Operation Mindfuck

Bewertung und Kritik zu

OPERATION MINDFUCK 
von Yael Ronen, Dimitrij Schaad
Premiere: 28. Mai 2022 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

Zum Inhalt: In Trollfabriken werden Stories produziert und das wertvollste Asset der Welt – persönliche Daten – ihren ursprünglichen Besitzer*innen als maßgeschneiderter Content zurückverkauft. Da wird, mitten hinein in die Demokratiemüdigkeit, ein Politiker neuen Typs gecastet: wandlungsfähig entsprechend dem Erregungspotential und der (Falsch-)Nachrichtenlage, der nicht mehr Wähler*innen überzeugen, sondern dessen Performance seinem Publikum, seinen Followern, gefallen soll: Einer für alle, die Teil der Community sein wollen, und alle zusammen alles für den einen geben. Doch was, wenn den geheimen Strippenzieher*innen schließlich selbst die Fäden entgleiten und die »Operation Mindfuck« zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird?

Ein wilder Ritt durch Filterblasen, Verschwörungstheorien und unglaubliche historische Begebenheiten – based on a true story, but not really. Ein richtiger Mindfuck eben.

Regie: Yael Ronen
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Yaniv Fridel, Ofer Shabi
Video: Stefano Di Buduo
Dramaturgie: Clara Probst, Yunus Ersoy, Irina Szodruch


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Spannendes Thema verschenkt
  · 29.05.22
Sie könnten ein Dream Team sein: Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen, die mit ihren hochtourigen, mit autofiktionalen Anekdoten spielenden Polit-Komödien ihr eigenes Genre geschaffen hat, und Dimitrij Schaad, ehemaliges Aushängeschild des Gorki-Ensembles, der hier zum zweiten Mal als ihr Co-Autor fungiert, aber leider nicht mehr selbst auf den Brettern seines langjährigen zweiten Wohnzimmers steht. Auch die Themenwahl ist vielversprechend: Trollfabriken, Fake News und Verschwörungstheorien sind höchst relevante Probleme, die die Stabilität unserer Demokratie herausfordern.

Um so enttäuschender ist, dass „Operation Mindfuck“ ein flacher, banaler Abend geworden ist. Einfall reiht sich an Einfall, aber Ronen/Schaad erreichen mit ihrem fünfköpfigen Ensemble nicht mal das Niveau einer unterhaltsamen Nummernrevue. Dafür hat der Abend auch zu viele handwerkliche Schwächen. Aysima Ergün und Maryam Abu Khaled starten als Neu-Einsteigerinnen in der Trollfabrik von Erin (Orit Nahmias) noch mit hübschem Comedy-Tempo, aber die skurrilen Ideen des flachen Plots werden immer abgedrehter. Es wirkt so, als hätte sich das Team bei den Proben und in der Kantine die Bälle zugespielt und jeder durfte noch eins draufsetzen, nichts wurde verworfen, alles einfach aneinandergereiht. Drei Dramaturginnen werden auf dem Abendzettel genannt, davon ist aber wenig zu spüren. Eine Stadtthester-Produktion, die in wenigen Wochen erarbeitet wird, muss ja nicht gleich den Schliff einer im Writers´ Room ausgetüftelten Hochglanz-Serie eines Streaming-Anbieters haben. Aber dieses Ergebnis ist doch sehr enttäuschend.

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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ein auf Dauer ziemlich müder Ulk
  · 31.05.22
''Den Titel Operation Mindfuck hat sich das Autoren-Team aus der Illuminatus!-Romantrilogie der US-amerikanischen Bestsellerautoren Robert Anton Wilson und Robert Shea entlehnt. Eine Abenteuergeschichte, die auf satirische Weise mehrere historische und fiktive Verschwörungstheorien miteinander vermengt. Und da wird auch im Stück irgendwann ziemlich fett aufgetischt. Von der als Erzählerin fungierenden Alice (Aysima Ergün) bekommt das Publikum im Schnelldurchlauf die Geschichte der Verschwörungstheorien vermittelt, die von den beiden Schauspielern Taner Şahintürk und Till Wonka hinter ihr als parodistischer Slapstick performt werden. Ein einziger LSD-Trip von den Illuminaten über die Zahl 23, das Auge der Pyramide, Lee Harvey Oswald und den Kennedy-Mord bis zu Watergate und Nazi-Zombies auf dem Grund eines Sees in Ingolstadt.

Dazu erscheint noch Orit Namias als Eris, griechische Göttin der Zwietracht, in der römischen Mythologie auch als Discordia bekannt. Mit ihrem Zankapfel löste sie den Trojanischen Krieg aus. Hier geistert sie als Hirngespinst der bekifften Robert Anton Wilson und Kerry Thornley, dem Gründer des sogenannten Diskordianismus, über die Bühne, entpuppt sich später aber als undurchsichtige, doch sehr reale Troll-Administratorin und Chefin der beiden Creative Writing und Kulturjournalismus studierenden Freundinnen Alice und Maze (Maryam Abu Khaled), die sich als Fakenews-Produzentinnen das magere Bafög aufbessern. Da bekommt Creative Writing endlich mal einen Sinn. Wenn es mit dem Stückeschreiben oder Kulturjournalismus nicht mehr klappt, kann man also immer noch als Internet-Troll reüssieren, die entsprechend starken Nerven vorausgesetzt.'' schreibt Stefan Bock am 1. Juni 2022 auf KULTURA-EXTRA
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