Death Positive - State of Emergency

Bewertung und Kritik zu

DEATH POSITIVE - STATE OF EMERGENCY
von Yael Ronen & Ensemble
Premiere: 2. Oktober2020 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

Zum Inhalt: Für dieses Projekt begibt sich Yael Ronen mit dem Ensemble auf eine Recherchereise ins Unwägbare und Ungewisse der Krise, die wir gerade alle erleben. 

Die Erfahrung der Pandemie und des »lock down« bringt vielen Menschen, Bevölkerung und Regierung, die Erfahrung eines gewaltigen Verlustes an Kontrolle über das alltägliche Leben und Handeln. Die plötzliche kollektive Konfrontation mit Krankheit und Tod wird begleitet von politischen und emotionalen Ausnahmezuständen, von großer Angst und großer Wut. Unserer Sterblichkeit ist in die Welt zurückgekehrt. Die Suche nach einem Umgang mit dieser Erfahrung beginnt am Nullpunkt des gegenwärtigen Nichtwissens.

Regie: Yael Ronen
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Cleo Niemeyer
Musik: Yaniv Fridel, Ofer Shabi
Video: Stefano Di Buduo
Dramaturgie: Jens Hillje


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Corona-Kabarett und Reflexion übers Loslassen
  · 10.10.20
Das Spannende an dieser Stückentwicklung ist, dass der 75minütigen Revue autobiographischer Monologe anzumerken ist, wie Hausregisseurin Yael Ronen und ihr Ensemble in einer Sackgasse landeten und sich wieder herausarbeiteten.


Die Corona-Kabarett-Nummern der ersten Hälfte sind gut gemacht, aber zünden doch nicht so recht. Das liegt vor allem daran, dass die Ideen zu naheliegend sind. Nur einen Tag vor der Premiere am Gorki Theater hatte Sarah Franke einen ganz ähnlichen Auftritt als Corona-Hygiene-Beauftragte, die in der ohnehin überfrachteten „Orestie“-Inszenierung an der Volksbühne wie ein Fremdkörper wirkte. Die Klopapier-Witze, die Magda Willi für ihr Bühnenbild nutzte, waren schon im April abgedroschen.


Als der Kabarett-Revue die Luft auszugehen droht, nimmt der Abend jedoch eine völlig andere Richtung: sehr ernste Töne schlagen Knut Berger und Orit Nahmias ein. Beide erzählen in langen Monologen, die zum Herzstück der Inszenierung werden, vom Sterben ihrer Eltern und vom schwierigen Prozess des Loslassens. Allerdings starben die Eltern weder an Corona noch in den vergangenen Pandemie-Monaten, sondern schon vor einigen Jahren an Krebs oder Herzversagen.

„Death Positive – States of Emergency“ ist alles andere als aus einem Guss. Zu offensichtlich ist hier, wie das Team versuchte, unterschiedliche Miniaturen zu verbinden und neu zu arrangieren, den Druck des Premierentermins im Nacken. Aber gerade darin besteht auch ein Reiz des Abends, in seinem Facettenreichtum und in seiner Risikobereitschaft, sich mittendrin auf neue Wege vorzutasten.

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