Nichts ist so leicht, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Phantom folgt nicht dem Klischeedenken in unseren Köpfen und weigert sich auch, Opfer zu sein. Ein schlaues und lustiges und trauriges und aufwühlendes Stück, das vor allem von den tollen Darstellern und ihrem nahtlosen Wechseln zwischen den Personen lebt. Manchmal springen die Schauspieler auch ganz aus der Rolle und ereifern sich über das, was da auf der Bühne geboten wird oder drohen gar, nicht mehr mitspielen zu wollen...
Nicole Haarhoff - www.berlineransichtssachen.com
WAR DIE KRITIK HILFREICH FÜR DICH?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich anmelden:
Grips Theater
www.grips-theater.de
Altonaer Str. 22 - 10557 Berlin
Telefon: 030 - 3974740

SPIELPLAN & KARTEN
3.9
Durchschnittsnote aller Stücke
5 13
4 14
3 8
2 4
1 0
Kritiken: 19
 AUF DER BÜHNE © 2018                            
                               
                                                                                                                                         Anmelden  Registrieren
Toggle Bar

Wie fandest du die Inszenierung?             

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Wir würden uns über deine Meinung sehr freuen. Du musst dich dafür nicht registrieren.

x