Bad Roads

Bewertung und Kritik zu

BAD ROADS 
von Natalia Vorozhbit
Regie: Tamara Trunova 
Premiere: 17. Mai 2019 (Left Bank Theatre, Kiew) 
Deutschland-Premiere: 9. Oktober 2021 (Gastspiel - Radar Ost) 
Deutsches Theater Berlin 

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Zum Inhalt: Bad Roads ist ein Stück über das Leben und die Liebe in einem vom Krieg zerrissenen Land. Es wurde im Royal Court Theatre in London uraufgeführt und besteht aus sechs Szenen, in denen jeweils ein Aspekt des Krieges im Osten der Ukraine thematisiert wird.
Zerstörte Straßen haben im Rebellengebiet Donbass das Leben (un)gewöhnlicher Menschen zwischen den Fronten zusammengeführt. Eine junge Frau begibt sich auf die Suche nach dokumentarischem Material in diese Region; aber dort, in der Grauzone des Grenzlandes, wird sie zur Geisel beider Seiten. Sie befindet sich irgendwo in der Mitte, wo es weder Gut noch Böse gibt, wo Opfer und Täter:innen unversehens die Rollen tauschen und die Liebe tödlich ist.
Bad Roads erzählt sechs Geschichten über die Beziehung zwischen Frauen und Männern, pervertiert durch den Krieg und über all die Brüche, die nicht mehr heilen werden.

Mit Kateryna Kachan, Oksana Zhdanova, Anastasia Pustovit, Kateryna Savenkova, Svitlana Shtanko, Dmytro Oliynyk, Dmytro Solovyov, Volodymyr Kravchuk, Oleksandr Sokolov, Lesya Samaeva, Valeria Khodos, Andriy Isayenko

Regie: Tamara Trunova
Bühne: Yurii Larionov
Kostüme: Khrystyna Korabelnykova
Musik: Tamara Trunova, Akmal Guriezov
Produktion: Tamara Trunova, Stas Zhyrkov, Volodymyr Sheiko


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Brutalität eines verdrängten Krieges
  · 11.03.22
Um einen seit Jahren schwelenden, im Rest Europas aber verdrängten Krieg ging es in „Bad Roads“ von Natalia Vorozhbyt vom Left Bank Theatre aus Kiew. 2014 reiste die ukrainische Dramatikerin in den Donbass, wo Separatisten die Volksrepubliken Donezk und Luhansk ausriefen.

Als Auftragswerk für das Royal Court Theatre verfasste Vorozhbyt sechs Szenen, die plastisch von den Schrecken des Krieges erzählen: von Vergewaltigungen, Entführungen, Demütigungen. Im Jahr 2019 inszenierte Tamara Trunova das Stück in Kiew als düsteren Zweistünder. Grausamkeit fügt sich an Grausamkeit. Das Szenenbild von Yurii Larionov ist ziemlich plakativ: die Spieler*innen rütteln an einer Gitterwand oder rutschen bäuchlings über eine abschüssige Rampe, bevor sie gezwungen werden, aus einem Napf zu trinken.

Wenige Monate nach dem Gastspiel ist das Schicksal der Ukraine nach Putins Angriff, der sich diesmal auf das gesamte Land und besonders auch auf die Hauptstadt Kiew erstreckt, auf den Titelseiten der internationalen Presse angekommen. Aus aktuellem Anlass streamt Nachtkritik deshalb zwei Tage lang eine Aufzeichnung aus dem Kiewer Theater.

Dank an die Festival-Kuratorin Birgit Lengers und das DT Berlin, die seit Jahren mit langem Atem und jenseits tagesaktueller Konjunkturen nach Osteuropa blicken, interessante Inszenierungen einladen und solidarische Netzwerke knüpfen.

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