Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Bewertung und Kritik zu

DIE HAMLETMASCHINE
nach William Shakespeare und Heiner Müller
Regie: Sebastian Nübling
Premiere: 24. Februar 2018 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

eventimKARTEN ONLINE BESTELLEN
Buch jetzt bestellen

Die HamletmaschineZum Inhalt: Mit diesen Worten endet Hamlets berühmter Brief an Ophelia, in dem er versucht, dem einzig geliebten Menschen seinen Ausstieg aus dem System der Norm anzukündigen. Das Wort »machine« taucht bei Shakespeare nur ein einziges Mal auf. Es bezeichnet den Körper, der in der barocken frühaufklärerischen Zeit oft als Maschine, als aus vielen Teilen zusammengesetztes Wunderwerk, bezeichnet wurde. Shakespeares Stück selbst ist eine solche Theaterzaubermaschine. Eine Reflexion über Tod und Religion, über Norm und Wahnsinn, über Macht und Ohnmacht. Und neben all dem auch ein großer Text über das Theater selbst.

1977 schrieb Heiner Müller mit Die Hamletmaschine eine Adaption, die die Maschine im Titel führt. Müller stellt die Position des Intellektuellen in einer Welt, die aus den Fugen ist, radikal in Frage, er seziert Shakespeare und setzt die verbliebenen Fragmente neu zusammen. Welches Spiel spielt wer mit wem und für wen, wer ist Zuschauer*in und wer Akteur*in im Spiel zwischen Wirklichkeit und Bühne?

Regie: Sebastian Nübling
Kostüme: Eva-Maria Bauer
Musik: Tobias Koch
Dramaturgie:
Ludwig Haugk 



Meinung der Presse zu „Die Hamletmaschine“

Maxim Gorki Theater


tip
★★★★☆

Tagesspiegel
★★★★☆


nachtkritik
★★★★☆

Berliner Zeitung
★★★☆☆

 

Wie fandest du das Stück?
- ein Klick auf die Sterne -
Schreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Mit zu vielen Textebenen überfrachtet
  · 28.02.18
Mit verfremdeter, Mickey Mouse-artiger Stimme krächzt Mazen Aljubbeh „Heiner Müller“ und „Hamletmaschine“. Seine düsteren, bleischweren Assoziationen zu Shakespeares Klassiker und das Versagen der Intellektuellen, die das Orakel von Ost-Berlin 1977 zu Papier brachte, werden auf schwarze Gaze projiziert, die auf der ansonsten leeren Bühne aufgespannt ist.

Regisseur Sebastian Nübling und das Exil Ensemble belassen es aber nicht dabei, sondern türmen noch weitere Mythenüberschreibungen und Texte darauf, die aus der Feder des Müller-Kenners und Oberspielleiters Ayham Majid Agha stammen. Fast so hermetisch und raunend wie sein Vorbild verknüpft er biblische Motive (den Brudermord von Kain und Abel) mit Figuren aus griechischen Tragödien (Agamemnon, Elektra) mit dem blutigen Bürgerkrieg in Damaskus.

Das ist alles ungeheuer anspielungsreich und packt in einen Bruchteil der Zeit noch mehr unterschiedliche Stoffschnipsel als ein Castorf-Abend. Als intellektuelles Gedankenspiel ist das anregend und lädt dazu ein, den Fährten und kulturgeschichtlichen Bezügen nachzuspüren, von denen Mounia Meiborg im Kulturradio einige entschlüsselte. Die mehrfache Überschreibung funktioniert aber als Lektüre wesentlich besser als auf der Bühne.
Weiterlesen auf Das Kulturblog
War die Kritik hilfreich
''Eingebettet sind diese in Arabisch vorgetragenen Texte in eine Performance von meist pantomimisch agierenden Horrorclowns in farbigen, vorn geknöpften Unterwäsche-Bodys und grellen Masken, die schon zu Beginn unter eingespielten Lachern kleine Kunststückchen vollführen. Den oben zitierten Eingangsmonolog quäkt Mazen Aljubbeh mit verstellter Stimme ins Mikro, während er wie beiläufig geräuschvoll einen Bleistift anspitzt. Kenda Hmeidan bläst mit einer Pumpe Luftballonschlangen auf und lässt sie mit lautem Knall zerplatzen. Tahera Hashemi zieht einen großen Hammer hinter sich her. Die im Text beschriebene Gewalt wird hier nur pantomimisch angedeutet. Wenn vom zu engen Hals die Rede ist, würgt man sich in Schleife im Hintergrund. Auch die zynische Äußerung Hamlets „Man sollte die Weiber zunähen, eine Welt ohne Mütter“ wird entsprechend bebildert. 

Selbstbewusst zeigen sich die Frauen im Ophelia-Monologteil, wenn sie Müllers Frauenbild kritisch hinterfragen. Dass der Selbstmord einer Frau am Anfang einer Revolution stehen soll, will ihnen nicht einleuchten. Zu Beginn des SCHERZO-Teils spielt Kenda Hmeidan eine ironische Penisnummer mit einer Luftballonschlange, bis sie von einem der Männer verdrängt wird. Zu wilden Ethnobeats entwickelt sich dann ein wildes Tänzchen. Aus Müllers zweitem Clown im kommunistischen Frühling wird in Ayham Majid Aghas Kommentar schließlich der dritte Clown im Arabischen Frühling. 

In seinem dritten Kommentar zum Ungarn-Teil „Pest in Buda...“ schlägt Agha dann die direkte Brücke, wenn er von Berlin als Hafenstadt „in einem Meer von Blut, das bis nach Damaskus reicht“ spricht. Es werden die Hamlets und Ophelias unserer Tage aus Syrien, dem Iran, Libanon oder Jemen aufgezählt. Eine Geschichte von Verfolgung, Gefängnis, Folter und Flucht, die bis nach Kanada oder Deutschland führt. Und auch in Tahera Hashemis abschließendem Elektra-Monolog bekommen die Worte aus dem „Herzen der Finsternis. Unter der Sonne der Folter“ „Im Namen der Opfer“ eine ganz aktuelle Bedeutung. Hier wird Heiner Müller als Chronist gescheiterter Revolutionen durch die Erfahrungen des Exil-Ensembles direkt aus der Vergangenheit in die Gegenwart katapultiert.'' schreibt Stefan Bock am 27. April 2018 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
>>Mich interessiert es auch nicht mehr.
  · 04.03.18
Gorkis Exil Ensemble produziert zusammen mit dem Regisseur Sebastian Nübling und dem Text von Heiner Müllers >>Die Hamletmaschine<< unter Verwendung von Texten von Ayham Majid Agha den dritten Clown im Arabischen Frühling.

Der Dramatiker Heiner Müller befasst sich in seinem Werk >>Die Hamletmaschine<< (1977) mit der Situation des Intellektuellen in der Zeit der DDR. Dort ist der Intellektuelle zum Zuschauer von Aufständen und Revolutionen geworden. Er ist der zweite Clown im kommunistischen Frühling, welcher das Volk mit belangloser Kunst unterhält und nicht ins zeitliche Geschehen eingreift. Dieses Motiv greift das Exil Ensemble des Maxim Gorki Theater in Berlin auf und transportiert es nach Syrien. Hier befindet sich Müllers Intellektueller als dritter Clown im Arabischen Frühling. Insgesamt befinden sich in Sebastian Nüblings Inszenierung >>Die Hamletmaschine<< sieben Schauspieler als Clowns auf der Bühne. Die Schauspieler stammen aus Syrien, Palästina oder Afghanistan. Alle kommen aus Kriegsgebieten, haben Fluchterfahrung und leben im Exil. Müllers Text >>Die Hamletmaschine<< wird an diesen Abend nur kaum gesprochen. Er erscheint hauptsächlich als Projektion in Deutsch, Englisch und Arabisch. Nur selten wird Bezug zum Text genommen. Müllers Drama wird mit Texten von Ayham Majid Agha ergänzt, welche die Clowns über den Brudermord von Kain und Abel nach Syrien, Damaskus, führt. Figuren und Handlungszusammenhänge verschwinden. Im Vordergrund von Nüblings Interpretation steht die belanglose Kunst der Clowns. >> Drama findet nicht mehr statt.<<, weder auf der Bühne noch in der Realität. Weiterlesen!
War die Kritik hilfreich
0 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Der Krieg als Show und Spektakel
  · 26.02.18
''Der Abend hat eine sehr eigene, abstrakte Form, die dem Inhalt gut tut. Der Regisseur Sebastian Nübling ist bekannt dafür, dass er die Schauspieler zu einem sehr körperlichen Spiel animiert. Das klappt hier unterschiedlich gut: Einige  – zum Beispiel Kenda Hmeidan, Mazen Aljubbeh und Karim Daoud – machen das sehr gut. Andere fremdeln etwas mit diesem pantomimischen Spiel.

Aber: Dieser Abend erzählt eindringlich vom Krieg als Spektakel und Show, bei der wir alle Zuschauer sind. Und dieser düstere, groteske Totentanz packt einen, wenn man sich darauf einlässt.'' schreibt Mounia Meiborg am 26. Februar 2018 auf kulturradio.de
War die Kritik hilfreich
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich anmelden:
DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN
eventim Reservix Ticketing System

TICKETS BEI EVENTIM KAUFEN

ANZEIGE



ANZEIGE

 AUF DER BÜHNE © 2019                            
                              
X

Right Click

No right click