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Bewertung und Kritik zu 

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL (16+) 
von Wolfgang Amadeus Mozart
Regie: Rodrigo García
Premiere: 17. Juni 2016 
Deutsche Oper Berlin
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Kurze Zusammenfassung: Konstanze, eine junge Spanierin, ihre englische Zofe Blonde und deren Freund, der Diener Pedrillo, sind nach einem Seeräuberüberfall von Konstanzes Verlobtem, dem spanischen Edelmann Belmonte, getrennt und auf einen Sklavenmarkt verschleppt worden. Glücklicherweise kauft sie Bassa Selim, ein gebürtiger Spanier, einst Christ und jetzt Muslim, und sorgt dafür, dass sie in seinem am Meer gelegenen Palast unter halbwegs erträglichen Bedingungen leben können. Belmonte hat nach Monaten einen Brief seines Dieners Pedrillo erhalten und kennt nun den Aufenthaltsort der Vermissten. Er segelt zu der von Pedrillo bezeichneten Küste, entschlossen, die Entführten zu retten.

Schon die Zeitgenossen Wolfgang Amadeus Mozarts waren sich darüber im Klaren, dass DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL weit bedeutsamer geraten war, als es die Gattungsbezeichnung „Singspiel“ vermuten ließ. Nicht nur der Auftraggeber, Kaiser Joseph II., konstatierte bei der Wiener Uraufführung 1784 irritiert die „gewaltig vielen Noten“, auch Goethe sah sich gezwungen seine eigenen Bemühungen um deutschsprachige Singspiele angesichts des durchschlagenden Erfolgs von Mozarts Stück in Frage zu stellen. Schon bald wurde die ENTFÜHRUNG als erste deutsche Nationaloper betrachtet: als erster gelungener Versuch, der theatralischen Affektsprache der italienischen Oper ein gleichwertiges Werk in deutscher Sprache entgegenzustellen. Das betrifft vor allem die emotionale Tiefe der Figuren: In der Extremsituation der Fremde, die das Paar Belmonte und Konstanze von allen äußerlichen gesellschaftlichen Einflüssen isoliert, gelingt es Mozart, die Grundfrage zwischenmenschlicher Beziehungen auf unbedingte Weise musikalisch zur Sprache zu bringen: Liebe ich den Anderen wirklich so, dass ich mein Leben mit ihm verbringen will? Und kenne ich mich selbst so gut, dass ich solch eine Bindung reinen Gewissens eingehen kann?

Musikalische Leitung: Arthur Fagen
Inszenierung, Bühne: Rodrigo García
Bühne, Video: Ramon Diago
Kostüme: Hussein Chalayan
Licht: Carlos Marquerie
Chöre: Thomas Richter

Spieldauer: ca. 2 Stunden 45 Minuten / Eine Pause


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
What are u doing here, Mr. García?
  · 23.06.16
''Die Verpackung wäre Pillepalle, würde García mit Inhalten überzeugen. Die aber sind rar gesät und kommen über Drogenküchenpsychologie nicht hinaus. So gucken beispielsweise Blonde und Osmin durch eine Comicwand, auf der Wile E. Coyote mal wieder dem Road Runner nachstellt: Das schlaue Sopranvögelchen (meep, meep) lässt sich nicht so schnell einfangen, comprende? Belmonte wird ob seiner besungenen Liebe zu Konstanze der Lüge bezichtigt. Und warum jene überhaupt von"Martern aller Arten" berichtet, ja, das fragt man sich. Garcías Szenerie und Mozarts Singspiel laufen wie zufällig zur selben Zeit am selben Ort. Oder anders: Wäre dies ein Schauspiel, ich würde Belmonte, der lieber Prince oder Queen hören möchte, augenblicklich zustimmen. Obwohl… Retten ließe sich dadurch wohl auch nichts mehr, denn der Plot wird so spannend serviert, man möchte am liebsten einschlafen. Was wiederum Mozart verhindert.'' schreibt Heiko Schon am 23. Juni 2016 auf KULTURA-EXTRA
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Befreiung aus dem Erotik-Drogenlabor
  · 18.06.16
Wolfgang Amadeus Mozart komponierte 1782 ein „deutsches Singspiel“, im Umfeld der italienischsprachigen Oper damals eine wegweisende Innovation. Die Handlung kreist um die Themen Liebe und Treue, bekommt nach damaliger Mode neben dem deutschen Text auch als Kontrast stellenweise orientalisches Kolorit und „türkische Musik“, lauter Elemente, die dem Auftragswerk von Kaiser Franz Joseph II.  vom Start weg einen stetigen Bühnenerfolg sicherten. 

Nach mehr als 200 Jahren ist die Attraktivität des Opus bis auf Mozarts meisterliche Partitur allerdings verblasst, die Handlung wirkt betulich und kann den an starke Reize gewöhnten Zuschauer unserer Tage in der Regel kaum mehr fesseln. So entschließt sich der kolumbianische Filmregisseur Rodrigo Garcia für seine erste Musiktheater-Inszenierung zu einer Totalresektion und eliminiert als erstes sämtliche deutschsprachigen Dialoge. Aus dem „deutschen Singspiel“ wird auf diese Weise eine Verknüpfung deutschsprachiger Arien mit englischsprachigen Dialogen. Das szenische Geschehen wird kräftig aufgepeppt, vor allem durch einen voluminösen Monstertruck und einen überdimensionalen Stoffballon in Gestalt einer Orange, der die linke Bühnenhälfte füllt und für ausgedehnte Videoprojektionen genutzt wird. Der inneren Logik und Plausibilität der Handlung wird damit kein rechter Dienst erwiesen, aber der Opernbesucher unserer Tage ist es zumindest in Deutschland ja ohnehin gewohnt, überlieferte Werke mit kräftigen Verfremdungseffekten präsentiert zu bekommen. 

So werden hier Pedrillo, Blonde und Konstanze während eines Picknicks in ein Raumschiff hinaufgebeamt, das sie im orientalischen Serail des hier weiblichen Bassa Selim (Annabelle Manding) wieder ablädt. An diesem Ort der Begegnung sind Frauen und Männer vor allem mit ausgiebigen Sexspielen beschäftigt, deren Totalität auch durch allerlei labormäßige Apparaturen und flankierende Hilfen in Form  mental wirksamer Drogen unterstrichen wird.  Belmonte (Matthew Newlin) und Pedrillo (James Kryshak) planen und exekutieren die titelgebende Befreiung von Konstanze (Kathryn Lewek) und Blonde (Siobhan Stagg), nicht ohne zuvor ausführlich über Liebe, Treue und Partnerbindung meditiert zu haben. Als Verfechter von Bassa Selims orthodoxer Rechtsposition agiert Osmin (Tobias Kehrer), der die importierten Nicht-Muslime am liebsten auf jede nur denkbare Weise zu meucheln gedenkt. Gleichwohl entscheidet sich die Drogenbaronin Bassa in einer abrupten Kehrtwendung, die Fremdlinge unbehelligt ziehen zu lassen, was ihr von den akklamierenden Untertanen als Zeichen überlegenen Großmuts gutgeschrieben wird. Bassa Selim bekommt Gelegenheit zu einem salvatorischen Schlusswort, demzufolge es sich „nirgendwo so gut leben läßt wie hier“.

Gesungen wird durchgehend untadelig. Allen voran die Konstanze von Kathryn Lewek, die in ihrer Bravourarie „Martern aller Arten“ ein wahres Feuerwerk gesangstechnisch heikler Sopranleistungen in sehr klangschöner Form abbrennt. Tobias Kehrers Osmin kommt  mit der Rolle des buchstabengetreuen Haremswächters überzeugend zurecht, auch wenn die Stimme in der Tiefe gelegentlich etwas die notwendige Kraft vermissen läßt. Der Musikchef des Hauses, Donald Runnicles steuert sein gut disponiertes Orchester solide durch Mozarts kammermusikalischen Satz, wobei man ihn gleichwohl nicht als den geborenen Mozartdirigenten apostrophieren würde. 

Die eigentliche Überraschung kommt zum Schluss der Premiere. Nach dreimaliger Wiederholung des üblichen Applausballetts blicken die als Chorus line aufgereihten Mitwirkenden erwartungsvoll in die Gasse, aber der übliche Auftritt des Regieteams entfällt. Stattdessen fällt der Vorhang mit dem Tempo einer Guillotine, und das aufblendende Saallicht signalisiert das Ende der Beifallszeremonie, was vom düpierten Publikum mit lauten „Buh“- und „Pfui“-Rufen quittiert wird. Kein Zweifel: derartige Fluchtreaktionen sollten nicht zur Regel werden, wenn sich das Haus nicht dem Vorwurf einer Missachtung des Publikums aussetzen will. 

http://roedigeronline.de
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Burleske Leichtgewichtigkeit im Tonfall
  · 18.06.16
''Donald Runnicles dirigert einen kreidig pastellfarbenen, agilen und wie hingeschüttet wirkenden Mozart. Kunststück!, Denn er macht dies traditionell, ohne als zu old fashioned rüberzukommen. Vor allem stimmt die burleske Leichtgewichtigkeit des Tonfalls mit dem Konzept der Aufführung insgesamt überein.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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