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Bewertung und Kritik zu

MACHINE MÜLLER 
nach Heiner Müller
Regie: Kirill Serebrennikov 
Berlin-Premiere: 31. März 2018 (Gastspiel)
Deutsches Theater Berlin

Zum Inhalt: Kirill Serebrennikovs berühmte Inszenierung Machine Müller ist eine Liebeserklärung an den großen deutschen Dramatiker – und erzählt auf frappierende und atemberaubende Art vom menschlichen Körper, der Weltkatastrophe und der Unvermeidlichkeit der Liebe. Auszüge aus HamletmaschineQuartett sowie aus Briefen und Tagebüchern werden zu einem provokanten Bilderreigen verknüpft.

Neben einem fast 30-köpfigen Ensemble aus Tänzern, Musikern und Schauspielern sind drei der ganz großen russischen Schauspieler zu sehen: Konstantin Bogomolov, Alexander Gorchilin, Sati Spivakova sowie der Countertenor Arthur Vasiliyev.

Regie / Ausstattung: Kirill Serebrennikov
Choreografie: Evgeny Kulagin
Video: Ilya Shagalov
Musik: Alexey Sysoyev

Gastspiel Gogol Center Moskau


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Hervorragende Collage aus Müller-Texten, Theater und Tanz
  · 02.04.18
Die 2016 erschienene „Machine Müller“ von Regisseur Kirill Serebrennikow und Choreograph Evgeny Kulagin setzt Maßstäbe, wie poetisch und klug sich Heiner Müllers schroffe Texte für die Bühne adaptieren lassen.

Im Zentrum seiner Collage steht das „Quartett“: Sati Spivakova und Konstantin Bogomolov, zwei namhafte Größen der Moskauer Theaterszene, liefern sich das sarkastische Duell zweier Zyniker, bei denen die Liebe zum Machtkampf wird. Mit eisigem Lächeln setzen sie ihre Spitzen und verschieben den Chor aus zwanzig hervorragenden Tänzerinnen und Tänzern nach Belieben wie Schachfiguren.

Ein herausragendes Erlebnis ist auch die kristallklare Schärfe, mit der Alexander Gorchilin Fragmente aus der „Hamletmaschine“ spricht. Als düsterer Todesengel flaniert er durch das Tanz-Ensemble und schnürt ihnen den Raum ab. Er bringt die ganze Wucht des Texts zur Geltung und geht wie mit Müllers Fleischermesser durch die Berliner Theaterszene, wo die „Hamletmaschine“ derzeit nur als recht fade Clownsnummer des Gorki-Exil Ensembles zu sehen ist. Gorchilin arbeitete bereits seit dem Studium mit Kirill Serebrennikow zusammen und war in der Rolle des Grigoriy auch einer der zentralen Protagonisten im sehenswerten Film „Der die Zeichen liest/The Student“.

Mehr als nur ein Zwischenspiel sind die Aufritte des Countertenors Arthur Vassiljev, der mit Arien von Purcell divenhaft zwischen den Szenen schwebt. Der noch stärkere Affront für die Moralwächter in Putins Apparat und der russisch-orthodoxen Kirche ist sicher die Freizügigkeit, mit der Evgeny Kulagins Tänzerinnen und Tänzer die Schönheit feiern. Ihre „Körperskulpturen“, wie sie Sonja Zekri (Süddeutsche Zeitung) als Moderatorin einer Gesprächsrunde über „Phantasie und Zensur“ nannte, sind wie in Stein gemeißelt und von einer umwerfenden Präzision und Energie, wie sie selten zu erleben sind.

Die „Machine Müller“ ist ein sehr poetischer, kraftvoller Abend, der an keiner Stelle explizit politisch agiert, aber im Subtext sehr viel über Putins Russland erzählt. Das subversive Spiel mit den konservativen Normen von Sexualität und Geschlechterrollen ist ebenso provozierend für die Staatsmacht wie ein zweiter Strang dieses Abends: Gewalt war für Heiner Müller stets ein zentrales Thema in seinem Werk. Videokünstler Ilya Shagalov und Lichtdesigner Igor Kapustin projizieren an den passenden Stellen leuchtende Flammen und Kriegsruinen an die Rückwände. Eindringlich sind auch die Szenen eskalierender Obrigkeitsgewalt, bei der Teile des Tanzensembles mit Helmen und Schlagstöcken auf die anderen losgehen, oder die Passagen zur Sklaverei, bei der sie sich gegenseitig zu Boden drücken.

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