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Bewertung und Kritik zu

IN STANNIOLPAPIER
von Björn SC Deigner
Regie: Sebastian Hartmann 
Premiere: 22. Juni 2018
Deutsches Theater Berlin

Zum Inhalt: Eine Frau erzählt. Von ihrem Missbrauchtwerden als junges Mädchen, vom Verrat durch die Mutter, von ihrem Dasein als Prostituierte und von der Gewalt. Lakonisch, mitleidlos und unsentimental. Es sind Szenen eines Lebens, in denen Geld und Gefühl kaum voneinander zu trennen sind. Doch wird dessen Wahrhaftigkeit dadurch nicht weniger dringlich, im Gegenteil: Vielleicht macht ja Geld so etwas wie Gefühl überhaupt erst möglich. Björn SC Deigner hat für seinen Theatertext dokumentarisches Material zusammengefügt und verdichtet. Sebastian Hartmann wird diesen Bericht als visuell überbordende Reise in das Bewusstsein seiner Erzählerin inszenieren.

Mit Frank Büttner, Manuel Harder, Linda Pöppel

Regie / Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Dramaturgie: Claus Caesar

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2.0/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
In Stanniolpapier
  · 25.06.18
''Vollkommen unverständlich, dass das Deutsche Theater ausgerechnet Hartmann mit der Präsentation betraut hat – einen Regisseur, der Stoffe immer höchst eigenmächtig weiterfantasiert. Bei Ibsen und Strindberg führte das zu guten Ergebnissen, neue Stücke aber muss man behutsam anfassen. Hartmann reduziert Maria zum Sexobjekt, zum bloßen Stück Fleisch, steckt sie auf der Bühne in eine Folterkammer, eine moderne Sex-Hölle. Nach draußen dringen fast nur Video-Bilder: ein endloser, penetranter, brutaler Porno, unterlegt mit Techno-Beats.

Für ein Uraufführungsfestival ist das ein Desaster und zeigt einmal mehr, wie wenig der Theaterautor heute wirklich gilt, wie allmächtig der Regisseur agieren kann, wie bedeutungslos Dramaturgen geworden sind. Die Dramaturgie hätte eine solche Inszenierung verhindern müssen.

Das wirft ein ungutes Licht auf die Autorentheatertage – zumal das Festival ja schon früher schlechte Erfahrungen mit Regisseuren gemacht hat, die ihre Handschriften neuen Texten willkürlich überstülpen. Umso paradoxer, als dieses Festival doch ausdrücklich Autoren stärken und ihnen Nachhaltigkeit sichern will: Ihre Stücke werden in Kooperation mit Wien und Zürich in Uraufführungen präsentiert, die dann in den regulären Spielplan wandern.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Brachial gegen die Wand rennend
  · 23.06.18
Für den Paukenschlag zum Schluss der "Langen Nacht der Autoren" sorgte Sebastian Hartmann mit „In Stanniolpapier“. Wie von ihm zu erwarten, nutzte er Björn SC Deigners sachlich-realistisches Drama über eine Prostituierte aus einem Alkoholiker-Haushalt als Steinbruch für Wortfetzen, die Linda Pöppel furios als wuchtige Live-Video-Performance aus ihrem von Manuel Harder und Frank Büttner geschundenen Körper herauspresst und dem Publikum entgegenschleudert.

Bemerkenswert ist dieses Stück, das auch ins Repertoire des DT übernommen wird, vor allem, weil es in seiner brachial gegen die Wand rennenden Ästhetik Mut und Experimentierfreude beweist und vor wenigen Jahren auf dem Spielplan des DT Berlin nicht vorstellbar gewesen wäre. Es ist ein spannender Prozess mit offenem Ausgang, wie Intendant Ulrich Khuon und sein neuer Chefdramaturg Claus Caesaer unterschiedliche Facetten der wesentlich exzentrischeren Volksbühnen-Ästhetik (mit der Verpflichtung von Jürgen Kuttner, René Pollesch, Sophie Rois und dieser bisher radikalsten Arbeit von Sebastian Hartmann am Haus) in den Spielplan und die gediegene, wohlsituierte Atmosphäre des Deutschen Theaters Berlin einspeisen.


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1 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
In Stanniolpapier
  · 23.06.18
''Die Performance von Sebastian Hartmann (Bühne und Regie) fühlte sich allem Anschein nach lediglich inspiriert vom Stoff und Inhalt des ihm vorgelegt Gewesenen; ja und so ähnlich, wie er es dann tat, hätte er auch womöglich mit 'ner vorliegenden Staubsauger-Anleitung frank und frei verfahren können frei nach der Devise "ich bin hier der Künstler, und was mir durch meine Finger kommt, behandele ich so wie ich das will" - das ist die Hybris und das Recht der künstlerischen Freiheit, und das ist selbstredend richtig so; vorausgesetzt dass es sich (außerhalb der immer noch genau dann 70 Jahre andauernden Urheberrechtspflicht) um eine Staubsauger-Anleitung gehandelt hätte: 

Maria, ein minderjähriges Mädchen, wird durch einen Freund der Familie sexuell missbraucht und gerät, wahrscheinlich durch ihn und seine "Vermittlungen", umgehend auf den Strich, wo sie dann in den nächsten Jahren, einerseits sich handwerklich professionalisierend aber andrerseits psychisch und physisch mehr und mehr abbauend, bleibt; zuletzt vermeint man nur noch Schemenhaftes über ihre Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte stichwortmäßig zu erfahren... 

Hartmann lässt die drei bis zur totalen körperlichen Selbsterschöpfung sich verausgabenden Protagonisten - Linda Pöppel als Maria, Manuel Harder und Frank Büttner als Maria-Freier - gehackte Worte oder Wortteile sowie (für diese Art von sprachlich absolviertem Hack-Haschée) Satz- oder Satzteile-Zitate aus sich heraus artikulier'n. Die meiste Zeit des anderthalbstündigen Kunst-Events wird allerdings für die Zurschaustellung von sexuellen Handlungen - von den zwei Live-Kameramännern Dorian Sorg und (immer wenn er grade mal nicht mitspielte) Manuel Harder in zig Nahaufnahmen eingefangen - und entsprechenden Begleitlauten (Tonangeln: Arseniy Kogan und Leonard Däscher) obsessiv verplempert. Null Geschockt- und null Berührtsein. Peinlich, peinlich.'' schreibt Andre Sokolowski am 23. Juni 2018 auf KULTURA-EXTRA
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Deutsches Theater Berlin
www.deutschestheater.de
Schumannstraße 13a - 10117 Berlin
Telefon: 030 284410
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eventim

3.1
Durchschnittsnote aller Stücke
5 59
4 171+
3 161+
2 110+
1 57
Kritiken: 223

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