Blood Moon Blues

Bewertung und Kritik zu

BLOOD MOON BLUES 
von Yael Ronen & Orit Nahmias
Premiere: 20. November 2022 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

Zum Inhalt: Der Nubische Steinbock lebt in felsigen Wüstenregionen. Und genau hierhin hat sich auch Elinor zurückgezogen. Denn nachdem sie ein Leben lang am Rande des Abgrunds tänzelte, dabei gelassen und standhaft blieb, bringt eine erschütternde Information sie nun zum ersten Mal aus dem Gleichgewicht. Nahe des Toten Meeres, zeltet sie in der Wüste und brütet über ihr Leben. 

Als Eli ihre Tochter zu sich bestellt, weiß sie nicht, dass diese längst zu ihr unterwegs ist und mit einer ehemaligen und dem aktuellen Geliebten Elis nach ihrer Mutter sucht …

Regie: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Yaniv Fridel, Ofer Shabi
Video: Stefano Di Buduo
Dramaturgie: Yunus Ersoy, Irina Szodruch
Licht: Arndt Sellentin


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Die mit dem Wolf heult
  · 21.11.22
''„Es geht um Leben und Tod“, heißt es da. Weil Elinor aber nicht nur wegen ihrer Bipolarität ein schwieriger Charakter ist und es auch sonst mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, beeindruckt das ihre Tochter erstmal gar nicht. Sie hat die Mutter früher öfter in ihren manischen Phasen erleben müssen. Widerwillig macht sich Luna (Aysima Ergün), die Elinor zwei Jahre nicht gesehen hat, mit der nicht minder exzentrischen und eifersüchtigen Gabriella (Vidina Popov) und dem dauerlabernden und -grinsenden Sonnyboy Greg (Doğa Gürer im viel zu kurzen Kimono) auf die Reise in die Wüste. Die hat Wolfgang Menardi als felsige Pappkulisse auf die Bühne gebaut. Im Hintergrund und über das Portal flimmern farbenprächtige Videoanimationen (Stefano di Buduo) von Springböcken, Eulen und Wölfen, mit denen Mutter und Tochter schon früher gern geheult haben.

Das ist im ersten Teil des Abends noch recht well made, mit spitzen Pointen, die sich zur dramatischen Fallhöhe auf Felsmassiv über gefährlichen „Sinkhöhlen“ auftürmen sollen. Yaniv Fridel und Ofer Shabi liefern den passenden Ethno-Jazz zum Famely-Showdown in der Negev-Wüste. Bei einer gemeinsamen Aussprache offeriert dann Elinor den anderen ihre Krebserkrankung als Befreiung, was zur weiteren Zuspitzung der verkorksten Situation beiträgt. Orit Nahmias brilliert als manipulativer Gefühls-Guru mit weißem Langhaar und bunt gemustertem Umhang (Kostüme: Amit Epstein). Als Beziehungs-Komödie ist das Ganze etwas zu hoch gegriffen, als psychologisches Drama aber auch nicht tiefschürfend genug. Man weiß nicht wirklich, ob man eher weinen, oder doch besser lachen sollte. Nach halbwegs unterhaltsamen 90 Minuten ist die Luft am Ende so ziemlich raus. Macht nichts, auch die erfolgsverwöhnte Yael Ronen kann nicht immer einen theatralen Volltreffer landen.'' schreibt Stefan Bock am 22. November 20222 auf KULTURA-EXTRA
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Dünne Komödie über bipolare Störung
  · 20.11.22
Markenzeichen der Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen ist, dass sie auf schmerzhafte Themen wie Suizid-Gedanken, bipolare Störung und Krebsdiagnosen zusteuert und versucht, daraus kurzweilige Komödien zu machen. In ihrer neuen Stückentwicklung „Blood Moon Blues“, die sie mit ihrer israelischen Landsfrau, der Hauptdarstellerin Orit Nahmias, entwickelte, bleibt es jedoch beim Versuch.

Das Stück-Skelett, das sie sich um die genannten Themen ausgedacht haben, bekommt kaum Fleisch. Irgendwo in einem Ashram in der Wüste hat Elinor (Nahmias), die drei Menschen um sich versammelt, die sie zum Teil schon seit Jahren manipuliert: ihre Tochter Luna (Aysima Ergün) und ihre Partnerin und ehemalige Ärztin Gabriella (Vidina Popov) sind extra herbeigeeilt, schon vor Ort war ihr „Soulmate“ Greg, ihr 22jähriger Toyboy, den Ensemble-Neuzugang Doğa Gürer verkörpert. Dünn bleiben die 90 Minuten, in denen viel frontal ins Publikum gesprochen wird.

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