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Bewertung und Kritik zu

JUGEND OHNE GOTT 
nach dem Roman von Ödön Von Horváth
Regie: Nurkan Erpulat 
Premiere: 12. April 2019 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

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Zum Inhalt: Die Jugend ist die Hoffnung. Sie ist noch nicht verbraucht, sie hat noch einen moralischen Grundimpuls, ist noch nicht abgestumpft und resigniert. Oder? Was, wenn ein Lehrer beim Korrigieren der Klassenarbeiten plötzlich mit Menschenverachtung und Rassismus konfrontiert wird? Wenn er sich einer Klasse gegenüber sieht, die komplett verinnerlicht hat, was ihr Umfeld vorlebt? Horváths im Jahr 1937 erschienener Roman Jugend ohne Gott ist die hellsichtige Analyse einer Gesellschaft, an der sich Werte-, Norm- und Moralverschiebung feststellen lassen. Horváth zeichnet darin am mikrokosmischen Abbild einer Schulklasse die schleichende Veränderung eines politischen wie auch gesellschaftlichen Systems, das sich in der Schule – dem Ort der Gesellschaftsbildung – manifestiert und an den Schülern offensichtlich zu Tage tritt.

Der Lehrer Horváths ist dabei kein Held, ist keiner, der sich seiner Sache sowie sich selbst gewiss ist, vielmehr ist er einer, den die Beobachtungen seiner Schüler an sich und der ihn umgebenden Gesellschaft zweifeln lassen. Er hadert und ringt mit sich, indem er sich in einer von Verrohung und Vermassung bedrohten Gesellschaft als aufrichtiges Individuum zu behaupten versucht. Nurkan Erpulat, Hausregisseur am Gorki, wird Horváths Stoff auf seine Gegenwärtigkeit hin befragen. Die Autorin Tina Müller wird dafür einzelne Motive des Romans aktuell recherchieren sowie überschreiben und in ihre Bearbeitung der Romanvorlage einfließen lassen. Das für diese Inszenierung eigens zusammengesetzte Ensemble von jungen Spieler*innen wird Schauspieler Denis Geyersbach als Lehrer gegenüber gestellt sein. Auf der Grundlage von Jugend ohne Gott fragen sie gemeinsam: Welche Werte sind ihnen wichtig, welche Normen prägen sie und die Gesellschaft heute? Und: Wie sieht sich der Einzelne und kann sich behaupten?

Regie: Nurkan Erpulat 
Text: Tina Müller
Bühne: Alissa Kolbusch
Choreografie: Modjgan Hashemian
Kostüme: Lea Søvsø
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Musik: Michael Haves
Video: Isabel Robson
Licht: Gregor Roth


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3.0/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Plausible Perspektivumkehrung
  · 15.04.19
''Die Jugendlichen stecken in einem Wertevakuum, das anfällig macht für Ideologien jedweder Art. Bei Horváth sollen sie für den Krieg fit gemacht werden – heute sind sie überfordert von den Ansprüchen einer grenzenlosen Welt. Nachvollziehbar, dass sich eins der Mädchen in eine rechtsextreme Wertewelt rettet, die klare Antworten gibt.

Die grundlegende Manipulierbarkeit und Verführbarkeit des Menschen, die Horváth konstatiert, wird dabei nicht thematisiert. Ohnehin zitieren Müller und Erpulat nur einzelne Roman-Motive, im Zentrum steht der moralische Druck, den Erwachsene auf junge Menschen ausüben.

Entstanden ist eine plausible Perspektivumkehrung, die als Generationenporträt allerdings  zu eindimensional gezeichnet ist. Warum die Jugendlichen morden, lässt sich kaum mit der Überforderung durch Plastikmüll und Klimawandel erklären. Die Verfassung der jungen Generation Hier und Heute hätte eine noch genauere Analyse verdient gehabt.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Jugend ohne Gott
  · 13.04.19
''Es wird viel live gefilmt. Denis Geyersbach, der erst später seinen Auftritt als Lehrer hat, hält die Kamera immer wieder dicht vor die Gesichter der Jugendlichen, die dann in oft verfremdeten Großaufnahmen auf der Rückwand zu sehen sind. Darauf werden auch Zwischenüberschriften projiziert, die Themen benennen, um die es in den Berichten der Schüler geht. Immer wieder tauchen dabei Motive aus Horvaths Roman wie Befragungen der Schüler vor Gericht, das paramilitärische Zeltlager, oder die Geschichte mit dem vom Lehrer erbrochenen Kästchen mit dem Tagebuch auf. Inhaltlich geht es aber schon um die Probleme der Jugendlichen, die sich im Anspruch des breiten Wertekanons der heutigen Zeit nicht mehr zurecht finden. So beklagen sie sich darüber, dass stets von ihnen erwartet wird, sich kritisch, dabei aber auch immer politisch korrekt zu äußern, oder sich für die Umwelt einzusetzen. Aber auch Kritik am Selbstoptimierungswahn via Instagram und YouTube wird geübt. Es wird gedisst und gemobbt, Diskussionen über den Gebrauch des N-Worts arten aus und eine Schülerin outet sich selbstbewusst als AfD-Anhängerin.

Mit dem Bus geht es aus Berlin ins Zeltlager nach Sachsen. Dabei werden Zeltstangen an der Rampe zusammengesteckt und ein Zelt aufgebaut. Etwas Lagerfeuerfeeling kommt mit dem melancholischen Song "Fade Into You" von Mazzy Star auf. Aber es fehlt den Jugendlichen sichtlich an Orientierung, Hoffnung und Vertrauen in ihren Lehrer, den sie als nur wie ein Fisch beobachtend bezeichnen. Auch ein wichtiges Motiv aus Horváths Roman, das hier zur Anklage der Jugend gegen den Lehrer wird. Der kommt dann auch noch ausführlich zu Wort, in einem allerdings recht langen Monolog, der die Erlebnisse im Zeltlager um das Tagebuch schildert und die Beziehung eines der Jungen mit dem Mädchen aus der Räuberbande, die der Lehrer schweigend beobachtet. Eine Selbstreflektion in Sachen Schuld oder Selbstkritik der Erwachsenengeneration, das bleibt hier offen, wie der ganze Abend auch ein wenig an seinem für das Gorki mittlerweile typischen Frontalerzählstil krankt und schließlich in einem Epilog mit der Ansprache eines Astronauten aus der Zukunft an die Enkel mündet.'' schreibtStefan Bock am 13. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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