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Bewertung und Kritik zu

DAMNED BE THE TRAITOR OF HIS HOMELAND!
Oliver Frljić & Ensemble, Mladinsko Theatre
Premiere: 25. Oktober 2018 
Maxim Gorki Theater, Berlin

© Gorki TheaterZum Inhalt: Jugoslawien wurde vom Bürgerkrieg verschlungen und in eine Handvoll verwundeter Nationalstaaten zerhackt. Oliver Frljić führt ein humanistisches Plädoyer über Liebe und Hass für das Theater und präsentiert ein Manifest, das private und historische Dramen miteinander verwebt. Dies ist ein Theater des Kampfes, ein Ritual, in dem sich die Toten türmen; eine klare Erinnerung daran, dass das Land noch immer nass von dem Blut tausender Opfer ist.

Das Stück Damned be the traitor of his homeland! ist mit seinem Ensemble aus verschiedenen Regionen des Balkan ein eindringlicher Blick auf persönliche Verantwortung. Extremer Schmerz und Leiden, ungehemmte Freude, ungezügelter Hass, maßlose Tränen – alles wird erhöht. Doch die Seele des Stückes ist weniger schauspielerische Illusion als schonungslose Klarheit. Die Schauspieler*innen nutzen die Kriegszeit und politische Erschütterungen, um universelle Fragen zu stellen: über die Grenzen der künstlerischen und sozialen Freiheit, über individuelle und kollektive Verantwortung, über Toleranz und Stereotype.

Frljićs »Theaterrealität« zitiert Vorurteile und Verallgemeinerungen der jüngeren Geschichte und nimmt Vorstellungen von Identität und Zugehörigkeit mitsamt ihrer Klischees ins Visier. Er legt die die Vieldeutigkeit offen, die im Herzen der kollektiven Erinnerungen nistet, irgendwo zwischen Realität und Fiktion. Mit dieser kraftvollen Darstellung der jugoslawischen Tragödie – einer politischen Farce, die hinter Musik und leichter Unterhaltung mit bitterem Humor die Verwundung offenlegt – hält Frljić seinen Schauspieler*innen, seinem Publikum und dem Theater selbst einen verstörenden Spiegel vor.

Mit Primož Bezjak, Olga Grad, Uroš Kaurin, Boris Kos, Uroš Maček, Draga Potočnjak, Matej Recer, Romana Šalehar, Dario Varga, Matija Vastl

Mit freundlicher Unterstützung des Slowenischen Kulturzentrums Berlin

Performance im Rahmen des Festivals WAR OR PEACE - CROSSROADS OF HISTORY 1918 / 2018



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Fast zehn Jahre alte, provokante Aufarbeitung der Balkan-Kriege
  · 25.10.18
Häufiger wiederkehrende Motive aus Oliver Frljićs Arbeiten sind in „Damned be the traitor of the homeland“ klar zu erkennen: der makabre Scherz eines Schauspielers, dass der Regisseur bei einem Unfall gestorben sei, oder die offensive Beschimpfung des Publikums, das mit Vorwürfen überzogen wird. Mit ähnlichen Stilmitteln hat Frljić im vergangenen Jahrzehnt – vor allem in Polen und auf dem Balkan – manchen Skandal provoziert und auch den Münchner Marstall aufgeschreckt.

„Damned be the traitor of the homeland“ ist allerdngs deutlich anzumerken, dass die Arbeit aus einer frühen Phase von Frljićs Karriere stammt: auch heute geraten ihm manche Produktionen noch etwas holzschnittartig, aber diese Inszenierung, die 2010 am Mladonski Theatre im slowenischen Ljubljana Premiere hatte und im Anschluss zu diversen europäischen Festivals eingeladen werde, ist ein ganzes Stück von seinen stärksten aktuellen Produktionen wie „Mauser“, „Balkan macht frei“ oder „Der Fluch“ entfernt, in denen er subtiler mit angedeuteten und stärker ironisch gebrochenen Provokationen spielt.

Damals, vor mittlerweile fast zehn Jahren, mag es wie ein Befreiungsschlag gewirkt haben, dass die Spieler*innen in kabarettistischen Wortgefechten gegeneinander sticheln und zwischen ironisch vorgetragenem Balkan-Pop und Volksliedern in den Wunden bohren, die der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die Kriege in den 1990er Jahren hinterließen. Es war damals vermutlich auch ein Schock für das Publikum in Ljubljuna, so frontal und aggressiv angeschnauzt zu werden. Heute bekommt Primož Bezjak nur freundlichen Applaus und wissendes Kichern, wenn er in seinem aktualisierten Monolog unter Pistolenschüssen dem Berliner Publikum im besonderen und dem Westen im allgemeinen die Leviten liest, dass die Empörung über Menschenrechtsverletzungen selektiv ist und mit Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren lieber Geld verdient wurde als sich näher mit den moralischen Fragen der Rüstungsexporte auseinanderzusetzen.

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